Donnerstag , 22. Februar 2018
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Die vielen Farben des Kunstlieds wird Sopranistin Sarah Maria Sun mit der Kissinger LiederWerkstatt vorführen. Foto: schestag

Festival für Neugierige in Hitzacker

Hitzacker. Dass Kammermusik cool ist, wusste die „Zeit“ schon vor fünf Jahren. „Kammermusik ist das Zentrum aller Musik“, sagt Cellist Nico las Altstaedt. „Kammermusik ist die Krone der Instrumentalmusik“, setzen Musiker aus dem Gewandhausorchester noch eins drauf. Kammermusik ist in Hitzacker zu Haus, allsommerlich, in diesem Jahr vom 29. Juli bis 6. August. Anders gesagt: zum bereits 72. Mal, eine Zahl, mit der sich die Sommerlichen Musiktage als ältestes deutsches Kammermusikfesval ausweisen. Gerätselt werden darf bei den Sommerlichen 2017, ob 2464 chinesische Spieldosen noch ins Genre passen.

Der Festivalort dient als Residenz

Dass Grenzen musikalischer Genres nicht allzu eng gesehen werden dürfen, das gilt schon lange in Hitzacker und setzt sich beim neuen Intendanten Oliver Wille fort. In seinem zweiten Jahr als künstlerischer Leiter nutzt Wille den Begriff der „Residenz“. Denn viele der Musiker, die an die Elbe kommen, werden vor Ort neue Stücke einstudieren und vorstellen und zudem in verschiedenen Konstellationen musizieren.

Die Sommerlichen Musiktage haben auch dadurch ihren fast familiären Charakter behalten. Viele Besucher erwählen Hitzacker die ganze Woche über als Residenz oder kommen wenigstens für einige Tage. Die Sommerlichen zählen mehr als 200 Abonnenten aus ganz Deutschland. Das kann sich sehen lassen! Das klappt, weil das Festival weit über eine Abfolge von Konzerten hinausgeht. „Kammermusik ist reine Kommunikation“, der Satz ist auch nicht neu, bezieht sich auf die Interaktion zwischen den Musikern – und reicht weiter. Hörerakademien, gemeinsames Singen, Werktstattgespräche, öffentliche Proben füllen den Hitzacker-Tag, sorgen für Begegnung und Durchdringung einer Musik, für die zweifellos auch gilt: „Kammermusik ist keine leichte Kost.“

Natürlich ist das Programm so konzipiert, dass jedes Konzert für sich steht, mit oder ohne Vorbereitung. Da es in Hitzacker immer viel Neues, Anspruchsvolles und eher selten Gespieltes zu hören gibt, müssen Zuhörer Neugier mitbringen. Oliver Wille sorgt aber daür, dass Mozart, Brahms und Bach zwischen Kalima, Murail und Saunders ihren Platz behaupten.

Oliver Wille wird als Geiger schon beim Eröffnungskonzert mitspielen, am Sonnabend, 29. Juli, um 16 Uhr im Verdo. Mit ihm stehen der französische Cellist Jean-Guihen Queyras und das Ensemble Resonanz auf der Bühne. Alle werden eine Zeit in Hitzacker residieren, wiederholt hörbar sein. Weitere Künstler, die diesen Sommer prägen, sind „Residenzkomponistin“ Rebecca Saunders, Pianist Markus Becker, das amerikanische Parker Quartet, deren französische Kollegen Quatour Ebène, Schlagzeuger Johannes Fischer, die Kissinger LiederWerkstatt und viele mehr.

E-Gitarre und Streichorchester

Beispielhaft drei Besonderheiten: Der finnische, heute in Berlin lebende Jazzgitarrist Kalle Kalima bringt ein Werk für E-Gitarre und Streichorchester zur Uraufführung, am Sonntag, 30. Juli, um 20 Uhr im Verdo mit dem Ensemble Resonanz. Alexander Skrjabins Farbenklavier – der „Scriabin Code“ – bekommt in einer „synästhetischen Performance“ vom Klarinettisten Martin Albrecht eine zeitgenössische Entsprechung, am Donnerstag, 3. August, um 20 Uhr im Verdo.

Und drittens die Spieldosen: Sie werden von Rebecca Saunders als Klanginstallation in der Kunsthalle Oktogon aufgebaut, gestimmt in festgelegten Tonarten. Am Sonntag, 30. Juli, führen junge Musiker der Festival-Akademie um 15 und 17 Uhr eine Performance auf. Die Installation ist aber über den gesamten Festspielzeitraum zugänglich, das Publikum darf mitspielen.

Eine Änderung gibt es: Absagen musste Klarinettist Chen Halevi. Für ihn spielt Kilian Herold – am Montag, 31. Juli. um 11 Uhr (Festival-Akademie) und am Dienstag, 1. August, um 20 Uhr (Kammerkonzert) spielen.

Das gesamte Programm findet sich im Internet unter www.musiktage-hitzacker.de, es gibt eine Programmbroschüre, telefonisch sind die Sommerlichen Musiktage unter 05862/941430 erreichbar. Karten gibt es auch bei der LZ-Konzertkasse, Am Sande.

Von Hans-Martin Koch