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Ulrike Walther schließt ihr Uwe-Lüders-Kunststipendium mit einer Kurzausstellung in der KulturBäckerei ab.

Ulrike Walther stellt in der KulturBäckerei aus

Lüneburg. Kommt man mit Ulrike Walther ins Gespräch und führt es über ihre lebensbejahenden Bilder hinaus, dann sagt sie schon mal: „Ich leide an der Welt. Ich brauche Schönes.“ Ulrike Walther ist in ihrem Leben ein hohes Risiko eingegangen. Sie arbeitete international als Architektin und warf den Erfolg hin für eine Leidenschaft: die Kunst, genauer das Aquarellieren. Das Genre tritt in Deutschland inflationär auf. Es bekommt aber, zumindest in seiner professionellen Form, nicht die Wertschätzung, die es in anderen Ländern genießt. An diesem Wochenende zeigt Ulrike Walther in der KulturBäckerei ihre ausgefeilte Kunst des Aquarells.

Leider nur an diesem Wochenende. Aufwand und Qualität hätten eine längere Ausstellungsdauer verdient. Aber das liegt nicht in der Macht der Künstlerin. Sie bringt für drei Tage aus ihrem Atelier bei Jesteburg einen repräsentativen Querschnitt ihres Schaffens mit. Stadt und Land, Akt und Porträt. Ulrike Walther ist mit verschiedenen Themen unterwegs, findet für jedes eine Sprache.

Besonders werden Besucher die vor Ort gemalten Lüneburg-Motive interessieren. Diese schuf Ulrike Walther mit dem Uwe-Lüders-Stipendium, das drei Monate Malen ohne Existenzdruck ermöglicht. Einen Monat lang besteht so etwas wie eine Residenzpflicht in Lüneburg. Die Künstlerin, 1973 geboren, war zudem aufgefordert, rund hundert Bilder zu schaffen, was hieß: malen, malen, malen – möglichst zwei Bilder am Tag. Das geht eigentlich gar nicht, aber es hat Positives bewirkt: „Ich musste meinen Hang zum Perfektionismus loslassen und wurde freier.“

Das ist den Bildern aus der Region anzusehen. Es gibt die genauen, Idyll-orientierten Motive, bei denen Ulrike Walther auf die Balance achtet, nicht ins Beliebige oder Kitschige abzugleiten. Es sind aber auch Bilder präsent, in denen dunkle, fast geheimnisvolle Farbklänge dominieren und solche, bei denen sich Motive wie der Marktplatz in Farbfläche aufzulösen scheinen. Andere Bilder, etwa aus New York, führen in Straßenschluchten, zeigen die Imposanz der City und ihre Undurchdringlichkeit.

Ulrike Walther schraubt ihren Anspruch immer höher

„Ich male nicht zum Selbstzweck, nicht, um meiner Seele Ausdruck zu geben. Ich will im idealen Fall den Menschen eine Art Glücksmoment schenken“, sagt die Künstlerin. Dafür achtet sie auf die Leuchtkraft der Farben und auf das Licht. Mitträger der Atmosphäre, der Stimmung ist immer der offen bleibende Malgrund, darin liegt eine Kernaufgabe der Aquarellkunst. „Man kann keine Fehler übermalen“, sagt Ulrike Walther, die ein Skizzenbuch dabei hat, mit dem sie ihre Bilder vorplant. Der Zufall spielt dennoch mit – und mit der Seele ist das denn doch etwas anders: „Sie steckt natürlich doch in den Bildern.“ Ohne geht es nicht, denn schnell verkommt Kunst zu Kunstgewerbe.

Mit Bildern Freude, Magie und Leichtigkeit verbreiten zu wollen, das ist das eine. Einem immer höher geschraubten Anspruch und einer Weiterentwicklung zu genügen, das ist das andere. Dass es zusammengeht, daran strickt Ulrike Walther.

Am Sonnabend und Sonntag sind die Bilder von 13 bis 18 Uhr zu sehen. Zur Ausstellung erscheint ein durch das Uwe-Lüders-Stipendium finanzierter Katalog.

Von Hans-Martin Koch