Donnerstag , 22. Februar 2018
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Die Regisseure Robert Gryczke (links) und Gero Sammrey sowie Schauspieler Daniel Brach planen einen Horror-Film. Links an der Wand: ein Poster von „Alien“-Designer H.R. Giger. Foto: ff

Feed the Reapers: Solange das Blut reicht

Lüneburg/Uelzen. Blut ist teuer – vor allem, wenn man den Lebenssaft massenhaft verspritzen und verkleckern will. Genau das hat Gero Sammre y vor: Als Regisseur eines Horrorfilms benötigt er Dutzende Liter. Und weil Kunstblut zwar zu kaufen, aber zu teuer ist, wird es eben mit Roter Beete selbst angemischt, gerade war der Spezialist für die special effects da, um Details zu klären, und das Rezept gibt es im Internet. Das Problem mit dem wichtigsten Requisit ist also geklärt, in den nächsten Tagen beginnen die Dreharbeiten.

Ein klassisches Geisterhaus-Motiv

Eigentlich ist Gero Sammrey (31) von Beruf Altenpfleger, ein freundlicher, höflicher Zeitgenosse. Aber der Uelzener hatte schon immer ein Faible für alle Filme, in denen es massiv gruselig zugeht – Action, Fantasy, SciFi, was auch immer. Sein erstes Movie, „Jenna`s Lovestory“, drehte er mit sehr viel Enthusiasmus und sehr wenig Geld. Der Rache-Thriller lief auf einigen Festivals und auch im Kino der Stadt, brachte viel Anerkennung, war aber insgesamt noch nicht der große Hit.

Jetzt soll – mit Hilfe seines Co-Autors und Co-Regisseurs Robert Gryczke – alles eine Nummer größer, professioneller werden, No-Budget goes Low-Budget. Durch den Einsatz eines Crowdfunding-Videos sind die angepeilten 1500 Euro nun fast beisammen. Damit lässt sich eine Profi-Kamera mit all dem nötigen Drumherum leihen, auch der Mann, der ein paar möglichst nette Ekel-Kreaturen bauen soll, bekommt sein Honorar. „Handfester Horror kostet eben handfestes Geld“, sagt Gero Sammrey, der auch eigenes Geld in das Projekt steckt, und: „Eine gute Optik ist durch nichts zu ersetzen.“ Also soll so viel wie möglich real gebaut und so wenig wie möglich am Computer animiert werden – „man sieht den Unterschied einfach“.
Die Synopsis für den neuen, gut einstündigen Film „Feed the Reapers“ liest sich so: „Die Geschichte um den mysteriösen Selbstmord eines jungen Mädchens treibt Kim und Denny in ein verlassenes Gasthaus. Dort, wo das Pärchen den gewissen Kick sucht, findet es einen durch und durch grausamen Ort vor“ – eben „ein klassisches Geisterthaus-Motiv“, so Sammrey.

Nicht ohne den „mad scientist“

Es wird wohl ein Nicht-unter-18-jahre-Film werden. Den „Reaper“ kann man sich als recht unsympathischen Gesellen vorstellen – „Creature Feature“ heißt dieses Sub-Genre, Insider wissen dann, wo es lang geht. Parallel wird ein durchgedrehter Wissenschaftler mit obskuren Experimenten das Geschehen begleiten, seit Mary Shelleys Dr. Frankenstein ist auch der „mad scientist“ eine gut eingeführte Horror-Gestalt.

Die Musik stammt vor allem von dem Schlagzeuger, Keyboarder und Sänger Gero Sammrey, befreundete Bands helfen beim Einspielen des Soundtracks. Einen schön-schaurigen verlassenen Gasthof hat sich Sammrey natürlich schon längst ausgeguckt. Die männliche Hauptrolle spielt der Lüneburger Profi-Schauspieler Daniel Brach, der schon bei Jenna`s Lovestory“ dabei war. Neben allerhand Action hat er nun auch eine Reihe klassischer (auch längerer) Dialoge zu absolvieren – damit verweisen die Filmemacher etwa auf den „Pulp-Fiction“-Guru Quentin Tarantino. „Blair Witch“ gilt dem Team als weiterer richtungsweisender Film, dazu „Evil Dead“, die Regie-Arbeit eines David Cronenberg („Die Fliege“), generell das „Texas Chain Saw Massacre“. Es wird Zitate für die Branchen-Kenner geben, „da sind schon ein paar Kopfnicker dabei“, so der Regisseur.

Gearbeitet wird in zwei oder drei Drehtage-Blöcken, jeweils etwa zwanzig Beteiligte müssen an den Sets koordiniert werden – so lange das Blut reicht. „Wenn ordentlich was passiert, bin ich zufrieden“, sagt Gero Sammrey. Aber es gelte auch die alte Horror-Regel: Das Schlimmste ist das, was man nicht zu sehen bekommt, sondern sich vorstellt.

Von Frank Füllgrabe