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Skulpturen von Nico Ihlein

Das Authentische im Unauthentischen

Lüneburg. Der erste Teil drehte sich um Fantasie, der zweite Ausdruck. Jetzt zeigt die Lüneburger Halle für Kunst die letzte Ausstellung ein er Trilogie, die sich mit den besonderen Momenten künstlerischer Praxis beschäftigt. Nun also geht es, drittens, um Echtheit, Wahrhaftigkeit. Unter dem Titel „Authentizität. Das authentisch Unauthentische“ sind Arbeiten von Daphne Ahlers, Kai Althoff, Heidi Bucher, Anna Haifisch, Nico Ihlein, Mike Kelley, Nora Schultz und Kathrin Wojtowicz zu sehen.

„Durchdeklinieren von Referenzen“

Im engeren Sinne geht es um die Aspekte, die im künstlerischen Entwicklungs- und Produktionsprozess tatsächlich auf Interesse und Resonanz stoßen – vor dem Hintergrund, dass sich Arbeiten der Gegenwart mit ihrem theoretischen Überbau vom Adressaten (also vom Betrachter) zu entfremden drohen. „Manch zeitgenössische Kunst erschöpft sich zu sehr im Durchdeklinieren von Referenzen, im Aufrufen eines kritischen Impetus, in einem Diskurs geschulten Vokabular oder in der glatten Oberfläche“, heißt es im Begleittext zur Lüneburger Ausstellung. Und: „Erstaunlich ist, dass (bei der Analyse) vor allem Begriffe ins Blickfeld rücken, die vornehmlich als obsolet und reaktionär gelten“ – eben Fantasie, Ausdruck, Authentizität.

Dabei wiederum gelte es, Klischees zu vermeiden, die Aufgeladenheit der genannten Begriffe zu berücksichtigen und nicht wieder in einen „hoffnungslos altbackenen Kunstbegriff“ zurückzufallen, etwa „die neo-romantische Sehnsucht nach dem Echten, Wahren und Eigenen“ zu bedienen.

In der Praxis kann eine kleine Ausstellung natürlich nur Stichworte liefern, Positionen andeuten. Im Mittelpunkt stehen Skulpturen, Objekte mit einem zuweilen heiter-ironischen Unterton und einer gewissen Rätselhaftigkeit, die durch die Titelgebung befördert wird. „Puppvisit“ heißen beispielsweise zwei Arbeiten von Daphne Ahlers, sie zeigen zwei blau-weiß gestreifte Hüte. Im Ostfriesischen bezeichnet der Begriff den traditionellen Besuch eines Neugeborenen beziehungsweise seiner Eltern daheim durch Freunde und Nachbarn. Da ließe sich ein – zumindest theoretisch schlüssiger – Zusammenhang herstellen: der (gezogene) Hut als Gruß-Symbol, das Blauweiße als Verweis auf die Region.

Ausstellung läuft bis 16. Juli

„The shortest way to confidence“ – also etwa: Der beste Weg, Vertrauen zu schaffen – ist auch so ein Daphne-Ahlers-Titel. Damit werden knuffige Objekte bezeichnet, die von maskenhaften Gesichtern gekrönt werden, die wiederum aus Märchen stammen könnten. Solche Arbeiten sind greifbar und vielleicht auch begreifbar, sie ermöglichen die Erkenntnis von Zusammenhängen, fordern aber keine verbindliche Deutung. Es kann ja auch alles ganz anders gemeint sein. Sie sind eben authentisch unauthentisch, wahr und unergründlich zugleich.

Die Ausstellung in der Reichenbachstraße läuft bis 16. Juli, dazu gibt es ein Rahmenprogramm: eine Führung mit Cora Althusmann (14. Juni, 18 Uhr), mit Workshops (17. Juni, 11 Uhr, mit Hannah Behringer, und 3. Juli, 14 Uhr, mit Bernd W. Plake) sowie mit einem Kunst-und-Kuchen-Nachmittag (16. Juli, 16 Uhr).

Von Frank Füllgrabe