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Mareike Zimmermann inszeniert ein Stück für Kinder. Foto: nh

Aber bitte mit Happy End

Lüneburg. Es ist ein langer Ritt von Innsbruck nach Lüneburg, aber das Leben im ICE ist für frei arbeitende Regisseure Alltag. Gewohnt sind sie auch, sich zu reduzieren, wenn sie auf Zeit in einer anderen Stadt leben, oft bei Freunden oder Bekannten. Das ist bei Mareike Zimmermann nicht anders. Sie kommt also aus Innsbruck, wo sie heute lebt, in den Norden und probt für „Die kleine Meerjungfrau Rusalka“.

Die kleine Meerjungfrau kennt jeder. Sie sitzt seit 1913 auf einem Stein im Hafen von Kopenhagen. Sie gibt einem 180 Jahre alten und ziemlich traurigen Märchen von Hans Christian Andersen den Namen. Bei Disney heißt sie seit 1989 Arielle. „Rusalka“ wiederum ist eine Oper von Anton Dvorak, gut hundert Jahre alt. Wie sich „Die kleine Meerjungfrau Rusalka“ zu einer Geschichte für Kinder zusammenstricken lässt, die nicht länger als eine runde Stunde dauern soll und vorwiegend aus Musik besteht, das ist die Aufgabe von Mareike Zimmermann.

Vorarbeiten hat Friedrich von Mansberg als Musikdramaturg des Theaters mit Kindern der Grundschule Hasenburger Berg geleistet. Sie haben eine Geschichte aus Märchen, Film und Oper gefiltert. Die musste natürlich ein Happy End bekommen, und sie wird von der Musik Anton Dvoraks getragen. „Wir versetzen die Geschichte emotional in die Lebenswelt der Kinder“, sagt Regisseurin Zimmermann. Dabei geht es zum Beispiel um Verbote und Grenzen, die Eltern setzen und die von Kindern gern umgangen werden.

Auf der Bühne umgesetzt wird das von Franka Kraneis als Rusalka, die um der Liebe willen nicht länger Meerjungfrau sein mag, und Timo Rößner als Prinz. Steffen Neutze spielt und singt Rusalkas Vater, den Meerkönig, und als Hexe kommt Kirsten Patt ins Spiel. Marcus Billen als Koch ist dabei und der von Anna Schwemmer vorbereitete Kinderchor. Das Dvorak-Orchester wird in ein Klavier gebündelt und von Kanako Sekiguchi gespielt. Sie hat auch die musikalische Leitung.

Mareike Zimmermann bringt für ihre Arbeit eine Fülle von Erfahrung mit. Sie hatte Germanistik, Theater- und Filmwissenschaften studiert, außerdem Italienisch. Ihre Bühnenkarriere begann im Schultheater, wie eigentlich für jeden. Sie, führte schnell weiter, nach Straßburg, Gelsenkirchen und Kaiserslautern, wo sie erstmals Regie führte – bei Schönbergs „Pierrot lunaire“. Seither tourt Zimmermann durch Deutschland und Österreich, inszeniert Opern, zunehmend auch Schauspiel. Damit nicht genug: Nach der Premiere ihres ersten Lüneburg-Engagements am Freitag, 5. Mai, um 10 Uhr wird sie schnell wieder im Zug sitzen. Zurück nach Innsbruck, wo sie mit Mann lebt, wo aber auch das Tiroler Landeskonservatorium seinen Sitz hat. Dort arbeitet sie mit der Opernklasse, noch im Mai kommt Henry Purcells „Dido und Aeneas“ heraus.

Die Zugfahrt wird sie nutzen, zur Vorbereitung und vielleicht auch zum Schreiben eines Stücks. Damit ist sie ebenfalls erfolgreich, zum Beispiel mit der Kinderoper „Ritter Odilo und der strenge Herr Winter“. Das ist ein Klassenzimmerstück, wird also gern in Schulen gespielt. Am Freitag aber werden erst einmal die Grundschüler vom Hasenburger Berg ins T.3 kommen, um zu sehen und zu hören, was aus ihren Ideen geworden ist.

Von Hans-Martin Koch