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Rüdiger Tillmann präsentiert seine Wanderwege als extrem präziser Zeichner. Foto: ff

Zeichner Rüdiger Tillmann stellt in der Kulturbäckerei aus

Lüneburg. Die Deutschen und der Wald, das ist schon eine ganz besondere Beziehung, vor allem in der Kunst. Meist ist er symbolisch aufgeladen, siehe Caspar David Friedrich – düster, bedrohlich, ein wenig diffus, eine Vorahnung des Todes. Rüdiger Tillmann hat den Wald durchwandert, im Sauerland und in Bayern beispielsweise, auch im schwedischen Smarland, und präsentiert nun als Zeichner einen ganzen anderen Kosmos: hell, licht, transparent, detailliert bis an die Grenzen der Möglichkeiten – ab Sonntag, 9. Juli, im Artrium der KulturBäckerei.
Birken, Kiefern und Fichten erscheinen mal eng an eng, dann wieder einzeln stehend, sie haben nicht immer ihre Idealform, die Stämme sind über weite Strecken kahl.

Der Betrachter wandert über Lichtungen, stapft durch Unterholz, passiert Baumstümpfe, eine Futterkrippe, anderswo einen schlampig zusammengezimmerten Hochsitz. Tote Äste liegen herum, Spuren eines Sturmes oder der Bewirtschaftung, vielleicht auch des sauren Regens. Laub ist selten, auch malerische Baumfamilien gibt es nicht, keine Blümchen, nur Gras und Strauch, dieser Nadelholz-Wald ist eine Kulturlandschaft, ein Wirtschaftsraum, er soll vor allem Holz liefern und funktionieren. Eine romantische Seite hat er trotzdem.

Klarheit durch Schwarz-Weiß-Stil

Zu spüren ist, wie der Künstler den Wald durchdringt, als Beobachter und Zeichner. Die Arbeiten entstehen nach Fotografien mit der Stahlfeder, sie zerbrechen reihenweise, fünf bis sechs pro Bild, in den vielen Stunden, in denen sich Rüdiger Tillmann beharrlich, Strich für Strich, durch die Szenarien kämpft – von links oben nach rechts unten, von vorn nach hinten, und wehe die Tinte kleckst. Dabei berücksichtigt der Zeichner die gleiche Gesetzmäßigkeit wie das – sonst so ganz andere – Aquarell: Weiße Flächen werden nicht gemalt, sondern auf dem Papier freigelassen.

„Das sind keine Wimmelbilder“, sagt Rüdiger Tillmann, da ist also nichts versteckt, kein putziges Eichhörnchen. Aber gerade, weil sich die Zeichnungen in ihrer nüchternen Schwarzweiß-Klarheit (auch graue Übergänge sind selten) allem Märchenhaften verweigern, wirken sie authentisch und in unaufdringlicher Art präsent. Es sind eben erlebte, bewusst wahrgenommene Räume der Gegenwart. Rüdiger Tillmann stammt selbst aus dem Sauerland, wuchs auf einem Bauernhof auf. Er studierte Illustration in Düsseldorf, Münster und Hamburg. Seit 2005 arbeitet der Diplom-Grafikdesigner als freier Zeichner für Magazine und Zeitschriften, als Cartoonist beispielsweise.

Die Ausstellung in der KulturBäckerei läuft bis zum 22. Juli.

Von Frank Füllgrabe