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Angela und Robin Davis zieht es weiter, neue Herausforderungen warten in Österreich. Foto: b

Salzburg ruft

Lüneburg. Die Stadt lernte Robin Davis früh um fünf kennen. Seine Kinder waren klein, schliefen kurz, und so zog Papa mit Kinderwagen los, während die Stadt erw achte. Am Tag und am Abend dagegen ist Robin Davis im Theater zu finden. Noch. Denn Davis zieht mit Frau Angela und den beiden, noch immer recht kleinen Kindern weiter. Der 35-Jährige ist künftig nicht mehr 1. Kapellmeister am Theater Lüneburg, sondern am Salzburger Landestheater. Auch Angela Davis, von Beruf Sopranistin, bekam ein Salzburg-Engagement.

150 Mitbewerberkonnten nicht mithalten

Dass ein Theater wie das in Lüneburg Sprungbrett für Karrieren sein soll, das wurde der Bühne schon 1946 nachgesagt, als dort Siegfried Wischnewski und Karl-Heinz Vosgerau spielten. Beide brachten es später mit „Tatort“, „Derrick“ und andernfilms zu Fernsehprominenz. Die Liste derer, die von Lüneburg aus nach oben kamen, ließe sich locker verlängern. Sie ist aber kurz zu der, die verzeichnen könnte, für wen es scheiternderweise nicht bergauf gehen wollte.
Robin Davis jedenfalls springt nach oben. Er setzte sich in einem zweistufigen Verfahren gegen 150 Mitbewerber durch und wird künftig das Mozarteumorchester dirigieren. Vorher wartet noch die „Christel von der Post“ auf ihn und nicht nur die.

Robin Davis ist Brite, stammt aus Exeter, studierte Mathematik, Liedbegleitung, Kammermusik und Soloklavier. Dann ging er nach Deutschland; zwei Jahre Solokorrepetitor am Theater Dortmund, zwei Jahre Kapellmeister und Assistent des Generalmusikdirektors in Oldenburg. Warum wechselte er zuletzt vom Staatstheater Oldenburg ans Stadttheater? „Es war die bessere Position. Ich wollte viele eigene Projekte haben, mehr Verantwortung übernehmen und viel lernen. Das hat geklappt.“
Kapellmeister bekommen in der Regel Verträge über zwei Jahre. Das ist auch in Salzburg so. Noch sind die Kinder klein, zwei und drei Jahre, aber wenn sie zur Schule kommen, dann will die Familie Davis einen Ort finden, um zu bleiben. Salzburg wäre nicht der schlechteste.

Zum Schluss noch etwas Märchenhaftes

Was bleibt von Lüneburg in Erinnerung? „Oaaach“, stöhnt Davis kurz und würde wohl am liebsten sagen: „Alles.“ Aber dann wählt er doch etwas aus. Dass er zwei Sinfoniekonzerte dirigieren konnte, das sei für ihn etwas Neues gewesen. Die Familienkonzerte fügt er hinzu und natürlich dann doch all die Produktionen, die seine zwei Lüneburg-Jahre prägten. Aber es ist ja noch nicht vorbei.

Jetzt probt Robin Davis also „Schenkt man sich Rosen in Tirol“ und „Fröhlich Pfalz, Gott erhalt‘s“, dazu das Lied mit der „Christel von der Post“. Das sind drei Schlager aus Carl Zellers Operette „Der Vogelhändler“, die 1891 einen Siegeszug durch die Theater antrat. „Ich habe das Stück am Klavier durchgespielt, fand es erst nicht so toll, habe dann gemerkt, was für wunderschöne Melodien, was für grandiose Musik darin steckt.“

Operette hat es heute nicht leicht. Das Kernpublikum hört heute vorwiegend anderes, wenn man bedenkt, dass die Rolling Stones – alle zwischen 69 und 75 Jahre alt – im Handumdrehen 80 000 extrem teure Karten für einen Hamburg-Auftritt verkaufen, an ein Ü 60-Publikum. Und trotzdem: Die Operette lebt. „Der Vogelhändler“ kommt einmalig am Donnerstag, 1. Juni um 20 Uhr ins Große Haus, in konzertanter Form. Friedrich von Mansberg hat eine Fassung erstellt, Robin Davis studiert sie ein. Karten gibt es noch.

Dann ist es noch nicht vorbei mit Robin Davis und Lüneburg. Er studiert auch die Humperdinck-Oper „Hänsel und Gretel“ ein. Sie hat am 17. Juni Premiere und wird am letzten Abend der Spielzeit am 25. Juni noch einmal aufgeführt. Drei Tage später zieht die Familie Davis um. Davis wird erst einmal schlecht erreichbar sein. Denn ein Handy, das hat Robin Davis nicht, das lenkt nur vom Leben ab.

Von Hans-Martin Koch