Donnerstag , 13. Dezember 2018
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Barbara Krabbe ist Schauspielerin und freut sich, nach vielen Jahren wieder einmal in die Ballettwelt eintauchen zu können. Foto: t&w

Ein Ballett über Ballettproben: Der Schwan wird schwarz

Lüneburg. Bei den Stoffen, die Olaf Schmidt seinen Tänzern auf den Leib schneidert, weiß lange keiner so genau, wie es denn aussehen wird. Manchmal darf von Ferne gerätselt werden, was der Ballettdirektor denn überhaupt eigentlich vermutlich vorhat. Am Ende aber ist noch immer etwas extrem Sehenswertes dabei herausgekommen. Nach vielen ernsten Stoffen kommt es es nun ganz anders. „Ich habe bei den Proben schon viel gelacht“, sagt Barbara Krabbe. Sie ist nicht Tänzerin. Sie ist Doris. Jedenfalls heißt die Rolle der Hamburger Schauspielerin so in dem Stück: „Laura oder immer Ärger mit dem schwarzen Schwan“. Die Uraufführung findet am Freitag, 19. Mai, um 20 Uhr im Lüneburger Theater statt.

Olaf Schmidt lädt vor den Premieren seiner neuen Stücke stets zu einer Matinee. Bei diesen wird gezeigt, wie denn das bevorstehende Stück zustande kommt. Am Sonntag, 14. Mai, um 11 Uhr gibt es wieder so eine Werkstattschau im garantiert voll besetzten Großen Haus. Nur müssen Schmidt und Mitstreiter wie Co-Regisseur Boris von Poser an diesem Morgen erklären, wie ein Stück entsteht, das davon handelt, wie ein Stück entsteht.

Einst Witwe Bolte und des Teufels General

Denn genau das ist das Thema von „Laura. . .“ Es zeigt, das lässt sich sicher sagen, wie „Schwanensee“ einstudiert wird. Aber das nur vordergründig, denn tatsächlich zeigt Schmidt, wie ein Ballettdirektor seine Tänzer quält und hätschelt, wie er auf den letzten Drücker noch ganz andere Schrittfolgen verlangt, wie er plötzlich die Musik ändert und was passiert, wenn die Hauptdarstellerin plötzlich den sterbenden Schwan gibt, sprich: krank ist. Der „schwarze Schwan“, der im Titel zu dem Stück genannt ist, steht sinnbildlich für all die ungeahnten Ereignisse und Katastrophen im Ballettsaal und auf der Bühne.

Barbara Krabbe also spielt die Doris, die Inspizientin. Der Name ist ein Insider-Gag und meint Doris Pfeiffer, die über viele, viele Jahre das Inspizienz-Monument des Theaters war. Nun ist sie verrentet, raucht aber ihre Zigarette trotzdem am liebsten auf den Stufen vor dem Bühneneingang. Da könnte sie Barbara Krabbe treffen, sie hätten viel zu erzählen, denn beide haben ja mal getanzt. Barbara Krabbe wechselte später zum Musical, und heute ist sie vor allem im Schauspiel zu sehen. Konkret ab heute, Donnerstag, bei den „Sekretärinnen“ in den Hamburger Kammerspielen.

Die Lüneburger Bühne kennt Barbara Krabbe schon aus der Ära Jan Aust. Sie spielte in „Des Teufels Gerneral“ und dann die Witwe Bolte im Weihnachtsmärchen „Max und Moritz“. SchauspielerInnen müssen eben vielfältig sein. Nun also Doris, die Inspizientin, also die Kraft, die Abend für Abend den Überblick behält und weiß, wann wer wo wie auf die Bühne muss. „Ich mische mich auch mal vehement ein“, sagt Barbara Krabbe zu ihrem Part.

Tänzerin wird zur Kostümbildnerin

Der entstand aus Improvisationen heraus – und kann sich bis zum 19. Mai sicher noch ändern. Neben der zehnköpfigen Compagnie hat Olaf Schmidt einige Ex-Tänzer des Theaters recycelt. Kerstin Kessel, heute Assistentin des Ballettdirektors und Trainingsleiterin, kommt als Kostümbildnerin Coco auf die Bühne. Oliver Hennes ist dabei, auch Thomas Pfeffer bei seinem gefühlt 25. Bühnen-Comeback. Olaf Schmidt spielt ebenfalls mit und zwar mehr oder weniger sich selbst. Das wird nicht ohne Selbstironie gehen. Olaf heißt nun Hannes, nun denn, einen Spitznamen braucht ja jeder. . .

„Dass ich jetzt wieder in die Ballettwelt eintauchen kann, das ist schon toll“, sagt Barbara Krabbe, die Schauspielerin. Wer weiß, was dem Schmidt noch einfällt. Vielleicht bringt er die Doris noch zum Tanzen. Er hat ja noch Zeit.

Von Hans-Martin Koch