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Julia Radke und Stefan Timmermann sitzen im Trockenen und zeigen die aktuelle Regenhutmode.Beim Auftritt von OIC wurde es voll vor der Bühne, und das Wetter stimmte auch. Fotos: laukat

Jakob hat viele Freunde

Lüneburg. Gut, dass es den Wandelgang gibt. Gut, dass vom Jakob-Festival-Team schnell noch ein paar zusätzliche Zelte aufgetrieben wurden. Schutz vor Regen war schon gefragt beim zweiten Jakob-Festival im durchmatschten Kurpark. Aber wirklich erschüttern konnte das kaum jemanden von den – ganz überwiegend – jungen Besuchern. So wurde es denn dem Wetter zum Trotz ein fröhliches Festival, wenn auch an der Tageskasse der Betrieb nicht ganz so prächtig war wie gewünscht.
Knapp zehn Stunden Live-Musik von elf Bands bzw. Singer/Songwritern waren gebucht. Kunst gab es zu sehen, ein Sprayer schüttelte seine Dosen, andere bastelten Traumfänger oder Batiktaschen. Jede Menge Info-Stände suchten das Gespräch, von Amnesty über Greenpeace bis zum Mehrgenerationenhaus. Letzteres ist ein Zeichen dafür, dass sich das Jakob-Festival nicht ausschließlich an Schüler wendet. Schon beim ersten Durchgang habe es Besucher von drei Monaten bis 93 Jahren gegeben, sagen die Veranstalter.

Ein Festival ist auch ein Lernfeld

Kernzielgruppe bleiben diejenigen, die im Alter der Macher sind, also Jugendliche, Schüler, Azubis, Studierende und einige, die dazwischenhängen. Ein Ziel des Festivals ist es, dass Jugendliche lernen, sich auf verschiedenen Feldern zu bewegen, das ähnelt dem studentischen lunatic-Festival, die Jakobs aber haben keine Dozenten. Es geht um Behördensachen, Booking, Logistik, Catering, Pressearbeit, Platzgestaltung, Sicherheitsfragen, Ablauforganisation, langfristige und spontane Entscheidungen etc. Der Zeitplan drohte diesmal zeitweilig aus den Fugen zu geraten, aber das renkte sich ein, auch die Schlussband Pool konnte ihr Set ausspielen.

Gut für das Team, dass 800 Karten im Vorverkauf weggingen. Über den Tag seien es mehr als 1000 Besucher gewesen, sagt Mitorganisator Till Prochaska. Der gute Besuch hilft, sauber kalkulieren zu können. Da die Idee überzeugt, hat das Festival zum Glück Sponsoren gewonnen, von öffentlichen Institutionen bis zu Firmen. Gesponsert wurde auch der „Fruits for free“-Stand. Für ihn hatten Supermärkte und Landwirte Obst abgegeben. Pizza gab es natürlich auch, und das Team vom Café Finke hatte Kuchen gebacken und reichte ihn für kleines Geld weiter.

Ach, das Wetter. Wasser fließt schlecht ab im Kurpark, es pfützt und schlammt auf dem Sand, unter dem wohl einst Bauschutt abgeladen wurde. Von den Dächern strömt es herunter, an einigen Stellen pladdert es in bereitgestellte Kübel. Wer barfuß ging, hatte wenigstens keine dreckigen Schuhe, hat heute aber vielleicht eine Erkältung.
Am Tag vor dem Festival goss es noch viel schlimmer. Die 25 bis 30 Jakob-Aktiven meisterten arge Bedingungen beim Herrichten des Geländes. Sie haben einen schönen Ort geschaffen, mit viel Deko vom „A Summer‘s Tale“-Festival eine Woche zuvor. Die Idee, mehr als Musik zu bieten, lässt sich als Band zwischen den Profis und dem jungen Jakob-Team knüpfen.
Ein Verein bringt mehr Struktur in die Organisation

Etwas teurer sei man geworden, sagt Till Prochaska, aber es sei eben sehr kostspielig, so ein Festival zu stemmen. Auch ein Lärmschutzsachverständiger müsse bezahlt werden. Wichtig sei es dem Team, die Preise für Essen und Trinken niedrig zu halten. Lief das erste Festival im Vorjahr noch unter Federführung des Stadtjugendrings, so ist der nun ein geschätzter Partner. Gegründet hat sich der Verein „Jakob Jugendkultur“. Mit ihm bekommt das Festival ein Plus an Struktur.

Bei Schietwetter muss man organisieren können. Manchmal zwingen auch andere Gründe dazu: Musiker der Band Darjeeling steckten im Stau, also fing die Band reduziert an, bis der Rest die Bühne enterte. Zum Abend hin aber vergaß der Regen zeitweise das Regnen, sogar die Sonne ließ sich blicken. Gestern dann musste alles abgeräumt werden, heute wollen wohl die „Roten Rosen“ vor der Konzertmuschel drehen, und dann steht schon der nächste Kurpark-Event an, der „British Day“ am 19. August.
Das Festival soll Zukunft haben, 2018 wahrscheinlich wieder am zweiten August-Wochenende laufen. Verdient hat es sich das Team, freuen wird‘s das Publikum.

Von Hans-Martin Koch