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Höhepunkt der Jubiläums-Session: Soulman Andreas Kümmert gibt alles, Gastgeber Frenzke begleitet. Foto: t&w

Die 1st Class Session und der Charme der Spontaneität

Lüneburg. Zehn Jahre kann man nicht sang- und klanglos über die Bühne gehen lassen. Es wurde also gefeiert, und es war eine sehr gelungene Geburtstagsfeier. Ins gesamt stolze 350 Musiker sind seit 2007 im Rahmen der 1st Class Session aufgetreten – eine feste, stets hochkarätig besetze Musikveranstaltung, die nicht nur in Lüneburg im Laufe der Zeit immer mehr Fans für sich gewinnen konnte.

Christian von Stern von der Landeszeitung und Carsten Junge von der Sparksassen Stiftung hielten die Eröffnungsrede in der restlos ausverkauften Ritterakademie. Es wurden die Mitwirkenden der 1st Class Session genannt, von der ehrenamtlichen Chauffeurin, über die Sponsoren bis zur zweiten Vorsitzenden des gleichnamigen Vereins Gudrun Reimers, die krankheitsbedingt nicht an dem Abend teilnehmen konnte.

Unbekannte sind oft die Stars von morgen

Gitarrist und Gastgeber Peer Frenzke freute sich sichtlich über das zahlreiche Publikum, appellierte gleichzeitig, auch zu den unbekannten Künstlern zu kommen, denn sie seien oft die Stars von morgen. Er erwähnte Gregor Meyle, der insgesamt acht Mal in Lüneburg auftrat, und Johannes Oerding, der hier vor 30 Leuten spielte, heute die Charts anführt.
Zum Jubiläumsabend kamen die Casting-Show-Kandidaten Andreas Kümmert, Pamela Falcon und Boris Alexander Stein, dazu die Hamburgerin Jessy Martens und die Lüneburgerin Julia Bergen. Die Band bildeten Frank Itt (bass), Anika Nilles (drums) und Rainer Scheithauer (keyboard).

Die Sänger wechselten sich auf der Bühne ab. Als Erste trat Bluesröhre Jessy Martens auf, die mit ihrer kräftigen Stimme und guten Laune das Publikum blitzschnell in ihren Bann zog. Mit Liedern wie „I don‘t need no doctor“ oder ihrem neuen Stück „Undercover“ sorgte sie für energiegeladene Momente. Lokalmatadorin Julia Bergen überzeugte als Background-Sängerin wie auch als Frontfrau („I put a spell on you“). Übrigens: Die Lüneburgerin hat einen Song für das neue Album von Helene Fischer geschrieben, das bereits mehrfach Platin erhalten hat.

Andreas Kümmert ist Star des Abends

Zum ersten Mal bei einer 1st Class Session war US-Sängerin Pamela Falcon, die mit Liedern wie „One of us“ für einen soliden Auftritt sorgte. Boris Alexander Stein, der bis vor Kurzem in Lüneburg wohnte, war an diesem Abend für die leisen Töne zuständig, unter anderem mit „Still“ von Jupiter Jones. Für einen besinnlichen Moment des Abends sorgte Fred Hullerum. Hauptberuflich Rechtsanwalt, kümmert er sich bei der Session um die Reparatur der Instrumente. Er erinnerte vor dem zweiten Set an Lüneburger Musiker, die in den vergangenen zehn Jahren gestorben sind: Heinz Burow, Henning Dahlmann, Tüte Neumüller, Burkhard Noether, Heike Wykhoff und Peter Heil.

Der eindeutige Star des Abends war Soulman Andreas Kümmert. Er ist der einzige Künstler, der es in der fast 20-jährigen Casting-Show-Geschichte geschafft hat, seinen eigenen Weg zu gehen, um sich so von der kommerziellen Musikindustrie zu distanzieren. Er stellte seine eigenen Lieder wie „Silver and Gold“ oder „Heart of Stone“ vor und gewann auch dank seines unerwarteten Humors das Publikum schnell für sich. Ein Höhepunkt des Abends war unter anderem ein Gitarren-Soli-Duell zwischen Kümmert und Frenzke.

Neue Spielstätten für die 1st Class Session

Als Zugabe sangen Pamela Falcon, Jessy Martens und Julia Bergen zusammen „R.E.S.P.E.C.T.“ von Aretha Franklin, ein Klassiker, der immer für Stimmung sorgt. Als Finale wurde das Liedchen „Ein gutes Gefühl“ vorgestellt, das für diesen Abend komponiert wurde und allen Sängern und Musikern auf der Bühne die Chance gab, mit kleineren und größeren Improvisationen, etwas Persönliches von sich zu zeigen. Hier wurde deutlich, wer routiniert ist, und wer noch zu lernen hat: Alle sangen einen kleinen Solopart – außer Boris Alexander Stein, der sich einfach weigerte.

Im Herbst wird es zwei Termine in der Ritterakademie geben, im Oktober wird in der Garage gerockt. 2018 wird auch das Kulturforum Spielstätte, als neuer Auswärts-Spielort kommt Gut Varrel bei Bremen hinzu. Im November wird ein neues Format getestet: „Rock meets Classic“. Keine Geburtstagsfeier ohne Torte: Heidrun Lüneburg, Verlags­assistentin der Landeszeitung, organisierte die süße Sonderanfertigung.

Von Elena Gulli

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