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Sie singt auf Straßen, in Clubs und auf Festivals: Miss Allie plant nun ihr zweites Album. Foto: laukat

Alles zu seiner Zeit

Lüneburg. Sie nimmt einen Latte macchiato. Sie hat einen Plan und darum hat sie lattemacchiatolang oder länger etwas zu erzählen. Sie ist nach wie vor „die kleine Singer-Songwriterin mit Herz“, die Miss Allie. „Ich bin total zufrieden“, sagt sie, aber was soll sie sonst auch sagen zur wenig intelligenten Frage: „Wie läuft‘s denn so?“. Irgendwie muss ein Kaffeegespräch beginnen. Es geht um Crowdfunding.

Jenniffer Kae nippt einen Tisch weiter an einem Kaffee, und am Nebentisch schmiedet Joh Lomax an seinen Plänen. Alles Musiker. Es ist so eine Art Künstlertreff geworden, das kleine Café in der Innenstadt. Miss Allie passt da gut hinein, macht aber komplett ihr eigenes Ding, von den Songs bis zum Artwork von Flyern etc. Das läuft seit einigen Jahren, und sie ist also zufrieden. Ohne einen Job außerhalb der Musik kommt sie zwar vorläufig noch nicht über die Runden. Aber natürlich will sie irgendwann möglichst bald ganz von der Musik leben. Größere Bühnen bespielen und auch mit einer Band auftreten: „Das sind zwei Träume“, sagt sie. „.“
Miss Allie hat bereits ein Album mit englischen Songs aufgenommen. Jetzt steht das Konzept für eines mit deutschen Texten. Um es zu realisieren, hat sie eine Crowdfunding-Kampagne gestartet. Die läuft so, dass sie total zufrieden ist. „Es wird klappen“, sagt sie.

Crowdfunding ist die Methode, sich auf entsprechenden Internetseiten zu präsentieren, seinen Plan vorzustellen und dessen geplante Finanzierung. Ziel ist es, eine festgelegte Summe zusammenzutragen. Das Geld sollen Freunde, Fans und vom Text bzw. von der Künstlerin frisch überzeugte Sponsoren stiften. Viele kleine Summen können so ein großes Ganzes ergeben. Es gibt etliche Künstler, die mittlerweile über Crowdfunding ihre Idee vom eigenen Album in Realität ummünzen.

Humoristisch und ein bisschen obszön

Auf der Seite www.startnext.com/missalliemusic steht auch, was die Singer-Songwriterin denn als Gegenleistung bietet, vom Geburtstagsgruß bis zum VIP-Paket. Dazu gehören zum Beispiel Karten für das Konzert, bei dem das Album live mitgeschnitten werden soll, am 2. Oktober in der KulturBäckerei. Einen Vorverkauf gibt es noch nicht.

„Mein deutsches Album wird ‚Mein Herz und die Toilette‘ heißen“. Das könnte ja passen, denn: „Meine deutschen Texte sind teilweise sehr humoristisch und ein bisschen obszön, jedoch regen sie auch zum Nachdenken und kritischen Hinterfragen an“, so charaktierisiert Miss Allie ihre Texte. Sie will mit dem Album und der dazugehörigen Performance eine Geschichte „in Richtung Musik-Comedy“ erzählen, das soll den Abend rund machen.

Zufrieden ist Miss Allie auch mit dem, was in ihrem Terminkalender steht. Gestern trat sie in der Lutherstadt Wittenberg auf, bei einem Newcomer-Abend auf der Bühne am Schloss. Nun steht das Feel-Well-Festival in Berlin auf dem Plan und am 29. Juli das e.ventschau. Gut getan hat ihr auch die Teilnahme am Emergenza-Wettbewerb. Sie kam in der Hamburger Markthalle bis ins Semifinale und ging mit dem Jurypreis nach Hause.

Das Fundingziel von Miss Allie lautet: 5400 Euro. Gestern lag sie bei 2570 Euro. 64 Tage läuft die Aktion noch. Erreicht sie das Ziel nicht, fließt das Geld zurück. Aber Miss Allie sollte in 64 Tagen zufrieden sein.

Von Hans-Martin Koch