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Hajo Fouquet ist seit 2010 Intendant des Theaters Lüneburg, sein Vertrag läuft bis 2024. Foto: A/t&w

Das Theater bittet zum Tanz auf der großen Bühne

Von Hans-Martin Koch
Lüneburg. Es wird gelacht, gesungen, gestritten, geliebt und manchmal gemordet. Das geht jetzt wieder so von morgens bis in die Nacht. Das Theater probt für die neue Saison. Schon am 27. August wird das Theaterfest gefeiert, die ersten Premieren stehen am 15. und 16. September auf dem Plan. Intendant Hajo Fouquet nimmt Stellung zur Spielzeit, zu roten Zahlen und zu einem neuen Fest der Bühne.
Sie inszenieren zum ersten Mal seit Amtsantritt die Eröffnung nicht selbst. Gibt es dafür einen Grund?
Hajo Fouquet: Ich denke, es ist auch im Opernbereich gut, eine andere Handschrift zu sehen, darum wird Michael Sturm „Figaros Hochzeit“ übernehmen. Mir macht das Inszenieren aber unverändert viel Freude. Ich werde ja die „Carmen“ machen und am Spielzeitende „Wiener Blut“, das Stück, das wir mit in die Spielzeit 2017/18 nehmen werden.

Hat es Oper, wenn der Blick auf die Besucherzahl der letzten Saison geht, hier schwer? Trauen die Lüneburger dem Haus das Genre nicht zu?
Die Frage ist zum Glück falsch, denn erstens sind die Zahlen im Opernbereich immer im Bereich, wie es früher der Fall war. Sie sind natürlich immer besser, wenn wir bekannte Opern bringen. Verdis Oper „Otello“ aber, die wir zum Start der letzten Saison spielten, kennen viele nicht. Außerdem gibt es in Lüneburg keine 100-jährige Operntradition. Wir sind dabei, die Oper weiter zu etablieren, das geht natürlich am besten mit dem klassischen Repertoire und braucht einen langen Atem, speziell bei unbekannteren Werken.
Die Besucherzahlen sind sonst glänzend, mehr als 110 000 in der Saison 2016/17. Ist der Erfolg wichtig, wenn es um die anstehenden Verhandlungen mit dem Land zur Vertragsverlängerung geht?
Wenn man sich als erfolgreich darstellen kann, ist das sicher eine gute Sache. Ende 2017 starten ja die Verhandlungen mit dem Land Niedersachsen für den 2018 auslaufenden Vertrag.
Trotz der guten Resonanz schliddert das Theater aber tief in die roten Zahlen. Wird es in drei, in fünf Jahren in Lüneburg noch Theater mit der Fülle des Angebots wie heute geben?
Wir haben rote, aber nicht tiefrote Zahlen. Durch den guten Besuch relativiert sich das Minus ein wenig. Aber das reicht natürlich nicht. Alle Gespräche zeigen, dass unsere Arbeit geschätzt wird. Die Zeichen, die wir empfangen, sind okay. Ich glaube nicht, dass wir bei der neuen Landesregierung, wer sie auch bilden mag, hinten runterfallen. Wir müssen aber einen Weg mit dem Land finden, der uns sicherer macht. Ich will ja nicht mehr, ich will den Status quo erhalten. Vieles rundherum wird nun einmal teurer, und wenn Tarifsteigerungen nur zum Teil ausgeglichen werden, öffnet sich ein Delta. Aber ich bin sicher, dass wir das Theater auf Dauer sichern können.
Die Abozahlen sinken. Ist das Abonnieren und darüber die feste Bindung ans Theater nicht mehr zeitgemäß?
Wir beobachten bei vielen Theatern starke Aboverluste, bei uns sind die Zahlen relativ konstant, wir verlieren etwa zwei bis drei Prozent pro Jahr. Unsere beste Aktion aber war die Einführung der TheaterCard, mit der die Besucher wählen können, was sie sehen wollen und nicht auf ein Abo festgelegt sind. Die TheaterCard ist ja auch eine Art fester Bindung. Seit ich hier bin, haben wir ein Besucherplus um mehr als 20 Prozent – trotz leicht sinkender Abozahl.
Noch einmal die gute Besucherzahl. Besteht die Verlockung, um nun nicht abzusacken, den Spielplan möglichst mit populären Stücken zu füllen?
Nein. Ich habe gerade bei der Begrüßung der Mitarbeiter zur neuen Spielzeit gesagt: Natürlich freuen wir uns über 110 000 Besucher. Das ist aber nicht das Kriterium. Wir müssen gutes Theater machen und in der Qualität nicht absacken und dann auch gerne nicht bei der Besucherzahl. Wir haben im Übrigen immer Produktionen im Spielplan, die als Experiment zu sehen sind. Das war in der vergangenen Saison „Schlafes Bruder“, was ja zu einem Riesenerfolg wurde. Das war nicht vorhersehbar. Unser erstes Schauspiel „Medea“ muss sicher auch erklärt werden, und mit „The Black Rider“ im Februar 2018 werden einige unserer Stammbesucher nichts anfangen können. Aber die Premiere war nach einer Stunde bereits so gut wie ausverkauft; wir hoffen ja, mit so einer Produktion auch ein jüngeres Publikum zu erreichen.
In das Gebäude musste in den vergangenen Jahren stark investiert werden, von der energetischen Sanierung bis zum Brandschutz. Ist das Haus jetzt topfit?
Wir sind im energetischen Bereich und in der Sicherheit auf modernstem Stand. Natürlich gibt es Wartungen, Reparaturen, Erneuerungen. Für Umbauten, die wir vielleicht auf der großen Bühne gern hätten, müsste das ganz Haus entkernt werden, es wäre ein riesiger Aufwand. Wir müssen das pflegen, was wir haben. Die Qualität einer Produktion entscheidet sich sowieso nicht darin, ob sich die Bühne dreht oder nicht.
Sie veranstalten zum ersten Mal einen Theaterball. Soll so ein gesellschaftliches Ereignis Geld für das Theater einbringen?
Es geht nicht in erster Linie darum, Geld mitzunehmen. Wenn es so käme, hätten wir sicher nichts dagegen. Der Theaterball soll neben dem künstlerischen auch ein gesellschaftliches Ereignis werden. Unsere Gäste werden auf der Bühne des Großen Hauses tanzen, zunächst klassisch mit den Lüneburger Symphonikern. Später übernimmt Nite Club und noch später ein DJ. Ich fände es schön. wenn so ein festlicher Ball fester Bestandteil im Lüneburger Leben würde.

One comment

  1. Gabriele Hannemann

    Hajo Fouquet: „Ich denke, es ist auch im Opernbereich gut, eine andere Handschrift zu sehen“.

    Quoquo modo, Herr Fouquet! Und der Akzent liegt auf „a u c h“ !

    „Wir müssen gutes Theater machen und in der Qualität nicht absacken und dann auch gerne nicht bei der Besucherzahl.“

    So isses! Und die Conditio sine qua non ist „g u t e s Theater machen“!

    Vgl.: Die lebhafte Leser- und Besucherdebatte hier: https://www.landeszeitung.de/blog/kultur-lokales/865692-kunst-gut-besuch-gut