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Klaus Stehr daheim im Musikzimmer mit seinen vielen Instrumenten und der Sammlung von Konzertplakaten. Foto: ff

Belafonte op Platt

Reppenstedt. Heinz Tiekötter hat im Hamburger Hafen als Tallymann gearbeitet, und wer bei dem Wort an Harry Belafontes „Banana Boat Song“ d enkt, liegt völlig richtig. Denn der Tallymann ist ein Ladungskontrolleur, der die über die Kai-Kante gehenden Waren erfasst – „tally“ ist englisch für Strichliste. Heute ist Heinz Tiekötter, Jahrgang 1940, ein plattdüütscher Storyteller, und damit ein Fall für Klaus Stehr. Denn der Reppenstedter hat ein Faible für das Niederdeutsche in Text und Musik, weshalb er nun den Ex-Hafenarbeiter in den Alten Uhu einlädt. Dazu wird es eine Premiere geben: Belafonte op Platt.

Dröömbüddels und Schwartenhals

Damit Heinz Tiekötter dem Publikum angemessen vorgestellt werden kann, lässt Klaus Stehr den Banana Boat Song von Ekhard Ninnemann ins Niederdeutsche übersetzen. Das Lied selbst wird Klaus Stehr dann keine Probleme bereiten, er hat ja als Künstler genug Erfahrung mit allem, was mit Waterkant, mit der Nordsee und ihren Flüssen zu tun hat. 1954 an der Weser – genauer: in Bremerhaven – geboren, begann Klaus Stehr mit seiner ersten Gitarre, wie so viel andere junge Leute auch: mit den Liederheften „Student für Europa“, mit Songs von Donovan bis Bob Dylan.

Zur Gitarre kam das viersaitige Tenorbanjo, gezupft im Dixieland-Style für die „Steamband Bremerhaven“. Bald folgten hoch- und plattdeutsche Lieder in einer Folkgruppe mit dem schönen Namen „Schwartenhals“, gespielt in Hamburger Kneipen, wo Hannes Wader und Knut Kiesewetter auftraten. „Da waren wir mächtig stolz, wenn wir auf Bühnen standen, auf denen auch solche Stars schon gespielt haben.“

Auf der Grünen Insel studierte Klaus Stehr den Irish Folk aus nächster Nähe, also in Konzerten und natürlich in Pubs – die unvermeidlichen „Dubliners“ und die „Chieftains“, aber auch weniger bekannte Bands wie „Planxty“ und die „Bothy Band“. Unter dem Label Irish Folk läuft heutzutage vieles – die gängigen Jigs, Reels und Hornpipes, aber auch die Musik des blinden Harfenisten Turlough O’Carolan (1670-1738), der unter anderem bei seinen Reisen von Johann Sebastian Bach und dem italienischen Barock beeinflusst wurde.

Anfang der 80er-Jahre gündete Klaus Stehr die Folkgruppe „Puzzle“ mit Musikern aus Bremerhaven, den USA und Irland, mit Irish Folk, American Folk und wiederum Liedern auf Platt. Und weil das noch nicht reichte, entstand das Trio „Dröömbüddel“. Mit vier Kollegen veröffentlichte Stehr das Liederbuch „Verfolkt von Liedern und Tänzen“ mit norddeutschen und holländischen Liedern sowie eigenen Kompositionen. Nach einer kreativen Pause trat Klaus Stehr mit der Kieler Folk–rock-Gruppe „Celtic Ring“ auf, noch heute gibt es die Ensembles „Klaus Stehr & Friends“ (dazu zählt auch Partnerin Maggie Grüttner) und „Noordlücht“. Und natürlich gibt es mittlerweile auch eine eigene CD, mit neuen Arrangements von Klassikern, „Sally Gardens“ beispielsweise, und von eigenen Liedern, die etwa „Dünenwind“ und „Boddenvagels“ heißen.

Von seinem Brotberuf bei einem Hamburger Herrenausstatter wird sich Klaus Stehr, der seit einigen Jahren in Reppenstedt lebt, demnächst verabschieden und in den Vorruhestand gehen. Dann ist mehr Zeit für die Organisation von Konzerten und Plattdüütsch-Abenden im Alten Uhu, für neue plattdeutsche Lieder und für das umfangreiche Instrumentarium unten im Keller, in dem geräumigen Musikzimmer, in dem Klaus Stehr auch unterrichtet.

Instrumente aus Lüneburg

Wieviel Gitarren hat er überhaupt? „Weiß ich gar nicht“, gesteht er, da müssen erstmal alle Koffer geöffnet werden. Ab und zu wird ein neues Instrument bei dem Lüneburger Instrumentenbauer Thomas Thämlitz geordert, eine fünfchörige Bouzouki beispielsweise. Mandolinen, eine Bandurria, eine neunsaitige Waldzither und allerhand andere Zupfinstrumente hängen an den Wänden, auch eine alte Klampfe, die für den Bottleneck-Einsatz umgerüstet wird. Eine zweite CD ist in Arbeit, aber jetzt ist erst der Tallymann dran: Dienstag, 25. Juli, 19.30 Uhr im Alten Uhu.

Von Frank Füllgrabe

One comment

  1. Clemens Ratte-Polle

    Moin!
    Datt höört sick ja man hellerbest an! 😀
    So bliff datt regionoale Platt an’t lääwen! 🙂

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