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Jana Raile präsentiert im Heine-Haus ihr Programm "Die Sterne unseres Glücks". Foto: t&w

Erinnerung an die Heines Ankunft in der Provinz

Lüneburg. Der Vater war an Epilepsie erkrankt, also kam der Sohn, um der Mutter bei der Pflege zu helfen – ungern zwar, aber das Pflichtgefühl siegte: Am 21. Mai 1823 besuchte Heinrich Heine erstmals Lüneburg – eine Stadt, die er, was heute gern zitiert wird, als „Residenz der Langeweile“ bezeichnete, mit einem „Kulturableiter“ auf dem Rathaus. Wie auch immer: Der sogenannte „Ankunftstag“ ist für die Literarische Gesellschaft Lüneburg ein Pflichttermin. In diesem Jahr ist die Erzählkünstlerin Jana Raile mit ihrem Heinrich-Heine-Programm „Die Sterne unseres Glücks“ zu Gast. Naürlich im Heine-Haus. Da der 21. Mai auf einen Sonntag fällt, beginnt die Veranstaltung bereits um 16 Uhr.

„In uns selbst liegen die Sterne unseres Glücks.“
Heinrich Heine

Im Mittelpunkt ihres – freien – Vortrags wird neben Auszügen aus „Deutschland, ein Wintermärchen“ vor allem Heines Prosastück „Die Memoiren des Herrn von Schnabelewopski“ stehen: Heines schwärmt von der Metropole Hamburg, lästert über ihren Freigeist, verliebt sich in Hammonia und spottet der männlichen Einfalt. Der künftige Student Schnabelewopski reist schließlich von Hamburg nach Leiden, begegnet neben den Meernixen dem fliegenden Holländer und vergleicht ein zankendes Ehepaar mit einem Violinenspiel. Heine diskutiert in seinen Texten über die Existenz Gottes und scheut auch vor Krankheit und Tod nicht zurück. Der Programm-Titel stammt aus seinen „Memoiren“ aus dem Jahr 1854; vollständig: „In uns selbst liegen die Sterne unseres Glücks“.

Lesung über die koreanische Teilung

Am Mittwoch, 7. Juni, 19.30 Uhr, liest Anna Kim in der Reihe „grenzenlos“ des Literaturbüros und der Literarischen Gesellschaft aus „Die große Heimkehr“; Moderation: Katharina Borchardt. Anna Kim erzählt von den Folgen der Teilung der koreanischen Halbinsel und den Anfängen des heutigen Nordkorea, dem Beginn der Gewaltherrschaft Kim Il Sungs. Spionagegeschichte, politischer und historischer Roman zugleich, handelt „Die große Heimkehr“ von Flucht und erzwungenem Exil, von Gewaltherrschaft im Norden wie im Süden Koreas. Anna Kim wurde 1977 in Südkorea geboren. 1979 zog die Familie nach Deutschland und schließlich weiter nach Wien. 2004 debütierte sie mit dem Band „Die Bilderspur“.

Mittwoch, 14. Juni, 19.30 Uhr: „Gott ist nicht schüchtern“ – Lesung und Gespräch mit Olga Grjasnowa in der Reihe „ausgewählt“ des Literaturbüros; Moderation: Claudia Kramatschek. Als die syrische Revolution ausbricht, feiert Amal erste Erfolge als Schauspielerin und träumt von Ruhm. Zwei Jahre später wird sie im Ozean treiben, weil das Frachtschiff, auf dem sie nach Europa geschmuggelt werden sollte, untergegangen ist. Hammoudi hat gerade sein Medizinstudium beendet und eine Stelle im besten Krankenhaus von Paris bekommen. Er fährt nach Damaskus, um noch Formalitäten zu erledigen. Ihm ergeht es ähnlich, mit hundert Fremden wird er auf einem Schlauchboot hocken und hoffen, Lesbos zu erreichen.

Ravic Strubel liest aus „In den Wäldern des menschlichen Herzens“

Donnerstag, 22. Juni, Campus der Leuphana Universität, 19 Uhr: Heinrich-Heine-Gastdozentin 2017 Antje Ravic Strubel liest unter anderem aus ihrem aktuellen Episodenroman „In den Wäldern des menschlichen Herzens“ (S. Fischer 2016). Geboren 1974 in Potsdam, studierte Strubel nach einer Buchhandelslehre Amerikanistik, Psychologie und Literaturwissenschaften. Sie debütierte 2001 mit dem Roman „Offene Blende“, es folgten u.a. „Fremd Gehen. Ein Nachtstück“, „Tupolew 134“ und „Vom Dorf. Abenteuergeschichten zum Fest“. Strubel ist auch als Übersetzerin tätig und hat Werke von Lucia Berlin und Joan Didion ins Deutsche übertragen. Moderation: Wend Kässens.

Von Frank Füllgrabe