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Musizieren geht immer: (v.l.) Angelika Bachmann, Sonja Lena Schmid und Iris Siegfried. Nicht auf dem Bild, weil an den Klaviertasten im Einsatz, ist Anne-Monika von Twardowski.

Salut Salon im Thalia: Ach ja, die Liebe

Hamburg. Niemand, wirklich niemand verführt sein Publikum so unermüdlich zur klassischen Musik, so witzig, so charmant und so gut wie die vier Frauen von Salut Salon. Dabei haben sie längst die Klassik aufgebrochen, mischen Chansons in ihr Programm, fröhlich freche und auch tieftraurige Lieder, bieten einiges an Comedy und nun sogar erfrischend schwarzen Humor. Das bekommt der „Liebe“ gut, die sie in ihrem neuen Programm besingen und bespielen. Bei der Premiere im ausverkauften Thalia Theater gab es Jubel, Standing Ovations und einen rappenden Überraschungsgast. Die im September startende Zwei-Jahres-Tournee beginnt in Lüneburg.

Seit 15 Jahren treibt das Quartett die Mission an, klassische Musik und nicht nur deren Hits einem möglichst breiten Publikum schmackhaft zu machen. Federführend sind die Geigerinnen Angelika Bachmann und Iris Siegfried, beide spielen gemeinsam seit Schulorchestertagen auf sehr hohem Niveau. Als Partnerinnen haben sich am Violoncello Sonja Lena Schmidt und am Klavier Anne-Monika von Twardowski etabliert. Nie zuvor trat das Quartett von der Moderation bis zu den Soli so gleichwertig auf wie heute. Großartig singen können sie alle Vier auch, den Part hatte bisher vorrangig Iris Siegfried inne.

Dreißig Songs im Schnellwaschgang

Salut Salon bleibt mit dem „Liebe“-Programm seiner Kern­idee treu und hat sich gleichzeitig enorm entwickelt. Mitgeholfen hat der Mann, der sich mit seinen inszenierten Liederabenden bundesweit einen Namen gemacht hat: Franz Wittenbrink. Er dürfte einen vielleicht gar nicht so kleinen Anteil am gerundeten Gesamtkonzept haben. Auch daran, dass der Humor über Ironie hinaus schwarze Töne angenommen und schließlich, dass zum Beispiel die Geigerin Angelika Bachmann nicht nur am Instrument glänzt, sondern schauspielerisch Sprünge nach vorn gemacht hat. Und wie sie singt!

Beim Finale mit einem Wittenbrink-Arrangement namens „What‘s Love?“ werden knapp dreißig Titel durch den Schnellwaschgang gejagt – von „Love Is In The Air“ bis „Blowing In The Wind“. Die Liebe – oh weh und ach – fliegt eben gern hoch, und schon weht sie dahin. Wie Angelika Bachmann mittendrin totehosenmäßig „Alles aus Liebe“ röhrt und wenig später den Grönemeyer bolzt, das haut sie selbst fast aus den High Heels.

Bei allem Witz, bei aller Inszenierung samt mörderischem Krimi-Medley, bei allen Schmetterlingen im Theaterbau, bei aller Choreographie und gar nicht nötigen Akrobatikeinlagen: Immer dominiert die Musik. Die Vier spielen beseelt, mit Ernst und Leidenschaft Piazzolla, Prokofjew, Beethoven, Glinka, Gershwin, georgische Volksweisen und streuen eigene Lieder ein.

Samy Deluxe als Premierenüberraschung

Gut zwei Stunden währt diese Liebe. Einlagen mit der singenden Säge, mit Akkordeon und Melodica gehören dazu. Anna-Maria von Twardowsky präpariert die Klaviersaiten so, dass sie bei Barock-Ausflügen einen cembalistischen Beiklang erhalten, und Cellistin Sonja Lena Schmidt bekommt plötzlich einen Mitstreicher. Das ist Oskar, der Mann bzw. die Handpuppe, die immer einen Beitrag zur Show liefert.

Neben Oskar taucht – nur zur Premiere – ein Kollege aus ganz anderen musikalischen Welten auf. Das ist Samy Deluxe, der zu Angelika Bachmanns „Wie tief kann man lieben“ eigene Strophen rappt. Ein Kontrast, der passt.

Bis zum 23. Juli tritt Salut Salon im Thalia Theater auf – und sammelt nach dem Konzert Spenden für ein Schul/Musik-Konzept in Chile. Dann ist Pause, und am 24. September beherrscht die „Liebe“ das Lüneburger Vamos.

Von Hans-Martin Koch