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Von der Straße auf die Bühne in den Clubs und auf den Festivals: Denmantau ist zwischen Bad Bevensen und Los Angeles unterwegs. Foto: morrison

Wir überleben mit dem, was wir lieben

Lüneburg. Dies ist die Geschichte von jungen Männern, die nach dem Abi nicht studierten, sondern auszogen, die Welt zu erobern. Die als Straßenmusiker in Los An geles landeten, seit drei Jahren dort leben, 50 brandneue Fender-Gitarren geschenkt bekamen, vier Alben aufnahmen – und alles begann in Bad Bevensen. Denmantau heißt die Band der 27/28-Jährigen, sie sind gerade mal in der alten Heimat und haben mehr zu erzählen als mancher mit 80 Jahren. Also denn man tau:

Paul Weber zum Beispiel stammt aus Grünhagen. Er lernte Trompete, gewann 1. Preise beim Wettbewerb „Jugend musiziert“ in Lüneburg. Heute ist er Sänger der Band, aber die Trompete blieb und gibt Denmantau das, was andere nicht haben. Klassik hin, Rockmusik her: Als Band stand Denmantau schon 2003 in Bad Bevensen auf der Bühne. Heute kümmern sich die Musiker um alles selbst, sie brauchen kein Management. Sie haben auch so – nur mit Straßenmusik – mehr als 30 000 CDs verkauft. „“, sagt Gitarrist Jonas Gerigk.

Nach Los Angeles ging die Band nicht wegen des Wetters. In der Stadt leben viele Produzenten, berühmte Musiker, Leute aus dem Business. Ein guter Ort, um entdeckt zu werden. Der Plan ging auf, sie nennen es gezielten Zufall. „Wir haben viele einflussreiche Menschen getroffen“, sagt Paul Weber. Sie spielten beim Santa Monica Pier Festival, als Support-Act für Jefferson Starship und auf der NAMM, der größten Musikmesse der Welt.

Der Plan hatte Folgen, nämlich „unser größtes, spannendstes Erlebnis“: Ein Manager vom Musikkonzern Fender, berühmt für Gitarren, hörte Denmantau, fand Gefallen, bestellte die Band in eine Halle atemberaubender Größe – voll mit Instrumenten, Verstärkern etc. Die Band kam mit vollen Wagen hinaus – alles gesponsert, 50 Fendergitarren waren dabei. Unglaublich! Dann folgte der Krimi.

Paul Weber bewachte den Schatz, während die Bandmitglieder einen Anhänger besorgten. Paul schlief ein und als er aufwachte, kreiste ein Helikopter über ihm, war er von Polzei umzingelt und kurz darauf verhaftet. Der Hallen-Wachmann wusste nicht von der Aktion seines Chefs, sah nur, was vor den Toren stand und drückte den „Panic button“ – Alarm! Alles klärte sich auf.

Energie, Zusammenhalt und Überzeugung

Musikalisch sind Denmantau nicht so leicht zu greifen. Da war mal was mit Metal, dann was zwischen Chili Peppers, Radiohead und Queen Of The Stone Age. „Jetzt sind wir auch mal psychedelischer“, sagt Jonas Gerigk, erzählt vom Jammen mit Paul Scott, der unter anderem mit Pink Floyd aktiv war. Auch Anklänge von Led Zeppelin gibt es, sie testen elektronische Sounds und und und – „Denmantau eben“, sagt Paul Weber. Auf der Homepage steht „Bohemian/Dance Rock“. Passt auch. Irgendwie. Entscheidend sind die Energie, der Zusammenhalt und die innere Überzeugung. Davon haben sie viel.

Das schönste Erlebnis war, sagt Paul, als sie trotz Regen, was eine Seltenheit in L.A. ist, auf der Straße spielten und ein Mann mit Fahrrad die ganze Zeit zuhörte. Am Ende kam er und sagte: „Ich habe euch schon früher gehört und kann nur danke sagen, eure Musik hat mich über meine Scheidung hinweggebracht.“

Zurück ins kleine Deutschland. Sie kommen gern her, jetzt zum ersten Mal nach drei Jahren, genießen die Ruhe, das Ausspannen, mit dem Kanu die Ilmenau runterzugleiten – „mein Lieblingsfluss“, sagt Paul Weber. Ein strammes Tourprogramm haben sie trotzdem: Sie starteten ihre „Dark Light Europe“-Tour in Salzwedel. Da muss man ja eigentlich nicht hin, aber für Demantau ist es ein wichtiger Ort. In Salzwedel baute Dieter Herker ein Zentrum des Wettbewerbs „Local Heroes“ auf, „und wir haben da schon mit 15 Jahren gespielt“, erinnert sich Julian Schonscheck. Er ist in der Band für Gitarre und Tasten zuständig. Mit zur Band zählen Milan Carl (dr) und Stefan Pomplun (b), die nicht beim Treffen im Stadtgespräch-Garten dabei sein konnten.

Am 1. Juli stellen Denmantau ihr neues Album „Dark Light“ im Hamburger Knust vor. Nach Gigs zwischen Berlin und Wien steht am 15. Juli Lüneburgs Salon Hansen auf dem Plan, und noch mehr Heimspiel bietet der 29. Juli, wenn sie zum Stadtfest nach Bad Bevensen kommen. Am 2. September folgt erneut Bad Bevensen, dann im Vakuum, bevor es die Band nach Rom zieht und dann wieder rüber nach L.A.. Ihr Arbeitsvisum gilt noch bis Mitte Februar, wurde bisher locker verlängert. Drei Monate im Jahr aber wollen sie in Europa touren und irgendwann wieder ganz zurückrutschen – wohin auch immer.

Der Punkt, an dem der Vulkan „puff“ macht

Längst mischen sich in ihre Sprache angloamerikanische Wendungen. Man müsse eben aus der „comfort zone“ gehen, sagt Paul Weber, wenn man etwas erreichen wolle. „Jetzt wollen wir uns hier noch einmal grounden, Wurzeln gucken und dann den nächsten Schritt machen. Wie sind an einem Punkt, wo der Vulkan vielleicht ‚puff‘ macht.“
Fazit: „Es läuft alles gut“, sagt Gitarrist Jonas Gerigk. Die Geschichte der Band wird noch einige Kapitel bieten. Sie werden gerade geschrieben.

Von Hans-Martin Koch