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Drei aus dem „Michaelis singt“-Team: Ulf Pankoke (Vision Kirchenmusik, li.) Kantor Henning Voss und Pastorin Silke Ideker. Foto: oc

Musik macht fröhlich

Lüneburg. Der Student Martin Luther war härter als jeder Straßenmusiker. Luther zog von Haus zu Haus, sang und kassierte. So wird es erzählt. Die Musik blieb L uther ein lebenslanger und lebenswichtiger Begleiter. Als er zum Reichstag nach Worms zog, sang er in den Gasthäusern, und Meistersinger Hans Sachs bezeichnete den Reformator als „Wittenbergisch Nachtigall“. Für Luther war klar, was heute vielleicht noch stärker gilt: Die Botschaft der Kirche wird nicht nur durchs Wort, sondern ebenfalls durch Musik transportiert. Vier Wochen lang greift die Michaeliskirche den Gedanken auf: „Michaelis singt“ heißt es vom 31. August bis zum 24. September.

Vier Abende laden zum Mitsingen

Alle drei Innenstadtkirchen haben im großen Reformationsjahr einen Schwerpunkt gesetzt. Das Wort stand in St. Johannis im Zentrum, der (Kirchen-)Raum in St. Nicolai. Nun also die Musik in St. Michaelis. Es gibt dafür jeweils ein Lied der Woche, „Sing mit. . .“-Aktionen, große und kleine Konzerte, thematische Gottesdienste, Führungen und eine Klanginstallation in der Kirche, die zum Mitmachen auffordert.

Leonard Cohens „Halleluja“ steht über Woche eins, gefolgt vom Paul-Gerhardt-Klassiker „Geh aus mein Herz und suche Freud“, Adel Tawils „Ist da jemand“ und Luthers „Verleih uns Frieden gnädiglich“. Die Lieder werden bei den „Sing mit. . .“-Abenden auftauchen. Am Donnerstag, 31. August, um 19.30 Uhr wird der Gospel-, Pop- und Jazzmusiker Micha Keding den ersten „Sing mit“-Abend leiten. Am 7. September übernimmt das der Kirchenmusiker Ulf Pankoke mit dem Bläserensemble Lappland, am 14. September der Lüneburger Pianist und Chorleiter Joachim Goerke. Zum Finale am 21. September kommt Eddi Hüneke von der A-Cappella-Gruppe Wise Guys, die sich im vergangenen Monat auflöste.

Drei große Konzerte beleuchten Luther aus sehr unterschiedlicher Perspektive. Kantor Henning Voss wird mit seinem Vokalensemble „Die Himlische Cantorey“ am Sonntag, 3. September, um 19 Uhr Musik aus Luthers Zeit singen, Titel: „Ein feste Burg ist unser Gott“. Aus heutiger Sicht folgt am Sonntag, 10. September, um 19 Uhr eine Kantate, für die Uwe Steinmetz und Daniel Stickan ausschließlich Luther-Worte nutzten: „Nein, lieber Mensch, so nicht!“. Daniel Stickan und Pastorin Silke Ideker geben zu der „Freiheitskantate“ am Freitag, 8. September, um 19.30 Uhr eine Einführung.

„Stimmspuren“ ziehen sich durch die Kirche

Schließlich erklingt am Sonntag, 17. September, um 19 Uhr ein romantisches Oratorium, das in seiner Entstehungszeit sehr populär war, sein Komponist auch. „Luther in Worms“ und Komponist Ludwig Meinardus aus dem Franz-Liszt-Umfeld sind heute vergessen. Das recht heroische Werk wird am 190. Geburtstag des Komponisten aufgeführt, mit der Kantorei und der Hamburger Camerata. Gemeinsam mit Herderschülern werden am Dienstag, 12. September, um 19 Uhr Hintergründe zu Luthers Wirken und zur Musik gegeben.
Jugendliche spielen auch bei einem der Gottesdienste eine besondere Rolle. Am Sonntag, 3. September um 10 Uhr, führen Konfirmanden samt Band Ergebnisse aus einem Text-/Kompositionsworkshop vor.

Neben vielen weiteren Aktionen lockt die interaktive Klanginstallation „Stimmspuren“ ab Montag, 28. August, ganztägig in die Kirche. Umgesetzt wird eine Idee von Ulf Pankoke, bei der Besucher einen Ton einsingen können, der dann über acht Lautsprecher erklingt und mit allen weiteren Aufnahmen in einen vielstimmigen, meditativ fließenden Klangstrom mündet.
Alles das und noch einiges mehr ist in einem Programmheft zusammengefasst, das in den Kirchen ausliegt – sobald es da ist, gestern sollte es ausgeliefert werden. Alle Termine finden sich natürlich auf der Homepage der Kirche, als pdf-Datei soll das üppige Programmheft auch dort nachzulesen bzw. herunterzuladen sein.
Laut Luther vertreibt Musik den Teufel und macht die Menschen fröhlich. Das soll am 2. September sogar auf dem Wochenmarkt erfahrbar sein. Aber das ist eigentlich ein Geheimnis.

Von Hans-Martin Koch