Aktuell
Home | Kultur Lokal | Pläne für die Wiedereröffnung des Ostpreußischen Landesmuseums
Pläne für die Wiedereröffnung: Der Bronze-Otter „Ingo“ soll zum Museumsführer für Kinder ausgebaut werden. Museumsdirektor Dr. Joachim Mähnert besucht das Gemälde-Archiv, 1500 Bilder lassen sich einsetzen. Fotos: ff

Pläne für die Wiedereröffnung des Ostpreußischen Landesmuseums

Lüneburg. Dr. Joachim Mähnert hat ein neues, recht geräumiges Büro – aber Platz ist relativ: „Auf so einer Fläche haben drei Flüchtlingsfami lien mit ihren Kindern gelebt und versucht, mit Vorhängen ein Minimum ein Privatsphäre zu erreichen.“ Flucht und Migration, das sind Kernthemen des Ostpreußischen Landesmuseums, Millionen Menschen waren bei Kriegsende unterwegs. Dieses Kapitel der Geschichte soll weiter vertieft werden, plastischer, erfahrbarer werden, aktuelle Bezüge gibt es ja genug.

Etwa 30 bis 40 Veranstaltungen bietet das Museum im Jahr, aber der größte Teil des aus mittlerweile vier Gebäuden bestehenden Komplexes zwischen Ritterstraße und Grapengießerstraße ist verschlossen. Erst im August 2018 wird das Museum wiedereröffnet. „Ich werde selbst von nahestehenden Personen gefragt: Was macht ihr denn jetzt die ganze Zeit?“, so Mähnert. Antwort gibt ein Rundgang, von den Archiven und Restaurierungs-Werkstätten im Keller bis zu den neuen Räumen unter dem Dach, wo gerade Stühle, Tische und Sessel stehen, mit denen ein estnisches Schloss nahe Lüneburgs Partnerstadt Tartu möbliert werden sollen.

Die Exponate sollen Geschichten erzählen

Der Ausstellungsbetrieb läuft also weiter, nur eben hauptsächlich woanders, das ist aufwändig und erfordert mitunter präzise Ortskenntnisse: Auch wenn die Staaten des Baltikums (Estland, Lettland, Littauen) beispielsweise hierzulande gern in einem Atemzug genannt werden: „Das sind drei Länder mit drei Sprachen und drei Befindlichkeiten.“ Und mit drei verschiedenen Vergangenheiten. 15 Ausstellungen wurden von Lüneburg aus in den letzten zwei Jahren weltweit bestückt.

Davon haben die Lüneburger und ihre Gäste natürlich nicht viel. Rund 2000 Quadratmeter Ausstellungsfläche sind zu gestalten. Dafür stehen 2,6 Millionen Euro bereit, die Summe war zwei Mal aufgestockt worden, jetzt ist die endgültige Planung fertig. Einige hundert Vitrinen müssen konzipiert werden. Wo steht welches Exponat? Und in welchem Zusammenhang? „Wir arbeiten uns Millimeter für Millimeter vor“, so Mähnert, akkurate Zeichnungen und Visualisierungen stapeln sich auf seinem Schreibtisch, jedes Exponat hat so seine eigenen Gesetzmäßigkeiten und soll Geschichten erzählen.

Das fadenscheinige Hemd beispielsweise, das eine junge Frau trug – als Zwangsarbeiterin in den Bergwerken Sibiriens. „Ein starkes Exponat“, sagt Mähnert, „das Hemd darf in der Vitrine nicht liegen, sondern muss hängen, nur dann sieht man, wie dünn der Stoff ist.“ Aber nicht jedes Glas ist für farbempfindliche Textilien das richtige. Und für Waffen und Schmuck gilt: je sicherer das Glas, desto besser.

Texte nicht länger als eine LZ-Meldung

Info-Tafeln werden neu konzipiert, die Texte sollen möglichst kurz und prägnant sein – gar nicht so einfach, etwa das Wirken des Deutschordens in 800 Zeichen (also Buchstaben plus Leerzeichen) darzustellen, das entspricht einer kurzen LZ-Meldung. Aber Vitrinen sind nicht alles. Kinder finden sie eher langweilig. Sie wollen etwas anfassen – die spitzen Hauer eines Wildschweins beispielsweise, Keilerjagd war im alten Ostpreußen eine durchaus gefährliche Angelegenheit. Natürlich wird es Medienstationen geben, das sind zuverlässige Attraktionen.
Stichwort Museumspädagogik: Im Idealfall lassen sich Exponate zu einem Eigenleben erwecken, die Bronze-Skulptur eines Fischotters beispielsweise. Das ist „Ingo“, basierend auf der Erzählung „Ingo: Die Geschichte eines Fischotters“ von Walter von Sanden-Gujas, der aus dem ostpreußischen Marienwalde stammte. Seine Frau Edith schuf die Bronze, nun gibt es von Ingo schon mal einige Cartoon-Zeichnungen als Entwürfe.

Apropos Zielgruppe: Das sind neben den Kindern die alten Ostpreußen, die ihre Heimat wiedererkennen wollen. Dann Touristen natürlich, und die Freunde der Bildenden Kunst: Rund 1500 Gemälde hängen an Schiebegittern im Keller, damit lassen sich Sonderausstellungen gestalten, etwa rund um die Künstlerkolonie Nidden. Generell gilt: Vielleicht fünf Prozent der Exponate können gezeigt werden, die müssen erst einmal ausgewählt werden.

▶ Im Brauereimuseum, Teil des Museumskomplexes, wurden sogar Exponate entfernt, um die Präsentation übersichtlicher zu machen. Dafür ist nun zusätzlich ein Brauerei-Labor von 1910 zu bestaunen. Am 11. August wird die neue Präsentation offiziell eingeweiht.

Von Frank Füllgrabe