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Christoph Meyer bleibt bis 2024 Generalintendant der Deutschen Oper am Rhein (Foto: diesner)

Der Lüneburger am Rhein

Düsseldorf/Lüneburg. Intendanten-Verträge sehen so aus, dass frühzeitig über Weitermachen oder Aufhören geredet werden muss. Planungssicherheit brauchen beide S eiten. Bei Christoph Meyer, Generalintendant an der Deutschen Oper am Rhein, gab es nun ein entsprechendes Gespräch im Aufsichtsrat. Dann musste der aus Lüneburg stammende Opernmann kurz aus dem Raum, und wenig später wurde ihm das Weitermachen angetragen – einstimmig.
Meyer bleibt damit weitere fünf Jahre Generalintendant am Rhein. Er kam 2009, sein aktueller Vertrag läuft bis 2019, der neue bis 2024. Der 57-Jährige freut sich in einem Statement „sehr über das positive Votum des Aufsichtsrats und der beiden Stadträte, das eine schöne Bestätigung unserer Arbeit ist und vor allem ein Auftrag, der Planungs- und Gestaltungsspielraum für die kommenden Jahre eröffnet."

Als Statist am Stadttheater Lüneburg fand der Herderschüler Christoph Meyer den Weg zur Bühne. Sein erstes Festengagement hatte er 1985 am Nationaltheater Mannheim, weitere Stationen waren die Opern Köln (Spielleiter und Chefdisponent), Barcelona (Künstlerischer Produktionsdirektor am Gran Tea­tre del Liceu), Berlin (Generalsekretär an der Deutschen Oper) und als Operndirektor in Basel und Leipzig. Dann zog er an den Rhein.

Meyer hat über das Opernhaus hinaus Karriere gemacht. Als Berater, Juror und Programmmacher ist er von Granada über Moskau bis Seoul unterwegs. 2011 verlieh die Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf dem Intendanten eine Ho­no­rar­pro­fes­sur, im rumänischen Cluj erhielt er für seine Förderung von Sängertalenten einen Ehrendoktor.
All diese Kontake kommen Meyer bei der Planung des Spielplans und der Besetzung von Produktionen zugute. Die Deutsche Oper am Rhein besteht aus zwei sehr unterschiedlichen Häusern – eines in Düsseldorf, eines in Duisburg. Das ergibt zusammen das größte Ensemble einer Oper in Deutschland. Sie zählt auch künstlerisch zu den Top Ten – mindestens.
Das Problem: Im finanziell klammen und strukturschwachen Duisburg wurde zeitweise eine Trennung diskutiert. Sie wurde abgewendet, aber eine Million Euro mussten eingespart werden. Düsseldorf als Landeshauptstadt hält dagegen große Stücke auf seine Oper, finanzielle Debatten werden trotzdem ausgetragen. Meyer muss mit seinem Team laufend einen ziemlichen Spagat bewältigen, um den sehr unterschiedlich aufgestellten Städten ein angemessenes Programm zu bieten.

Den Kern seines Teams will Meyer auch künftig beisammenhalten. Mit ihm kamen 2009 Axel Kober als Generalmusikdirektor und Martin Schläpfer als Ballettdirektor nach Düsseldorf.
Den kritischsten Moment am Rhein musste Meyer durchstehen, als er 2013 nach wütenden Protesten eine „Tannhäuser“-Inszenierung stoppte. Szenen wie eine realistisch dargestellte Erschießungsszene schockten das Publikum, einige mussten zum Arzt. Der Regisseur weigerte sich, sein Konzept zu entschärfen, Meyer ließ die Produktion daraufhin nur noch konzertant aufführen, worauf ein Shitstorm auf ihn niederging.

Aber das Haus steht heute glänzend da, trumpft mit internationalen Produktionen auf, verpflichtet große Namen und hat ein offenes Ohr für neue Werke. Folge: Die Meyer-Zeit läuft weiter. Die Spielzeit 2017/18 startet am 8. September mit einem Klassik-Open-Air in Duisburg und in Düsseldorf am 17. September mit der Wiederaufnahme von Rossinis „La Cenerentola“.