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Malte Weber lädt junge Filmemacher zu einer Reise ins Mittelalter. Foto: ff

Filmprojekt des Salzmuseums: Zu den Geistern der Saline

Lüneburg. Das alte Portal am Stadtwall, in der Straße Hinter der Bardowicker Mauer, ist eher unscheinbar, eigentlich nur eine Haustür. Aber sie trägt einen vielversprechenden Namen: Gralfahrtpforte. Dahinter führte ein Gang zu einer Solequelle – tief hinab in die Lüneburger Vergangenheit, in jene Zeiten, als der Wohlstand und das Ansehen der Stadt vom Salzexport abhing, erkauft mit der Arbeit von Kindern unter Tage. Malte Weber lädt Teenager ein, ihnen nachzuforschen. „Interview mit einem Geist“ heißt das Ferienprojekt, mit dem sich Weber auch als neuer Öffentlichkeitsarbeiter des Salzmuseums vorstellt.

Wie haben die Menschen im späten Mittelalter gelebt, was hatte sie für Berufe? Die Salzproduktion dürfte ein Knochenjob gewesen sein. „In den Fahrten, den Stollen, herrschte in 18 Metern Tiefe eine Temperatur von 30 Grad“, so Malte Weber, „da haben zum Teil Kinder zwölf Stunden pro Tag gearbeitet.“ Duster war es auch, ein brennender (und rußender) Kienspan als Beleuchtung musste reichen, damit wurden auch die Wände und Böden auf Sickerwasser kontrolliert. Hatte jemand Mitleid? „Den Begriff Kindheit im heutigen Sinne gab es damals gar nicht“, so Museumsleiterin Hilke Lamschus – mit sieben Jahren wurden die Kleinen in die Arbeitswelt der Erwachsenen gestoßen.

Spielfilm soll entstehen

Nicht viel glücklicher waren diejenigen, die im Tretrad den Hafenkran am Stintmarkt in Bewegung hielten – es waren Tagelöhner, keine Zuchthäusler. Fuhrleute, Ewer-Schiffer, Malte Weber will mit seiner Truppe solche Berufe anschaulich machen. Entstehen soll ein kurzer Spielfilm, sieben bis vierzehn Minuten vielleicht, und das unter Anleitung einer professionellen Regisseurin, auch mit entsprechender Trick-Technik, mit Green Screen beispielsweise . Natürlich muss so etwas solide vorbereitet sein – Schauplätze, Entwicklung von Charakteren, Drehbuch, Storyboard, bis zum ersten Dreh muss die Gruppe vieles klären. Die Nachbearbeitung erfolgt dann im Studio, ohne die Kinder.

Das Ferienprojekt ist bereits das dritte, an dem Malte Weber arbeitet, in den letzten Jahren spielten ein Salzgeist und eine ausgebüxte Salzsau die Hauptrollen. Weber, 1976 in Hamburg geboren, studierte in Lüneburg, ist heute Diplom-Umweltwissenschaftler mit dem Schwerpunkt außerschulischer Umweltbildung, hat jetzt offiziell als Museumspädagoge eine Mutterschaftsvertretung übernommen.

Geister-Projekt startet am 10. Juli

Seiner Ausbildung entsprechend konzentriert sich Malte Weber im Schwerpunkt auf das Thema „Salz und Umwelt“. Das gibt – mit Blick auf die Saline natürlich, aber auch darüber hinaus – einiges her, Stichwort Salzbergwerke, Gorleben ist nicht weit. Es gibt immer wieder Pläne, unterirdische Hohlräume als Speicher zu nutzen, sogar für Druckluft, um Turbinen zur Stromerzeugung anzutreiben. Der salzigste See der Welt? Nicht das Tote Meer, sondern der – nach zwei Hubschrauberpiloten benannte – Don-Juan-See in der Südpolregion: Das Wasser ist bis zu 30 Minusgrade kalt und wegen des Salzgehalts immer noch flüssig.

Zurück nach Lüneburg führen soll ein Lüneburg-Stadtplan für Kinder und ihre Familien, er wird zusammen mit dem Kloster Lüne, dem Ostpreußenmuseum, und dem Museum Lüneburg erstellt. Jetzt aber, am 10. Juli, startet erst einmal das fünftägige Geister-Projekt. Es sind noch einige Plätze für Teilnehmer ab zehn Jahren frei, Anmeldung im Museum oder unter Tel. 04131-7206513; die Teilnahme kostet nichts.

Von Frank Füllgrabe