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Frank Möller präsentiert auf der Ausstellung auch ein Bau-Projekt, für das sein Büro einen Architekturpreis gewann. Foto: ff

Architekturausstellung im Ostpreußischen Landesmuseum

Lüneburg. Zeitgenössische Architektur ist immer für eine Debatte gut. Das zeigen beispielsweise die Elbphilharmonie (bei der es allerdings h auptsächlich um die Kosten ging) und das Lüneburger Uni-Zentralgebäude von Daniel Libeskind. Aber neben solchen dramatischen öffentlichen Vorhaben gibt es viele Beispiele für raffinierte, elegante, gewagte und kostensparende Projekte in kleineren Dimensionen. Beispiele zeigt nun eine Ausstellung des Bundes Deutscher Architekten (BDA) im Foyer des Ostpreußischen Landesmuseums.

Feuerwehrwache und Flüchtlingsheim

In ihrem weitläufigen BDA-Regionalbezirk Lüneburg baten Alexandros A. Paskopulos, Frank Plesse und Frank Möller ihre Kolleg(inn)en um Anschauungsmaterial für jeweils zwei Bauten. So kamen Texte, Grundrisse, Computergrafiken und Fotografien zusammen, mit denen 18 Projekte illustriert wurden: die Restaurierung des „Horneburger Schlosses“ (es ist nicht wirklich ein Schloss) beispielsweise, eine Feuerwehrwache in Lehesterdeich, eine Wohnanlage für Flüchtlinge in Bremen-Findorff, die skurrile Erweiterung des Spielmuseums Soltau, in Lüneburg unter anderem die Kulturbäckerei, das Kinder- und Jugendtheater und sozialer Wohnungsbau in der Lüneburger Elisabeth-Maske-Straße – die auf dem Stadtplan noch gar nicht verzeichnet ist.
Gezeigt wird, wie engen Rahmenbedingungen – wenig Geld, wenig Platz, strenger Denkmalschutz – originelle Lösungen abgerungen wurden. Alte Bausubstanz wird mit modernen Fassaden kontrastiert, Details spiegeln das große Konzepte im Kleinen, temporäre Bauten (also in diesem Fall Wohncontainer) werden kombiniert mit dauerhaften Gebäuden.

▶ Über ein Projekt freut sich Frank Möller ganz besonders: ein großzügiges Einfamilienhaus in Fürth-Dambach, errichtet auf dem Parkgelände der ehemaligen Grundig-Villa. Dafür erhielt sein Büro „gropp + möller architekten“ einen von fünf Preisen mit dem Titel „max 45“. Er wird nach 2014 nun zum zweiten Mal, der Name deutet es an, verliehen an niedersächsische Architekten, die nicht älter als 45 Jahre sind – Frank Möller wurde 1974 in Kiel geboren, Stefan Gropp 1973 in Lüneburg.

Das preisgekrönte Gebäude bietet auf drei Wohnebenen Raum für eine fünfköpfige Familie. Die Jury würdigte – mit Blick auf die Rahmenbedingungen des Bebauungsplanes – die optimale Nutzung des zur Verfügung stehenden Platzes, stellte außerdem fest, „dass es den Verfassern hervorragend gelingt, mit dem skulpturalen Bau vielfältige Bezüge zur Umgebung herzustellen“. Und: „Besonders überzeugen ausgewogen gegliederte Ziegelfassaden außen und strukturierte Grundrisse innen“. Auffällig ist die Verwendung zweifach gebrannter grauer Ziegelsteine aus Dänemark, der „die monolithische, kräftige Wirkung des Hauses bei gleichzeitig reduzierter Farbauswahl unterstreicht“.

Zwei Führungen für Besucher

Der „max 45“ wurde außerdem vergeben für gelungene Umwidmungen von Gebäuden (aus einer Sparkassenfiliale beispielsweise wurde ein nobles Restaurant, wobei der Tresor als Raum für Gäste erhalten blieb), und für die Aufstockung eines Parkauses mit Penthouse-Wohnungen.

Das Lüneburger Ausstellung „BDA-Schaufenster“ läuft bis zum 2. Juli, dienstags bis sonntags 12 bis 17 Uhr. Zwei kostenlose Führungen – gern auch mit Debatten über Schönheit im Bauwesen – bieten die Veranstalter an: Donnerstag, 22. und 29. Juni, jeweils 16 Uhr. Um Anmeldung im Ostpreußen-Museum per E-Mail (info@ol-lg.de) wird gebeten.

Von Frank Füllgrabe