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Lisa Wulfes-Lange organisiert die sommerliche Konzertreihe in Amelinghausen, ist auch bei dem Auftakt-Konzert am kommenden Freitag als Flötistin dabei. Foto: ff

Lisa Wulfes-Lange: Flötistin mit langem Atem

Amelinghausen. Das Konzept – heute würde man sagen: Format – ist eigentlich naheliegend, aber man muss eben erst einmal darauf kommen: kleine Konzerte zum Ausklang der Arbeitswoche, ohne großes Brimborium, ohne große Kosten, möglichst in professioneller Qualität und in behaglicher Atmosphäre. Vor zwanzig Jahren veranstaltete Lisa Wulfes-Lange das erste Freitag-Nacht-Konzert in der Hippolitkirche. Jetzt also feiert ihre Reihe „Musik bei Kerzenschein“ runden Geburtstag, mit Kammermusik , einer rockenden Orgel und mit krachendem Tätärä.
Als Lisa Wulfes-Lange, selbst klassisch ausgebildete Querflötistin, 1994 mit ihrer Familie nach Amelinghausen zog, da war die Musiklandschaft des Ortes gerade im Umbruch. Der Organist Klaus-Daniel Serke veranstaltete zuweilen Konzerte, es gab gelegentlich „Klassik im Rathaus“, aber die Zeit war reif für etwas Neues. „Am Anfang, für die ersten drei oder vier Konzerte, habe ich meine Freunde zusammengetrommelt“, erinnert sich Lisa Wulfes-Lange. Die Resonanz war ermutigend.

Im Jahre 1998 startete dann die erste richtige Staffel, an ihrer Konstruktion wurde bis heute nur wenig verändert: sechs Konzerte im Zwei-Wochen-Rhythmus, später Beginn (zunächst 21.30 Uhr, heute 21 Uhr), kurze Dauer (45 Minuten, heute 60), familienfreundlicher Kostenrahmen: Eintritt frei, Spende erbeten. Sponsoren aus der Region sind der Reihe treu, Landschaftsverband und Sparkasse unterstützen. Gastgeber ist die Kirchengemeinde, Pastor Frank Jürgens hilft, wo immer es nötig ist.

Neue Staffel beginnt mit Mozarts „Zauberflöte“

Apropos treu: Längst gibt es auch Stammgäste aus Lüneburg. Zuverlässig zwischen fünfzig und hundert Personen besuchen die Konzerte. Das hat sich herumgesprochen, mittlerweile stapeln sich die Anfragen von Künstlern aus dem ganzen Bundesgebiet auf Wulfes-Langes Schreibtisch (beziehungsweise in ihrem Computer).

Ausnahmen bestätigen die Regel – etwa, wenn der gewohnte Spät-Termin dem Heideblütenfest angepasst werden muss, oder wenn das Ensemble zu groß und laut für die Hippolitkirche ist. Das gilt für Tätära, eine mitgliederstarke Walking-Brass-Band zwischen Rock, Jazz und Funk. Sie war schon einmal mit großem Gebläse, mit der Fernsehmusik von „Raumschiff Orion“, in den Kirchgarten eingefallen. Am Freitag, 23. Juni, 20 Uhr, spielt sie wieder im neu gestalteten Umfeld der Kirche. Die Amelinghausener Querflötistin ist seit Jahren bei der Anarcho-Truppe. Hat sie keine Bedenken, dass ihr eher fein klingendes Instrument in dem Getöse untergeht? „Kein Problem“, sagt Lisa Wulfes-Lange, „die Flöte setzt die i-Tüpfelchen – das fällt aber erst dann richtig auf, wenn sie fehlt.“

Typischer aber für die Freitag-Nacht-Reihe ist das Auftaktkonzert: Am 16. Juni, 20 Uhr (!), steht Mozarts Oper „Die Zauberflöte“ auf dem Programm, bearbeitet für Querflöte, Violine, Viola, Cello und Sprecher. Große Werke im kleinen Format, solche Übersetzungen sind der Veranstalterin ein Anliegen – es gab beispielsweise schon „Peter & der Wolf“ in Kammermusikbesetzung und Mozarts Requiem für Streichquintett.

Orgel-Rockmusik zum Abschluss

Am 7. Juli sind „Love & Peace“ angesagt, dann singt Johnny Silver Songs von John Lennon. Am 21. Juli sind Musical-Songs zu hören, am 4. August wird es klassischer, dann spielen drei Trompeter und ein Organist unter anderem Werke von Bach, Händel und Vivaldi. Wiederum zwei Wochen später ist das Ulf Manú Quartett zu Gast, und am 1. September lässt Patrick Gläser die Orgel rocken.

Am kommenden Freitag also zündet die Küsterin wieder die Nacht-Konzert-Kerzen an. Und wer hat genug Lunge, sie nachher wieder auszupusten? Lisa Wulfes-Lange lächelt: „Mein Mann. Der ist Sportler.“

Von Frank Füllgrabe