Donnerstag , 22. Februar 2018
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Vier aus dem Norden: Peter Horn, Ute Gayk, Christiane Dreyer und Ursula Jaeger.

art textil – Malen mit Fäden

Lüneburg. Die Weberei ist heute, wo sie nicht mehr kraftaufwendig ist, eine weibliche Kunst – zu 90 Prozent. Warum eigentlich? Es liegt am Textilen, es ist ein bisschen wie Häkeln und Stricken, es braucht Geduld. Das sind Antworten, wie sie vier Künstler geben, die seit Jahrzehnten im Metier sind und nun Arbeiten aus den jüngsten fünf, sechs Jahren im Heine-Haus zeigen. Eingeladen wurden sie von Rotraut Kahle von der Lüneburger Heinz-Friedrich-Meyer-Stiftung, der einzigen, die sich in Deutschland um Webkunst kümmert.

Von alten Kulturen und unscharfen Fotos

Alle vier Teilnehmer dieser „art textil“ kommen aus Norddeutschland. Ursula Jaeger aus Bremen schafft bildreiche Tapisserien, inspiriert von alten Kulturen. Als „Malen mit Fäden, ohne Malerei zu imitieren“, bezeichnet sie ihre Kunst. Kleine Figurenarbeiten, von koptyscher Kunst geprägt, zeigt sie und große, in denen sie fast erzählerisch Biblisches aufgreift. Die Arche, fährt sie in den roten Bereich oder rettend hinaus? „Es muss etwas aussagen“, sagt Jaeger. Die Motive sind geometrisch, abstrahiert – „meine Lehrer waren Bauhaus-geprägt.“ Das wirkt nach.

Christiane Dreyer, 1943 in Mecklenburg geboren, arbeitet seit 1980 freischaffend als Textilgestalterin; 1997 erhielt sie den Preis des norddeutschen Kunsthandwerks. Seit Mitte der 80er Jahre verbindet sie Wellpappe und Baumwolle. Sehr Persönliches zeigt sie unter dem Motto „Stille“ – nur drei Farbtöne, wellenschlagend, ins Plastische ausgreifend. Arbeiten, deren Erstellen für sie „wie Therapie“ war.

Persönliches schlägt auch bei Ute Gayk aus Strande durch. Aber unterm Strich ist alle Kunst persönlich, nur manchmal direkter. „Eisige Zeiten“ hat Ute Gayk umgesetzt und dann auch einen „Sonnenaufgang“. Von Landschaften geht sie oft aus. Ein Motiv aber nahm sie von einem Tapisserie-Symposium 2010 im Kloster Lüne mit – eine Inspiration vom Sommerremter.

Schließlich der Kieler Peter Horn, also ist doch ein Mann dabei. Horn, 1936 geboren, geht in jüngerer Zeit von Fotos aus, die er aus der Hüfte schießt. Tausende sind es. Bei einigen macht es „Klick“, dann reizen ihn die Unschärfe und das Geheimnivolle. Figuren mögen wie Silhouetten zu sehen sein, aber es sind fast mystische Erzählungen, die Bild werden.

Alle, die hier ausstellen, gehören einer nicht mehr jungen Generation an. Fehlt der Weberei der Nachwuchs? „Ein großes Problem“, sagt Rotraut Kahle. Die Technik ist langsam, das passt nicht in die Zeit. Vielleicht entwickle sich etwas aus der computergesteuerten Weberei. Aber im Heine-Haus ist alles echtes Handwerk. Zu sehen sind die Bildwebereien bis 16. Juli, Führungen bieten die Künstler am 25. Juni sowie am 2., 8., 9., 15. und 16. Juli, jeweils ab 15 Uhr.

Von Hans-Martin Koch

Zur Person

„Webermeyer“

Heinz Friedrich Meyer (1933-2004) gründete 1998 die „Heinz Friedrich Meyer-Stiftung zur Förderung der Webkunst“. Als Handwebmeister sorgte „Webermeyer“ dafür, dass 1990 die zeitweise abgebrochene Tradition der Webkunst im alten Betsaal des Klosters Lüne wieder aufgenommen wurde. Der Dahlenburger hatte 1958 im Kloster an einem Handwebkursus bei Irma Wendland teilgenommen. Als Künstler schuf Meyer vorwiegend großformatige Wandteppiche aus Naturleinen, Wolle und Seide – mit feinen Farbübergängen und knapper, oft sakral geprägter Motivik. 1993 erhielt Meyer den Kulturpreis des Landkreises Lüneburg.