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Christian Firmbach inszeniert die "Hänsel und Gretel"-Oper für das Theater Lüneburg. Foto: nh / A/t&w

Hänsel und Gretel am Lüneburger Theater: Lebkuchen im Juni

Lüneburg. Draußen blinzelt so etwas wie Sommer und die Rede ist von einem der großen Klassiker zur Weihnachtszeit, von der Märchenoper „Hänsel und Gretel“. Märchen passen zu Weihnachten, es gibt ein Haus aus Lebkuchen in dem Stück und Komponist Engelbert Humperdinck brachte sein „Kinderstubenweihfestspiel“ am Tag vor Heiligabend 1893 zur Uraufführung. Das weihnachtet gewaltig. Es geht auch anders. Am Theater Lüneburg feiert „Hänsel und Gretel“ am 17. Juni Premiere. „Hänsel und Gretel“ im Sommer? „Das passt“, sagt Christian Firmbach, „es ist ja eigentlich kein Weihnachststück. Da werden Erdbeeren gesammelt!“ Firmbach muss es wissen, er ist der Regisseur.

Immer zum Ende der Spielzeit bringt das Theater Lüneburg ein Stück heraus, dessen Hauptzeit in der Saison danach beginnt. Das ist in diesem Jahr „Hänsel und Gretel“. Zweimal wird der Klassiker im Juni gespielt, dann wieder vom 28. September über den Zweiten Weihnachtsfeiertag hinaus bis Ende Februar 2018. Also sowohl in Lebkuchen- als auch zum Start in Erdbeerzeiten.
Firmbach räumt mit einem zweiten Klischee auf, dem von der Kinderoper. „Es ist kein reines Kinderstück, sondern eine große, spätromantische, durchkomponierte Oper.“ So drehe sich im ersten Akt eine längere Passage um die Eltern der Geschwister. „Das interessiert Kinder nicht, sie sind an Hexe, Hänsel und Gretel interessiert. Die Hexe muss darum ein Knaller sein.“ Die Hexe, die verkörpert in der Lüneburger Produktion Karl Schneider. Das wird knallern.

Firmbach seit 2013 in Lüneburg

Musikalisch könnte die Märchenoper für Kinder durch die einverleibten Volkslieder interessant sein. Dazu zählen „Suse, liebe Suse, was raschelt im Stroh?“ und „Ein Männlein steht im Walde“. Die Lieder sollten bei aller musikalischen Überflutung noch vertraut – und geliebt – sein.

Christian Firmbach ist seit der Spielzeit 2014/15 Generalintendant des Oldenburgischen Staatstheaters. Es gibt Verbindungen zwischen dem dortigen Staats- und dem hiesigen Stadttheater. Robin Davis, musikalischer Leiter bei der „Hänsel und Gretel“-Einstudierung, kam aus Oldenburg nach Lüneburg. Auch Lüneburgs Generalmusikdirektor Thomas Dorsch war in Oldenburg aktiv, bevor er 2013 nach Lüneburg wechselte.

Firmbach studierte Gesang, wandte sich bald dem Regiefach zu, arbeitete sich empor. Jahre war Firmbach in Bonn, gründete dort unter anderem die Sparte Kinderoper. 2004 wurde er Künstlerischer Betriebsdirektor und Stellvertreter des Generalintendanten John Dew am Hessischen Staatstheater Darmstadt. Es folgte in gleicher Position eine zweite Bonn-Phase.

Hänsel und Gretel „keine Warmduscher-Nummer“

Sein Credo als Regisseur: „Es soll drinstecken, was draufsteht.“ Anders gesagt: „Hänsel und Gretel“ spielt nicht in einem Plattenbau, nicht in einem Flüchtlingsheim, der Hexen-Kannibalismus wird wohl auch kein Thema und ebensowenig eine Deutung der Oper als Kindesmissbrauchsgeschichte. Gute Stücke seien größer als draufgesetzte Bilder, sagt Firmbach und spricht vom Zauber und der Fantasie, die mit der Märchenoper einhergehen. Kuschelig werde es aber deswegen nicht, „es ist keine Warmduscher-Nummer. Schlussendlich handelt es sich um eine Hungerfantasie der Kinder. Wer weiß denn bei uns, was Hunger ist?“

Die Kinder werden von Franka Kraneis (Gretel) und Regina Pätzer (Hänsel) gesungen, die Eltern von Ulrich Kratz und Signe Ravn Heiberg. Mit dabei sind Sarah Hanikel als Sand- und Taumännchen sowie der Kinderchor. Für Bühne und Kostüme sorgt Barbara Bloch. Karten gibt es noch. Die zweite Aufführung (25. Juni, 15 Uhr) ist gleichzeitig die letzte der Spielzeit 2016/17 vor der Sommerpause. Lebkuchen und Erdbeeren sind wieder ab 28. September zu haben.

Von Hans-Martin Koch