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Für jeden Tag 16 Stunden Musik: Jürgen Engelhardt ist bei Radio ZuSa seit Sendebeginn als Musikchef dabei. Foto: oc

Boulevard und Feuilleton

Lüneburg. Was ihn qualiiziert hat? „Nichts“. Was daraus geworden ist? „Mehr als 20 Jahre.“ Seit den frühen Tagen von Radio ZuSa bestimmt Jürgen Engelhardt das m usikalische Grundrauschen des Senders für Heide, Wendland und Elbmarsch. Mitgebracht hat Engelhardt zu seinem Dienstantritt 13 Jahre als selbstständiger Buchhändler und drangehängt ein Studium der Ethnologie. Vielleicht war das ja hilfreich, um mit allen Klangfarben von Pop und Rock den ZuSa-Sound zu malen. Jetzt ist Schluss. Engelhardt, 65 Jahre und letzter aus dem Startteam, geht in Rente. Seine nächste Ausfahrt ist Transdanubien.

„Sie hatten damals keinen für die Musik“, sagt Engelhardt. Er war dann mal da, besaß natürlich ein ausgeprägtes Interesse an Musik – und blieb. Nun steht der Grill für die letzte Party mit den Kollegen schon in seinem Büro. Dahinter stapeln sich in einem einfachen Regal CDs bis unter die Decke. Wichtiger aber sind die Rechner, über deren Software bestimmt wird, aus welchem Pool welche Musik wann läuft.

Engelhardt pickt Programme aus einem Archiv von rund 10 000 Titeln, vieles kommt über Promo-CDs bzw. mp3-Dateien ins Haus. Das will gesichtet, bewertet, eingespeist sein. Das Musikprofil bei ZuSa bewegt sich zwischen Charts und Independent-Muisk oder, wie Engelhardt sagt, „zwischen “. Das Zuhörerklientel liege, soweit bekannt, im Kern zwischen Ende 20 bis Anfang 40 – „mit höherem Bildungsniveau“.

Parameter für den jeweiligen Musikstrom gibt es viele, man muss Trends erkennen, aber innerhalb der Auswahl auch für Brüche und Wechsel sorgen. Zu berücksichtigen sind Muster wie „schnell, schnell, langsam, schnell“ und vieles mehr. Natürlich sind es längst computerbasierte Programme, die aus dem Pool der Songs die Titel auswählen. Pro Tag sind rund 16 Stunden Musik zu bestücken.

Jürgen Engelhardt hat daneben seine eigene Sendung auf ZuSa moderiert: „Channel Zero“. Da lief viel Elektro-Musik. Als zweiten Job koordinierte Engelhardt die „zugangsfreien Plätze“, das sind bei den nichtkommerziellen lokalen Sendern die Zeiten, an denen das läuft, was den jeweiligen Moderator interessiert. „Wenn wer etwas über mongolisches Golfspielen oder japanische Telefonbücher machen will, dann geht das da“.

Das Büro teilt sich der Musikchef bereits mit seinem Nachfolger. Hilko Baum hat Kulturwissenschaften studiert und absolvierte ein Volontariat bei Rado ZuSa. Eine eigene Sendung verantwortet er auch. Sie heißt „Repetition“ und befasst sich mit aktueller Musik, „die ihren Reiz aus Wiederholungen bezieht, ohne langweilig zu sein“.
Jürgen Engelhardt macht jetzt erst einmal ein Jahr Pause, und da kommt Transdanubien ins Spiel. Er hat sich in der ungarischen Weinregion ein kleines Häuschen gekauft.

Von Hans-Martin Koch

One comment

  1. Andreas Janowitz

    Manchmal ein wenig zuviel sinnloses Geschwätz, aber oft genug gutes Gespür. Ich finde der Sender hat sich positiv entwickelt. Bleibt zu hoffen, dass der Nachfolger ein ebensolches Gespür mitbringt.