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Statt Lüneburg sind die Bürger aus der Samtgemeinde Ilmenau dem Wahlkreis Uelzen zugeordnet. Dort treten andere Bewerber an. Fotos: nh

Wahlkreis Uelzen: Sechs Kandidaten wollen das Landtagsmandat

Melbeck/Uelzen. Für die 8168 Wahlberechtigten aus der Samtgemeinde Ilmenau gilt am Sonntag eine Besonderheit: Denn ihre Kommune ist die einzige im Landkreis, die dem Wahlkreis Uelzen zugeordnet wurde. Eine besondere Situation, die bereits im Jahr 2013 eine umstrittene Premiere feierte. Der Grund dafür: Alle Wahlkreise in Niedersachsen müssen annähernd die gleiche Größe für die Gewährleistung der Wahlgleichheit haben.

Aufgrund der Bevölkerungsentwicklung wurde die Samtgemeinde Ilmenau mit ihren Gemeinden Deutsch Evern, Melbeck, Embsen und Barnstedt aus dem Landkreis Lüneburg erstmalig dem Wahlkreis Uelzen zugeschlagen. Sechs Bewerber bewerben sich hier um einen Sitz im Landtag. Jörg Hillmer (CDU), Andreas Dobslaw (SPD), Martin Feller (Grüne), Rainer Fabel (FDP), Kathrin Otte (Linke) und Maik Hieke (AfD). Die LZ stellt die sechs Kandidaten mit ihren persönlichen politischen Zielen heute im letzten Teil der Serie zur Landtagswahl vor.

Jörg Hillmer (CDU)

ist seit 2003 Mitglied des Landtages und stellvertretender Vorsitzender seiner Fraktion. Dass der Wahlkreis Uelzen um die Samtgemeinde Ilmenau erweitert wurde, empfindet der gelernte Landwirt und studierte Betriebswirt als Normalität. „Es gibt unzählige Wahlkreise, die über die Landkreisgrenzen hinaus gehen.“ Speziell zu den Interessen der Wähler in der Samtgemeinde Ilmenau sagt Hillmer: „Eine Verkehrsentlastung für Melbeck steht für mich ganz oben auf der Agenda.“ Der vierfache Vater fordert die Realisierung der A 39: „Da haben wir wertvolle Jahre verloren.“

Schwieriger wird es für den 51 Jahre alten Christdemokraten, seine Position zum geplanten Bahnstreckenausbau und hier speziell zu Alpha E mit dem dritten Gleis zwischen Lüneburg und Uelzen zu formulieren. Denn viele Einwohner in seinem Wahlkreis stehen diesem Schienenprojekt positiv gegenüber, Widerstand gegen das 3. Gleis wird dagegen vor allem in Deutsch Evern laut.

„Diese Forderungen muss ich ernst nehmen, indem ich versuche, die Interessen der Deutsch Everner zu vertreten.“ Viele Projekte im Bundesverkehrswegeplan würden wohl nicht mehr realisiert werden. Das gelte beispielsweise auch für die Y-Trasse, für die es sogar ein Raumordnungsverfahren gegeben habe.
Am Herzen liege ihm auch eine bessere Unterrichtsversorgung von mindestens 100 Prozent und mehr Personal für die Polizei. „Wir wollen 3000 Polizisten zusätzlich einstellen.“

Andreas Dobslaw (SPD)

 „Die Interessenlage in der Samtgemeinde Ilmenau ist eine andere als im Rest des Wahlkreises Uelzen.“ Als Verkehrssicherheitsexperte der Polizei setzt Dobslaw einen Schwerpunkt seiner Arbeit bei Verkehrsprojekten, die aus seiner Sicht angeschoben werden müssen.

Dazu zählt der Bau eines Radweges von Bienenbüttel nach Hohnstorf, ein Radschnellweg von Uelzen nach Bad Bevensen („der stärkt den Tourismus und schützt die Umwelt“); der Bereich vor der Grundschule in Melbeck sollte seinem Vorschlag zufolge durch eine Verengung der Einmündung der Floetstraße weiter beruhigt werden und die B 4 von Tätendorf bis Bienenbüttel auf eine 2+1-Straßenführung ausgebaut werden. Wo es sinnvoll ist, befürwortet Dobslaw den Bau von Kreiseln, etwa in Melbeck an der Einmündung Heinser Weg in die L 233.

Zum Gleisbauprojekt Alpha-Vaiante E sagt er: „Zu versprechen, dass der Ausbau verhindert werden könnte, ist blauäugig. Was ich versprechen kann, ist, mich dafür einzusetzen, dass die Interessen der Deutsch Everner gehört werden.“

Die Sicherstellung der ärztlichen Versorgung und Pflege auf dem Land sind weitere Themen, die dem Uelzener SPD-Kreistagsfraktionschef wichtig sind. Ebenso will er sich für die bestehenden Oberschulstandorte in der Region einsetzen. Zusammen mit anderen Angeordneten will Dobslaw dafür sorgen, dass die Nordost-Region, zu der die Kreise Uelzen und Lüneburg gehören, in Hannover besser wahrgenommen wird.

