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Rafael Rojas wohnt in Lüneburg, ist zwar selten daheim, lädt aber am Dienstag zum Konzert ins Theater. Foto: ff

Rafael Rojas singt im Theater Lüneburg

Lüneburg. Wenn es Live-Übertragungen der Metropolitan Opera im Lüneburger Filmpalast gibt, dann sitzt Rafael Rojas völlig hingerissen im Kino. Vorausgesetzt allerdings, er ist zufällig einmal daheim und tourt nicht gerade selbst als Tenor rund um den Erdball. „Etwa einen Monat im Jahr“, sagt Rojas, verbringe er in Lüneburg, hier wohnt er seit gut drei Jahren mit Partnerin Kristin Darragh, „die Stadt ist wundervoll, und ich habe hier viele Freunde“. Ganz sicher verbringt er den kommenden Dienstag im Lüneburger Theater, denn dann ist der gebürtige Mexikaner hier als Tango-Sänger zu erleben.

Eingeladen von Placido Domingo

Zwischen New York und Sidney hat Rafael Rojas die großen Partien gesungen: den Herzog aus Rigoletto, Macduff aus Macbeth, den Rodolfo (La Bohème), Pinkerton (Madama Butterfly), Don José (Carmen), natürlich die italienische Oper, den Alfredo aus La Traviata, den Radamès aus Aida und Ismaele aus Nabucco – „Verdi, Puccini, das italienische Repertoire mag ich am liebsten“.
Rafael Rojas Eltern sind keine Musiker. „Aber ich habe schon als Junge bemerkt, dass meine Stimme gut klang“. Also trat er einem Chor bei, nach dem Stimmbruch nahm er Gesangsunterricht. „Eigentlich wollte ich Biologie studieren, habe eine Weile beides verfolgt, aber dann wurde mir die Oper immer wichtiger.“

Also studierte der junge Mann Gesang an der Universität in Guadalajara und an der Royal Scottish Academy of Music in Edinburgh – und dann ging es plötzlich steil bergauf mit der Karriere: Placido Domingo wurde auf ihn aufmerksam, auf seine Einladung hin sang Rafael Rojas die Partie des Rafael Ruiz (El Gato Montés) in Washington, mehr geht nicht. Seither ist Rafel Rojas ein Weltbürger, seine Kinder sieht er ein- oder zweimal im Jahr, sie sind längst groß, „ich bin sogar schon Opa“, sagt der eher jugendlich wirkende Rafael Rojas grinsend.

Nun also der Tango. Rafael Rojas war gerade als Calaf für die Turandot-Inszenierung der Bregenz Festspiele engagiert, gastierte auf der imposanten, berühmten Seebühne, als ein Tangosänger für eine Produktion gesucht wurde. Rojas fühlte sich sofort daheim in dieser immer etwas schummerigen Welt.
„Argentinien ist ungefähr so weit entfernt von Mexiko wie Europa“, sagt Rojas, aber als Mensch fühle er sich dem Tango nahe, die Musik sei in Mexiko populär, „extremly dramatic“, sehr gefühlsbetont also, melancholisch und geradezu philosophisch. Natürlich drehe sich da vieles um Astor Piazzolla, „aber der Tango hat sich aus seinen Anfängen heraus sehr stark verändert.“ Und: „Wir werden im Lüneburger Theater versuchen, diese rasante („galloping“) Entwicklung bis hin zur Gegenwart auf der Bühne darzustellen. Zwei Kompositionen stammen von unserem Pianisten.“

Ausnahmsweise mit Mikrophon

Mit „wir“ meint Rafael Rojas den argentinische Pianisten Juan María Solare, der die Lieder auch arrangierte, dazu kommt ein Bandoneon-Spieler aus Hamburg, ein Geiger aus Bremen und ein Kontrabassist aus Lüneburg. Um die Show abzurunden, tanzen die beiden Spanier Júlia Cortés und Francesc Fernández Marsal aus dem Ballettensemble des Theaters. Es geht um die Jugend, das Alter, um Pferdewetten und fast immer um die Liebe. Rafael Rojas, der Operntenor, singt, daran muss er sich immer erst ein wenig gewöhnen, am Mikrophon. Stimmvolumen hin oder her, mit Verstärkung lassen sich die Nuancen nun einmal besser darstellen. Das Konzert „Volver – Eine Nacht des Tango“ am 30. Mai im Großen Haus beginnt um 20 Uhr.

Von Frank Füllgrabe