Aktuell
Home | Kultur Lokal | Neues aus Weddingbostel
Es geht hoch her am „schönsten Tag“. Aber wer hoch fliegt, erlebt mitunter eine harte Landung. Foto: brüggemann

Neues aus Weddingbostel

Wettenbostel. Endlich, im zehnten Jahr, geht es um das Einzige und Wahre, was uns im Innersten zusammenhält: „Die Erfindung der Liebe“. Zehn Jahre also, von „Wa s ihr wollt“ über den „Diener zweier Herren“ bis zur „Schwundregion 3000“, zehn Jahre hat es gedauert, bis das Jahrmarkttheater der wichtigsten aller menschlichen Eigenschaften nachspürt. Das stößt sofort auf Interesse. 15-mal wird das Stück „Der schönste Tag oder die Erfindung der Liebe, Teil eins“ in Weddingbostel bzw. Wettenbostel gespielt und: 80 Prozent der Karten sind vor der Premiere weg. „Die Erfindung der Liebe“ findet auf dem Hof von Maria Krewet statt, erstmals Donnerstag, 27. Juli, 19.30 Uhr.

Erfunden und aufgeschrieben hat die Erfindung Thomas Matschoß, er formt mit Anja Imig seit Beginn das Jahrmarkttheater. „Im zehnten Jahr wollen wir feiern“, sagt Anja Imig. „Mit einer Komödie! Wir wollen feiern, dass wir seit zehn Jahren ein großartiges Publikum haben, das mit uns geht, und die Besucher sollen nun Teil der Feier sein.“ In der Komödie aus Matschoß‘ Schreibe wirkt das Publikum als Hochzeitsgesellschaft mit. „Der schönste Tag“ allerdings, der da gefeiert wird, ufert gnadenlos schräg aus: Brautvater besoffen, Trauzeugin baggert Bräutigam an, Mutter flippt aus, Hochzeitsfotograf will sich im Dorfteich ertränken. . . Aber was macht dabei eigentlich die Liebe? „Sie wird erfunden werden“, versichert Matschoß.
Immer wollen die Theatermacher in ihren Produktionen über das reine Stück hinausschauen. „Was heißt es, Theater als gemeinsamen Ort zu begreifen? Wo stehen wir, was kann Theater leisten?“, fragt Matschoß. Theater ist immer politisch, auch wenn es als rasante Komödie loslegt. Die Familie, die sich am angeblich schönsten Tag im Leben in die Plünnen kriegen wird, bildet im Kleinen einen Abklatsch der Gesellschaft – mit allen Ambitionen, Egoismen und Marotten.

Matschoß/Imig haben ihrer Form von Volkstheater in jedem Jahr eine neue Form gegeben, dabei das Risiko des Scheiterns in Kauf genommen. Sie haben klassische Stoffe gespielt wie Shakespeares „Hamlet“, bauen aber zunehmend auf eigene, von Thomas Matschoß für den Hof geschriebene Stücke. Dabei geht es erst im zweiten Schritt um die Form. „Was sind Themen, die uns interessieren?“ laute die Ausgangsfrage, sagt Matschoß. Das heißt in diesem Sommer auch: Was ist denn das, die Liebe, jenseits von Hollywood und Märchen? Matschoß sinniert: „Wenn wir nicht sterben würden, würde es keine Liebe geben.“ Darüber lässt sich doch beim anstehenden Festtrubel ausgiebig debattieren.

Ausstatterin Anja Imig wünscht sich ein Publikum, das sich festlich anzieht – natürlich dem Wetter entsprechend. Wenn irgend möglich, wird draußen gespielt, wieder an wechselnden Orten auf dem weiten Hof. Wie bei mancher Hochzeit üblich, ist mit einer Polonaise zu rechnen und: „Wir träumen davon, mit allen Walzer zu tanzen.“
Am Wochenende stand bei den Proben der erste komplette Durchlauf des Stückes auf dem Plan. Das Improvisieren mit dem Publikum lässt sich dabei nicht durchspielen, aber das Gros des Stücks ist notiert. Spielen werden viele, die das Jahrmarkttheater seit Jahren begleiten. Das Schauspielteam bilden Ercan Altun, Siine Behrens, Ingrit Dohse, Dörthe Breidenbach, Linda Finke, Tino Frers, Herbert Imig, Tahere Nikkhoyemehrdad, Anna Sinkemat, Mike Schlünzen, Maurice Schneider und Martin Skoda. Für die Musik verantwortlich zeichnet Gitarrist Tornado Rosenberg, auch er ein treuer Begleiter.

Karten gibt es vor allem noch für die Sonntagsvorstellungen, sonntagabends muss sich die Erfindung der Liebe gegen die Erfindung des Mordens im „Tatort“ behaupten. Wer keine Karten erwischt, muss auf Zusatztermine hoffen. Oder warten: Denn die Liebe währet ja so ziemlich ewiglich, und Teil 2 der Erfindung folgt ab 24. November in Bostelwiebeck.

Von Hans-Martin Koch

Was sonst noch läuft „Zebraline“ und „Struwwelpeter“

Als Stück „für die ganze Familie“, also vorwiegend für Kinder wird in diesem Sommer, wenn er denn doch noch einer wird, in Wettenbostel wieder „Zebraline von der Insel“ gespielt, ab 5. August, 15 Uhr mit Tahere Nikkhoyemehrdad, Mike Schlünzen, Maurice Schneider und Thomas Matschoß.

Als einmaliges Gastspiel kommt der „Struwwelpeter“ in der Fassung von Philip Richert und Gregor Müller nach Wettenbostel, am 30. Juli um 19.30 Uhr in der Reithalle.