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Es ist angerichtet: Gomez Addams bringt einen Trinkspruch aus, in dem Becher allerdings ist ein ziemlich übler Zaubertrank. Foto: tonwert21

The Addams Family: Eltern können so peinlich sein

Lüneburg. Wednesday Addams und Lucas Beineke stammen aus ziemlich unterschiedlichen Welten. Sie ist die Tochter einer Zombie-Familie, die in einer Villa am New Yorker Central-Park das düstere Leben von Untoten führt. Er ist der Sohn von bürgerlichen, kreuzbraven Provinzlern. Die Teenager sind verliebt, wollen tatsächlich heiraten, aber da ist wohl noch Gesprächsbedarf, denn hier sind sich Wednesday und Lucas einig: .

Frankensteins Monster arbeitet als Butler

Damit nimmt „The Addams Family“ seinen schrägen Lauf: Das Muscial, das in manchen Momenten an die legendäre Rocky Horror Picture Show erinnert, feierte nun im T.3 vielbejubelte (und natürlich ausverkaufte) Premiere. Das Format heißt „StudiMusical“, Leuphana-Studierende singen, spielen und tanzen in der Regie von Svenja Huckle (musikalische Leitung) und Oliver Hennes (Inszenierung, Choreografie und Kostümbild).

Grundlage des ganzen Spektakels sind Cartoons von Charles Addams, die längst Kultstatus haben. Ähnliches gilt auch für eine entsprechende Fernsehserie und Kinoverfilmungen – fehlte nur noch ein Musical. Es wurde prompt 2010 am Broadway uraufgeführt. Apropos ausverkauft: Die nächsten drei T.3-Vorstellungen sind es bereits, das gilt auch für den 9. Juni. Bleiben noch fünf Termine, bei denen es zügig vorangeht.

Grufti-Paar mit Bilderbuch-Ehe

Lucas und Wednesday, die mit einer Armbrust im Central Park unterwegs war, haben sich also dort kennengelernt und verknallt. Nun möchten sie – ganz vorbildlich – die Eltern an einen Tisch bringen. Wednesday weiß, dass ihre Mama Schwierigkeiten machen würde und bittet den Papa, erstmal nichts von dem wahren Grund für das Diner zu verraten. Das aber bringt Gomez Addams in Gewissenskonflikte, denn eigentlich will er vor seiner Frau Morticia keine Geheimnisse haben. Schon erstaunlich: Ausgerechnet dieses Gruftie-Paar, in dessen Haus so ziemlich jeder deutlich einen an der Waffel hat und in dem die Geister der Nicht-ganz-Verstorbenen umgehen, pflegt eine Bilderbuch-Ehe, ganz im Gegensatz zu den biederen Beinekes.

Alice und Mal Beineke ahnen bereits an der Haustür der Addams, dass dieser Antrittsbesuch von der härteren Sorte sein würde: Als Butler öffnet ihnen Frankensteins Monster die Tür – wohl ein Zitat, in der Rocky Horror Show hatte der gruselig-buckelige Butler Riff Raff das hüftsteife Spießerpärchen Brad und Janet empfangen. In den folgenden anderthalb Theaterstunden müssen Wednesday und Lucas erleben, dass schiefgeht, was schiefgehen kann, und alles auf die größtmöglich anzunehmende Katastrophe zuläuft.

Zur temperamentvollen Addams Family, offensichtlich spanischer Herkunft, zählt beispielsweise eine Grandma, von der Morticia und Gomez dachten, sie gehöre jeweils zur Familie des Partners. Und dann ist da noch Onkel Fester, der sich ebenfalls verliebt hat – in den Mond, weshalb er bei abnehmender Sichel immer schrecklich unglücklich ist. Alice und Mal beschwören ihre Eltern, sich bitte ausnahmsweise normal zu benehmen. Aber was heißt das schon? Bei Familie Addams gilt: Was für die Spinne völlig normal ist, ist für die Fliege eine Katastrophe.

Liebe überwindet alle Grenzen

Dies alles wird von einem hochmotivierten, punktgenau agierenden Ensemble (25 Personen, Band inklusive) transportiert, in den Duo- wie in den turbulenten Massenszenen. Ein paar Akteure sind dabei, die könnten problemlos in der Profiliga mitspielen. Erstaunlich: Das Casting war im November, Oliver Hennes begann erst in diesem Jahr mit den Proben und hat in kurzer Zeit ein hinreißendes Panoptikum auf die Beine gestellt.
Das Ganze geht glimpflich für alle Beteiligten aus. Die Liebe überwindet am Ende alle Grenzen und Entfernungen – zwischen Landeiern und Großstädtern, Toten und Lebenden, und sogar die 384 400 Kilometer zwischen Erde und Mond.

Von Frank Füllgrabe

Gäste und Bewohner der Addams-Villa

Darsteller und Chor: Max Sellmer, Hannah Keymling, Lisa Peters, Leon Schlodtfeldt, Christopher Werner, Sebastian Reimann, Celina Cleslak, York Klinkhart, Kyra Renftel, Yannik Gehlen, Lea Lensky, Daniel Popp, Rebekka Eitel, Lina Ludwig, Martina Closs, Melina Pampoukidou, Maria Kramer, Manon Kopp.

Die Band: Sarah Böckmann, Moritz Constantin, Jeremy Stoppel, Jacob Prohn, Timo Weege, Joschka Parienté, Svenja Huckle.