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Die Skulptur „Frau Königin Sau“ von Stephani Voß und das Gemälde „Pale Shelter“ (Ausschnitt) von Alexandra Uhle. Foto. ff

Gespenster auf dem Lande

Lüneburg. Tipps für kunstvoll angelegte Naturgärten und Rezepte für Lebensmittel aus erster Hand, TV-Moderatorinnen unternehmen Radtouren und besuchen Bewohner restaurierter Bauernkaten: Die Medien haben die Provinz entdeckt, Wiesen und Dörfer sind zu Projektionsflächen für ein ausbalanciertes Leben geworden. Einen eigenen Blick auf die Region geworfen haben Alexandra Uhle und Stephani Voß, Gemälde und Objekte sind in einer Doppel-Ausstellung im Heinrich-Heine-Haus zu sehen.

Es ist der Blick auf ein zeitgenössisches Leben. Stephani Voß schildert das Leben „in der Fläche“ mit einem ironischen Unterton, gibt sich mit ihrem gutmütigen Spott aber letztlich selbst als überzeugte Dorfbewohnerin zu erkennen: Schützenfest mit Ausmarsch, nur wenige Schützenbrüder haben sich in ihre Uniformen geworfen, sie gehen im Kreis, aber Tradition ist Tradition. Die Landfrauen hat Stephanie Voß als vier nackte Grazien dargestellt, ganz im Einklang mit der Natur, irgendwo zwischen Rubens und Manet, es ist ein Spiel mit Klischees. Das gilt auch für das Objekt „Frau Königin Sau“ im Stil einer klassischen Trophäe, wie sie Jäger daheim an die Wand hängen – nur eben, dass hier statt eines Zwölf-Enders ein Schwein mit einem zierlichen Krönchen an der Wand hängt. Anderswo ist ein eitler Gockel auf dem Misthaufen zu sehen, umgeben vom Weibsvolk, scharrende Hühner sind nun mal der Inbegriff des beschaulichen und unverfälschten Landlebens. Das gibt es bei Stephani Voß auch in der konzentrierten Form von rustikalen Puppenstuben, ausstaffiert beispielsweise mit Heidschnucken.

Surreale Szenen, eingefrorene Situationen

Die Bilder der Malerin Alexandra Uhle haben eine ganz andere Ausstrahlung: Das Land ist Feindesland, undurchschaubar, hinter der glatten Oberfläche wohnen Gespenster. Ein Mädchen wird von einer Freundin auf ein weiträumiges Grundstück geführt, dort liegt ein brennendes Autowrack, das Haus im Hintergrund ist eigentlich von völlig gewöhnlicher Architektur, hat aber die „Psycho“-Aura des Motels von Norman Bates. Die seltsame Freundin erscheint zudem nur als flüchtiges Wesen – sie lebt vermutlich nicht mehr. Bildertitel wie „Jonestown“, „Dawn“ und „Creature“ – Namen wie US-Thriller.

Immer wirken die Gestalten, meist Kinder oder Jugendliche, in ihrer Umgebung ausgesetzt, das Land ist kein Zuhause. Ein Mädchen im Sommerkleid sitzt in eisiger Winterlandschaft, die Bäume erscheinen wieder nur als Konturen, sie bieten keinen Schutz, vielleicht sind sie auch nur Traumgestalten. In einem anderen Bild steht ein Mädchen eher auf als in der weiten Landschaft, die Größenverhältnisse sind grotesk verschoben. Ein kleiner Junge hat sich in eine unbestimmte, diffuse Gegend verirrt, sie ist mit einer Straßenlaterne möbliert, ein Hase und eine Katze gehen – unabhängig voneinander – ihren eigenen Angelegenheiten nach, alle drei Protagonisten agieren unabhängig voneinander. Die Wahl großformatiger Leinwände unterstützt den Eindruck von der Leere des Raumes – surreale Szenen, eingefrorene Situationen, unbestimmer Ausgang.

Die Arbeiten noch bis 20. August, jeweils sonnabends und sonntags von 11 bis 16 Uhr zu sehen.

Von Frank Füllgrabe