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„Dramaqueen“ PJ Harvey überzeugte gestern Abend mit ihrer Vielseitigkeit. Sie mixte Jazz, Punk, Blues und vieles mehr zu einem tollen musikalischen Cocktail. Foto: t&w

"A Summer‘s Tale“ sorgt wieder für entspannte Besucher

Westergellersen. Es geht ja bei Open-Air-Festivals nicht mehr ohne Regen. Diesmal entschied er sich also für den Donnerstag, aber zog doch schnell weiter und na hm alle Gewitter mit. Das Wetter übte Sommer und hielt, auch noch, als PJ Harvey und die Pixies den Abend in die Nacht rockten. „A Summer‘s Tale“, das andere Festival, läuft.

Am Donnerstag war der erste volle Programmtag, startend um 8.30 Uhr mit dem Lauftreff, irgendwann endend im Festival-Atelier, das nachts zur Disco wird. Beim soften Start am Mittwoch schien es, als reisten mehr Kinder als Erwachsene an. Tatsächlich buchten mehr junge Familien als bisher das Festival. Damit kommt „A Summer‘s Tale“ seiner Kernzielgruppe näher, nämlich die zu erreichen, die eine entspannte Alternative zu familienfreien Riesenfestivals wie „Hurricane“ suchen.

Das Kinderprogramm ist entsprechend groß, das weitläufige Gelände samt „Zwergstadt“ eignet sich ideal zum Spielen, Singen, Tollen und Tanzen. Auch wenn das Festival die finanziell nötige Besucherzahl noch nicht erreicht, der Ruf hallt weit: Besucher kommen aus der Schweiz, aus Belgien, aus den Niederlanden, aus München, Mainz, Leipzig, Berlin, Hamburg – man braucht nur auf den Parkplatz zu gucken. LG und WL sind natürlich auch da, viele nutzen zudem den Shuttlebus.

Mit dem Rad auf dem Gelände unterwegs

Zwei, die sich weit vor dem Start viele Gedanken für das Festival machen und wesentlich zum gesamten Konzept beitragen, kennen sich seit ihrer Studienzeit an der Leuphana. Julia Baer (36) steht für die konzeptionelle Festivalleitung, Sina Klimach (31) für das Kulturprogramm der kleineren Bühnen und für die Öffentlichkeitsarbeit. Julia Baer ist oft mit dem Rad auf dem Gelände unterwegs, denn das ist groß. Als sie von FK- Scorpio-Chef Folkert Koopmans den Auftrag bekam, auf dem Gelände des Eventparks „Himmel und Heide“ ein Festival neuer Art zu konzipieren, konnte sie ihren Ideen freien Lauf lassen.

„Das Gelände selbst hat ja schon viel erzählt“, sagt sie und meint die unterschiedlichen Orte abseits von Open-Air-Bühne und Zeltraum – den beiden Haupt-Konzertspielstätten. Ein Platz am Teich bot sich an für den Grünen Salon, in dem Poetry Slam, Comedy, Lesungen geboten werden und sogar ein Plattdeutsch-Crashkurs. Nicht weit entfernt unter Bäumen steht die Waldbühne, auf der am ersten Tag Die Sterne für den Abschluss sorgten. Dort verlocken aber auch Madison- und Swingkurse Tanzwillige zu ersten Schritten – und es kommen Hunderte.

„Man darf hier anders denken als sonst bei Festivals“, sagt Julia Baer. Das Programm neben der Musik ist breit aufgestellt, zumal das Alter der Besucher keine Rolle spiele, sagt sie. Kurse und Workshops sind sehr gefragt. Etwa in der Probierei, wo mehr als ein Dutzend Weinkurse mit jeweils 50 Teilnehmern schnell ausgebucht waren. Sina Klimach hat für viele der Spielstätten das Programm gebucht, etwa „Philosophie to go“, gestern Vormittag im Wissenszelt, ausgerichtet von Leuphana-Dozenten. Oder: „Insects to feed the world“, so heißt einer der Vorträge, die sich im Wissenszelt mit dem Leben heute und in Zukunft auseinandersetzen.

Dramaqueen mit neunköpfiger Band

„Es ist für uns natürlich Arbeit, man ist angespannt, aber es ist schön zu sehen, dass der Grundgedanke greift“, sagt Julia Baer. „Es ist schön zu sehen, wie es wieder geworden ist und ein entspannteres Arbeiten als an anderen Festivalorten“, sagt Sina Klimach. „Ist das noch Rock‘n‘Roll?“, hatte der Stern nach dem ersten Festival gefragt. Das ist es auch, aber „A Summer‘s Tale“ ist zweifellos das genaue Gegenteil von Wacken, wo an diesem Wochenende die Bier-Pipeline zu krachendem Metal schäumt.

In Sachen Rock und Verwandtes standen am Donnerstag wie in den ersten beiden Durchgängen zu entdeckende Künstler wie Tash Sultana und Dan Croll auf der Bühne. Am Abend lieferten Langzeit-Etablierte aus der Indie-Rock-Welt starke Konzerte: erst PJ Harvey, die als Dramaqueen mit neunköpfiger Band Jazz, Punk, Blues und was sie will mixt. Zum Tagesfinale sorgten die Pixies für Bewegung. Sie machen ordentlich Rumms, und die Kinder, die nicht müde ins Bett gekippt sind, hatten die Mickeymäuse, die bunten Ohrschützer, auf dem Kopf.

Von Hans-Martin Koch