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Jazz-Sängerin Simin Tander ist der erste Gast der Reihe, deren musikalischer Kern von Daniel Stickan (vorn) und Uwe Sterinmetz gebildet wird. (Fotos: nh)

„Lebensklänge“ in Lüneburg: Jazzige und theologische Impulse

Lüneburg. Wenn es so etwas wie Weltbürger im Jazz gibt, dann gehört die Sängerin Simin Tander ganz sicher dazu. Die Tochter eines afghanisch en Journalisten und einer deutschen Lehrerin arbeitet seit 2014 mit dem norwegischen Pianisten Tord Gustavsen. Tander ist auf den wichtigen Festivals und in den großen Konzertsälen zu hören, singt viele ihrer Songs – sie hat ja afghanische Wurzeln – auf Paschtu, zählte mehrfach zu den Gästen des deutsche UN Women Komittee für internationale Veranstaltungen.

„Wir sind total happy, mit ihr zu arbeiten!“, sagt Daniel Stickan. Mit „wir“ meint der Lüneburger Organist und Komponist den Saxophonisten Uwe Steinmetz. Seit 2012 veranstalten Stickan und Steinmetz die Reihe „Lebensklänge“, die in der St. Nicolaikirche Jazz, geistliche Musik und Theologie verbindet.

Nun also steht die sechste Staffel an, das sind die „Lebensklänge“-Konzerte Nummer 21 bis 24. Am Konzept wurde nichts geändert. Im Kern geht es darum, theologische Betrachtungen mit zeitgenössischer Kirchenmusik zu verbinden. Im Zwei-Wochen-Rhythmus laden die Veranstalter jeweils mittwochs um 20.30 Uhr zum Tagesausklang. Es läuft nicht schlecht, „wir haben regelmäßig zwischen 120 bis 150 Besucher“, so Stickan, Tendenz steigend. Weiterhin gilt: Der Eintritt ist frei, Spende erbeten, Sparkassenstiftung und Jazz-IG unterstützen weiterhin das Projekt.

Das Programm:
▶ Am Mittwoch, 26. Juli, gastiert Simin Tander in St. Nicolai, der Abend steht unter dem Titel „Neugier“, darüber spricht Dr. David Andrew Gilland vom Institute of Theology and Religious Education (ITR) der Leuphana.

▶ 9. August: Pastorin Dr. Barbara Hanusa spricht zum Thema „Klarheit“, musikalischer Gast ist Kathrin Pechlof. Sie gehört zu den wenigen Harfenistinnen, die auch – und vor allem – im Jazz zuhause sind.

▶ 23. August: Thema „Schweben“, theologischer Impuls von Pastor Eckhard Oldenburg, an diesem Abend gibt es keinen zusätzlichen Musiker, Daniel Stickan und Uwe Steinmetz stellen Titel ihrer neuen CD „Where roots grow“ vor.

▶ 6. September: „Leidenschaft“, theologischer Impuls von Pastor Stephan Jacob, zu Gast ist der nahe Beirut geborene Sänger Rabih Lahoud, der heute mit (seinem ehemaligen Lehrer) Markus Stockhausen unterwegs ist, als Sänger, Hochschul-Dozent und Chorleiter Musik verschiedener Epochen verbindet.

In allen Konzerten bilden Steinmetz und Stickan das musikalische Zentrum. Der dritte Termin ist gewissermaßen als CD-Release konzipiert: „Where roots grow“ erscheint am 23. August, ist das zweite Album des Duos und die neunte CD in Stickans eigenem Label „Edition Jazz aus Kirchen“. Acht Eigenkompositionen – mit Titeln wie etwa „New Flower“ und „Reflection“ werden ergänzt mit Bearbeitungen, beispielsweise von Johann Sebastian Bachs „Ich steh an deiner Krippe hier“.

Neben Saxophonen und Orgel (das ist die romantische Furtwängler-und-Hammer-Orgel von St. Nicolai) kommt dann auch ein Clavichord zum Einsatz, das mit seiner einfachen Technik (die Tasten schlagen unmittelbar auf die Saiten) ungewohnt helle, perkussive Elemente ins Spiel bringt. Das handliche Instrument kommt – über Verstärker – natürlich auch bei dem Release-Konzert zum Einsatz. Unplugged wäre das Clavichord, mit dem Bach gern komponierte, und das doch eigentlich den Klang einer ganz anderen Zeit transportiert, wohl etwas leise.

Von Frank Füllgrabe