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„Strawberry Fields forever“: Johnny Silver präsentierte in der Hippolit-Kirche berühmte Songs von John Lennon. Foto: ff

Amelinghausen: Johnny Silver singt John Lennon

Amelinghausen. So geht eines der bekanntesten Zitate der Popgeschichte: „Im Moment sind wir beliebter als Jesus Christus.“ Das sagte John Le nnon im März 1966 der britischen Journalistin Maureen Cleave in einem Interview für den Evening Standard, und der Satz hatte weitreichende Folgen. Gut möglich, dass John Lennon in der Sache recht hatte, und wie üblich in solchen Fällen – siehe: „Wir schaffen das“ – entwickelte es, für sich gestellt, ein Eigenleben. Um John Lennon, seine Lieder, seine Worte und um sein Verhältnis zur Religion dreht sich das Programm „Love and Peace“ mit Johnny Silver.

Hinter dem Pseudonym steckt ein deutscher Musicaldarsteller, der sich in seinem Solo-Programm Klassikern widmet wie „Help“, „All you need is love“, „Strawberry Fields forever“, und natürlich „Imagine“. Silver-Lennon sieht dem Meister ein wenig ähnlich, vor allem aber trägt seine Stimme die großen Songs, das sehen wohl sogar die Briten so: Silver ist angeblich der deutsche Künstler mit den meisten Auftritten im Liverpooler Cavern-Club, und das ist die wichtigste Pilgerstätte der Beatles-Fans. In der Amelinghausener Reihe der Freitag-Nacht-Konzerte in der Hippolit-Kirche wurde seine Auftritt begleitet von theologischen Texten und von Erzählungen über Leben und Werk Lennons. Und Johnny Silvers Beiträge gewährten eine Ahnung davon, welche Ausstrahlung Lennon – solo oder im Quartett – mit seinen Liedern gehabt haben muss.

Unendliche Begeisterung und abgrundtiefer Hass

„Das Christentum wird vergehen. (…) Ich weiß nicht, was zuerst verschwinden wird, der Rock ’n’ Roll oder das Christentum.“ Was auch immer der gerade erst 25-Jährige damals wirklich meinte, und die Zitate werden heute immer ein wenig anders wiedergegeben: In Großbritannien wurde das Interview nicht sonderlich beachtete, in den USA dagegen markierte es den Anfang vom Ende der Beatles-Konzerte. Eine Welle von Wut und Hass schlug den Fab Four, die bisher nur unendliche Begeisterung ihres Publikums kannten, entgegen. Die – bisher eher unterschwellige – Spannung zwischen John und Paul, George und Ringo wurde größer, die Beatles beschlossen, nicht mehr auf Tournee zu gehen. In der Folge gelangen ihnen noch legendäre Alben, aber 1969 kündigte John Lennon seinen Abschied von den Beatles an, der Rest ist Musik-Geschichte.

Aber wer war dieser Liverpooler, der mit Paul McCartney eines der wichtigsten Komponisten-Duos der Popgeschichte bildete? Das Love-and-Peace-Programm entwirft das Bild von einem zugleich ruppigen wie sensiblen – und wohl auch letztlich einsamen – Teenager (Jahrgang 1940), der zwar behütet, aber mit wenig Liebe aufwuchs, sich eingezwängt fühlte in der engen Welt von Kirche und Gesellschaft im England der 50er- und 60er-Jahre. Sehnsucht nach Befreiung, Selbstbestimmung, nach Liebe natürlich, nicht zuletzt nach Spritualität statt nach theologischer Dogmatik – das alles hatte der aufstrebende Popstar mit seinen unzähligen namenlosen Zeitgenossen gemein. Er war unsicher – allerdings auch, weil er kurzsischtig, aber zu eitel für eine Brille war.

Nächster Termin: Freitag, 21. Juli

Der – nicht chronologisch aufgebaute – Liederabend führte zu Momenten in Lennons Leben, in denen sich der Weltstar von der Kirche distanzierte und sich zum Christentum bekannte. Seine Partnerschaft mit Yoko Ono, das „Bed-In“ in den Flitterwochen, das Lennon später als „urkomisch“ und als „Werbespot für den Frieden“ bezeichnete, läutete die 70er-Jahre, die zweite Dekade des Liverpoolers als Suchenden ein. John und Yoko Ono wurden zu Ikonen, das führte in den USA zu teilweise skurrilen Formen. CIA und FBI nahmen einen „radikalisierenden“ Künstler ins Visier, und es kam, wie es im Land der unbegrenzten Waffen kommen musste: Am 8. Dezember 1980 wurde John Lennon von einem geistig verwirrten religiösen Fanatiker erschossen.
Nächster Termin der Freitag-Nacht-Konzerte: Am 21. Juli, 21 Uhr, präsentiert das Quartett Klangeffekte Musical-Songs.

Von Frank Füllgrabe

One comment

  1. Ich wünschte, Johnny Silver würde nicht John Lennon singen, sondern Jonathan Zelter und Jonas Hein!