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Jakob und Eleni haben etwas zu diskutieren: Fandest Du Birdy besser oder Franz Ferdinand? Oder wollen wir wieder in der Zwergstadt spielen? Foto: t&w

Aller guten Dinge sind mehr als drei

Von Hans-Martin Koch
Westergellersen. Geht Folkert Koopmans über das Gelände, dann hat er diesen prüfenden Blick. Wie lang warten Hungrige an den Foodständen? S ind die Stände passend im Gelände verteilt? Wie ist der Zuspruch an den einzelnen Bühnen? Warum stehen Besucher an der einen Toi­lette Schlange, während die andere nahebei wenig frequentiert wird? Folkert Koopmans (53) ist Europas größter Festivalmacher („Hurricane“ etc.). Das noch junge „A Summer‘s Tale“ auf dem weitläufigen Reitgelände in Westergellersen liegt ihm besonders am Herzen. Nur: Auch Runde drei steckt noch in roten Zahlen, wohl im sechsstelligen Bereich.
„A Summer‘s Tale“ ist das größte Kulturereignis im Landkreis Lüneburg und das einzige, das ein bundesweites Echo findet. Das fällt durchweg ausgesprochen positiv aus, quer durch die kleinen und großen Medien der Republik und – wichtiger! – bei den Besuchern. Deren Durchschnittsalter dürfte bei knapp 40 liegen, nicht gerechnet die Kinder – es waren mehr als zuvor. Wer denkt, er geht auf ein reines Musikfestival, der irrt eben. „A Summer‘s Tale“ setzt konsequenter als andere Festivals auf einen Mix aus Spaß, Natur und Nachhaltigkeit.
Morgens Yoga,
29 abends abrocken
Das Konzept, das Julia Baer und viele andere für Koopmans Unternehmen FKP Scorpio entwickelten, ist als Kurzurlaub gedacht. Tatsächlich reisen Besucher lange Wege mit Zelt oder Wohnmobil, um dabei zu sein – beim Frühsport am Morgen, bei Yoga, Lesungen, Barfußpfaden, Poetry Slam und „Wood Working“ bis in den frühen Abend. Dann wandelt sich „A Summer‘s Tale“ zunehmend in ein Musikfestival.
Geht Dr. Roland Wörner über das Gelände, dann guckt er auf die Grünanlagen, auf den Teich, auf die Wege, auf die Gebäude. Dr. Wörner ist Geschäftsführer des AZL, des Ausbildungszentrums Lüneburger Heide, also des Reitsportzentrums Luhmühlen. Dr. Wörner ist sozusagen der Vermieter des Geländes. Da gibt es viel zu besprechen, zum Beispiel, über welche Zufahrten die großen Trucks an die Bühne fahren, damit das Gelände nicht zerfurcht wird. Dr. Wörner steht zu dem Festival und schätzt die professionelle Art der Verhandlungen. Er hört auf dem Festival nicht immer Musik seines Geschmacks, aber die Common Linnets mit ihren Country-Einflüssen, die gefallen ihm.
Das Line-Up, mit dem „A Summer‘s Tale“ aufwartet, orientiert sich nicht an den Charts, sondern eher an dem Alter der Besucher und an deren Lebensbegleitungsmusik. Also an Musik, die beim Heranwachsen so um die 20 herum gehört wird und im Herzen bleibt. Viele Künstler spielten in diesem Sommer exklusiv auf der Westergellerser Heide. Der Mix ist bunt.
Was den einen die Pixies als Rauswerfer am Donnerstag, sind den anderen Franz Ferdinand, die den Freitag in die Nacht verabschiedeten. Es gibt Entdeckungen von Tash Sultana bis The Notwist, Klangflächenzauberinnen wie Birdy und die überaus charmant auftretende Feist, Textmeister wie Sven Regeners Element Of Crime, Melancholie-Spezialisten wie Bear‘s Dan, die den knackigen Regenschauer am Sonnabend vertrieben. Bei den Stereo MC‘s wird wild getanzt, beim Electric Swing Circus wird das Festival zum Abtanzball. Da lässt sich testen, was gerade zuvor beim Swing-Kurs gelernt wurde.
Geht Jürgen Kumböhmer über das Gelände, dann wirkt er wie ein Festivalgast unter den jeweils 12 000, die am Freitag und am Sonnabend kamen. Krumböhmer ist entspannt, weiß, dass die Bürgerinitiative ihren Protest zurückgefahren hat, zumal die Lärmemissionen deutlich unter der kritischen Grenze liegen. Das bestätigt Frank Hagel, der zuständige Ordnungsamtleiter Gellersens.
Also alles gut? Die LZ hat Tickets verlost – also an Zufallsbesucher. Was sagen die? Gabriele Piepers Fazit: „Wunderbar, grandios. Wir hatten einen sehr schönen Tag.“ Sie nahmen an einer –von 13 ausgebuchten Weinproben teil und an einer Kräuterwanderung. „Ich werde das Festival auf jeden Fall weiterempfehlen“, sagt Gabriele Pieper, „und wir überlegen, ob wir beim nächsten Mal dort übernachten.“ Gabriele Höllger äußert sich gleichermaßen positiv und ebenso Katrin Driver: „Wir wollten da immer schon hin, das ist ein sehr schönes, nachhaltig ausgerichtetes Konzept, sehr relaxt, sehr angenehm.“ Wermutstropfen: Die Schlangen von Besuchern, die am Sonnabend noch auf Workshop-Teilnahmen hofften, war ihnen zu lang.
Das ist so ein Punkt, den Folkert Koopmans und Team immer wieder diskutieren. Und grundsätzlich? Geht es weiter? Bleiben aller guten Dinge drei? Oder sind es doch vier, fünf. . .? Koopmans Statement: „A Summer’s Tale ist uns eine Herzensangelegenheit, aber auch nach wie vor ein Aufbauprojekt. Wir werden jetzt alles erneut genau auswerten und uns dann mit dem nächsten Termin und weiteren Infos zurückmelden. Fest steht, dass wir A Summer’s Tale langfristig in der Festivallandschaft verankern wollen.“

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