Donnerstag , 13. Dezember 2018
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Jesko Friedrich verbindet kleinteilige Darstellungen mit unheilvollen Ausblicken.

Jesko Friedrich stellt aus

Bardowick. Ein Gespenst geht um in Bardowick. Altehrwürdige Gebäude wie der Dom, der Vitusturm und die Mühle erscheinen in fahlem Licht, Unwetter ziehen am Horiziont herauf, Dämonen verwirbeln die Luft. Konturen lösen sich auf, der Nicolaihof, ehemals ein Leprosenheim, ist mit Knochen gepflastert. Jesko Friedrich hat die jahrhundertealten trutzigen Gemäuer in Angriff genommen, es herrscht eine geisterhafte Ruhe vor dem Sturm. Schlicht „Bardowick“ heißt die Ausstellung, die stille mittlelalterliche Präsenz des Ortes mit messerscharfem Zeichenstift zerschneidet.

Jesko Friedrich, der selbst seit einigen Jahren mitten im Ort wohnt, arbeitet mit Kontrasten: Die Backsteinfassaden werden zunächst mit Farb- und Bleistiften in fast fotorealistischer Präzision penibel ausgearbeitet, doch dann strömt Energie ins Bild – „nach der Pflicht kommt die Kür“, sagt der Künstler. Lustvoll wird die Idylle aufgebrochen, dafür entsteht eine Aura des Unwirklichen, unterschwellig Bedrohlichen, Fantastischen, den Begriff „Fantasy“ hört der Künstler in diesem Zusammenhang nicht so gern, lieber spricht er von magischem Realismus.

Die Momente des letzten Sonnenscheins

Denn nicht alles wird ausformuliert, es bleiben weiße Projektionsflächen, wobei „bleiben“ streng genommen das falsche Wort ist. Denn Friedrich grundiert zunächst dunkel (oft mit Kaffee!), das Weiß wird also aufgebracht und ist nicht – wie etwa beim Aquarell – freigebliebene Leinwand. Damit erzeugt der Künstler eine Stimmung, die er selbst mit Momenten des letzten Sonnenscheins vor mächtig aufziehendem Sturm vergleicht. Solche Momente versucht er auch als Fotograf zu erwischen, „aber als Maler hat man da natürlich viel bessere Möglichkeiten.“ Der Name Franz Radziwill fällt ihm dabei ein.

Die Vielschichtigkeit – und mitunter Widersprüchlichkeit – der Bilder lässt sich auch in der Person des Künstlers finden: Der gebürtige Gießener, Jahrgang 1974, ist eigentlich Germanist, promovierte über mittelalterliche Redensarten und Sprichwörter. Der Philologe hat sich also hineingearbeitet in das mittelalterliche Erleben mit all seinen Schmerzen, Ängsten und Hoffnungen. Aber Dr. Jesko Friedrich ist auch Comic-Zeichner, war in Hamburg Mitherausgeber des Magazins „B 5“, das ist „ein Papierformat, das wir gern eingesetzt hätten, für uns aber viel zu teuer war“. Noch heute zeichnet Jesko Friedrich Cartoons, die vor allem als Postkarten publiziert werden. Neben Radziwill ist Horst Janssen ein Wegweiser.

Bundesesweit bekannt ist Jesko Friedrich aber vor allem als TV-Autor und als Filmemacher bei „extra 3“ durch seine Fernseh-Figur „Johannes Schlüter“, in dessen Rolle er etwa einen „Bushpiloten“ oder einen „Verbrennflaggenproduzenten“ spielte. Die Rubrik wurde 2009 mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet, im vergangenen Jahr gewann er mit extra 3 den Deutschen Comedypreis.

Deutscher Comedypreis für „Johannes Schlüter“

Nun aber stellt sich Jesko Friedrich als Maler und Zeichner vor. Zu sehen sind auch Stillleben und Schilderungen einer Flora, die nicht unbedingt heimisch ist und wiederum den SciFi-Fan verrät. Die Ausstellung in den Räumen der Samtgemeinde Bardowick läuft bis 22. September.
Von Frank Füllgrabe