Donnerstag , 18. Oktober 2018
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Markus Laudahn, Vorsitzender des Kulturvereins Winsen, freut sich über das druckfrische Programm 2017/18. Foto: ff

Künstler nicht allein lassen

Winsen/Luhe . Götz George war da, Kurt Jürgens und Walter Kempowski, das ist schon eine Weile her. Den Walser hatten sie zu Gast, den Lenz, kürzlich Gudrun Landg rebe – wenn Markus Laudahn zurückblickt, dann kommt eine lange Liste interessanter Namen zusammen. Aber der Kulturverein Winsen/Luhe hat ja auch Tradition: Gleich nach dem Krieg, noch 1945, gründete sich ein „Volksbildungsverein“. Er wollte Theater und Konzerte aufs Land bringen, arbeitet – nur eben mit neuem Namen – bis heute und weist stabile Mitgliederzahlen auf, immerhin rund 450 Personen. Jetzt präsentiert Markus Laudahn, Vorsitzender seit drei Jahren, das neue Programm.

Mehrzweckhalle als Mittelpunkt

Die Rahmenbedingungen sind verlässlich: Die Stadt Winsen fördert die Arbeit schon seit Ewigkeiten mit 51500 Euro, rund 20 Veranstaltungen realisiert der Verein – im Schwerpunkt die Auftritte von reisenden Theater-Truppen und Kammermusik-Ensembles. Der Hintergrund: Die Stadt hat keine eigene Bühne, die nächsten Adressen für Theatergänger sind Lüneburg und Harburg. Also wird zuallererst die Mehrzweckhalle am Ort bespielt, 549 Stühle können dort aufgestellt werden, das entspricht fast genau dem Theater Lüneburg. Weitere Schauplätze sind der Marstall (180 Plätze, dort steht ein veritabler Steinway-Flügel) und die Schlosskapelle (60 Plätze), die vor allem Freunde intimer Barock-Salonmusik anlockt.

Die gerade abgelaufene Saison 2016/17 wurde von 3600 Gästen besucht. Zu den verlässlichen Publikumsmagneten gehört das Ohnsorg-Theater, „da ist es eigentlich immer voll“, sagt Markus Laudahn. In diesem Jahr, am 26. Oktober, wird der Klassiker „Tratsch im Treppenhaus“ gespielt, ein Selbstgänger. Im Februar kommen die Ohnsorgs dann mit „All Johr wedder – Schöne Bescherung“ zurück. Für den 16. November ist „Hundewetter“ angekündigt, eine Komödie von Brigitte Buc, am 17. Januar wird in der Stadthalle „Ein brillanter Mord“ verübt, am 25. April geistern dort „Gespenster“ – nach einem Drama von Henrik Ibsen. Und am 5. April spielt Herr Holm Klassiker aus 25 Jahren Polizeidienst.
Kabarett gibt es regelmäßig, „Comedy weniger, das machen schon die Betreiber des Alten Bahnhofs in Gödenstorf sehr gut“, sagt Markus Laudahn. Dafür holen die Winsener nun regelmäßig Leute der Berliner „Distel“ an die Luhe: „Ab heute wird zurückregiert!“ heißt es am 6. März. Generell sollen sich immer auch gesellschaftspolitisch relevante Themen im Programm niederschlagen.

Das zweite Standbein ist die Kammermusik, das Artemis-Quartett war schon da, diesmal kommt das Minguet Quartett (14. April), am 24. Mai trommelt Elbtonal Percussion. „Ganz wichtig ist persönliche Betreuung – des Publikums, das sich über vertraute Gesichter freut, aber auch der Künstler, die sollen nicht allein ihre Notenständer abbauen müssen“, so Laudahn. Der 49-jährige Diplom-Kaufmann, der bereits seit 17 Jahren im Vorstand mitarbeitet, kennt sich aus mit so etwas, im Hauptberuf ist er für die Öffentlichkeitsarbeit der Stadtwerke zuständig. Vor allem hat er den Verein, der im Kern ein Publikum höherer Semester betreut, in Sachen Digitalisierung und Web-Präsenz vorangebracht, neben Online-Karten ist die Betreuung der Vorverkaufskassen wichtig, der Ticket-Shop der Landeszeitung gehört auch dazu. Ein kleines Büro hat der Verein, ein Telefon (04171-63163) und eine Homepage (www.kv-winsen.de).

Die Besucher von morgen einsammeln

Und natürlich gilt es, die Besucher von morgen einzusammeln, also die Kinder, jeder Grundschüler soll zumindest ein Mal die Möglichkeit gehabt haben, Theater zu sehen. Dazu gehört etwa eine Kooperation mit dem Lions-Club, gemeinsam wurde das „Theater für Niedersachsen“ für eine Aufführung des „Grüffelo“ engagiert. Dass sich die Kinder hinterher einzeln bedankten, das gehört für Markus Laudahn zu den ganz großen Momenten der Erinnerung.

Nächster Termin: Am 28. September spielt der Pianist Dinis Schemann im Marstall Werke von Schubert und Beethoven.