Martin Feller (Grüne)

Der stellvertretende Bürgermeister der Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf will „grüne Politik vor Ort spürbar machen“. Er wolle den Menschen zuhören, ohne den allzu oft erhobenen Zeigefinger. „Zudem möchte ich solidarische und ökologische Konzepte des Zusammenlebens entwickeln“, verspricht der Kandidat der Grünen.

Dazu gehöre, Flüchtlingen und Migranten eine Chance zu geben, legal und in Würde in Deutschland ein besseres Leben zu führen. „Kinder müssen freien Zugang zu allen Lernangeboten haben“, fordert Feller außerdem. Von der Krippe über die Kita bis hin zur Schule müssten Lern- und Betreuungsangebote kostenfrei gemacht werden. Ganztagsschulen müssten unverzüglich realisiert werden.

Der geplanten Autobahn  39 zwischen Lüneburg und Wolfsburg erteilt Feller dagegen eine klare Absage. Der Grünen-Politiker ist nach eigenen Worten Verfechter einer bäuerlich-ökologischen Landwirtschaft. Eine Landwirtschaft, die unter dem Strich Tiere respektvoll behandle und das Klima und die biologische Vielfalt schütze. „Die Landwirtschaft in Deutschland steckt in einer tiefen Krise – ein Kurswechsel ist dringend nötig.

Der Bauernverband setzt auf Konfrontation und wehrt sich gegen notwendige Veränderungen. Deutschland erreicht seine Klimaziele nicht, wir brauchen mehr CO2-Reduktion“, bilanziert der stellvertretende Fraktionsvorsitzende für die Grünen im Uelzener Kreistag.

Rainer Fabel (FDP)

„Ich stelle mich der Landtagswahl, um einen Politikwechsel mitzugestalten. Wir müssen im ländlichen Raum für unsere Ziele heftig streiten und kämpfen. Der ländliche Raum muss lebenswerter gestaltet werden durch gründerfreundliche Rahmenbedingungen“, fordert der Landwirtschaftsmeister und FDP-Politiker, der sich „attraktive und neue Arbeitsplätze für die Region wünscht, besonders im Gesundheitswesen“.

Zum geplanten Bau des 3. Gleises hat der FDP-Fraktionsvorsitzende im Uelzener Kreistag eine klare Meinung: „Ganz klar, das muss kommen. Aber mit bestmöglichem Lärmschutz.“ Fabel steht zu den Inhalten des Abschlussdokuments des Dialogforums in Celle. Auch der Bau der Autobahn 39 ist für Fabel notwendig: „Wir brauchen die Autobahn. Sie sollte längst schon fertig sein.“ Der 61-Jährige ist überzeugt, dass durch mehr Wirtschaftskraft vor Ort der Abzug junger Menschen gestoppt werden kann.

Genauso, wie durch Investition in die Bildung. Fabel spricht sich klar für den Erhalt der Gymnasien aus, fordert zudem die Digitalisierung der Schulen. Eine gute Ausstattung und ein breites Unterrichtsangebot seien wichtig. Fabel koppelt das mit einem klaren Bekenntnis zum dreigliedrigen Schulsystem.
Der Suhlendorfer ist seit 1995 Mitglied der FDP, seine Beweggründe, sich jetzt um ein Landtagsmandat zu bewerben: „Ich will mich für eine ideologiefreie Landwirtschaftspolitik einsetzen und die Region voranbringen.“

Kathrin Otte (Linke)

„Sehr viele Menschen bis in die obere Mittelschicht hinein plagt heute die Besorgnis, trotz boomender Wirtschaftszahlen in einer zunehmend verrohenden Abstiegsgesellschaft zu leben“, stellt Otte fest, die als Direktkandidatin für Die Linke antritt. „Eine sozial-ökologische Wende in Deutschland ist auch eine Frage der globalen Gerechtigkeit“.

Deutschland müsse seinen Beitrag dazu leisten, die weltweite Erderwärmung deutlich unter zwei Grad, möglichst auf 1,5 Grad, zu begrenzen“, fordert Kathrin Otte. Zum Thema Landwirtschaft sagt sie: „In Niedersachsen gibt es nur drei Prozent statt bundesweit 6,5 Prozent ökologische Landwirtschaft. Dafür sind wir Spitzenreiter bei der Nitratbelastung unseres Wassers. Wir treten an mit einem Konzept des sozial abgesicherten Umbaus des bisher von den Agrar-Chemie-Konzernen dominierten Anbaus.“

Und zum Dieselskandal: „So kann es mit dem Verbrennungsmotor und den Gesundheitsschäden nicht weitergehen! Ländliche Regionen müssen in ein sozial-ökologisches Verkehrskonzept eingebunden werden.“ Ottes Vision für die nächsten Jahre: An Windparks gekoppelte Wasserstoffproduktion in kommunaler Hand gewährleistet die regionale Antriebs-Versorgung von Wasserstoffbussen. Stärkung der Kommunen, die Einführung eines Pflegemindestlohns von 14,50 Euro, die Einrichtung eines Zukunftsfonds, um für eine Übergangszeit den Umbau der Indus-trie zu fördern, nennt die Direktkandidatin als weitere Ziele.

Maik Hieke (AfD)

Der 36-jährige Fachanwalt für Medizin-, Agrar- und Erbrecht ist seit 2014 Mitglied der AfD. Die Unzufriedenheit mit der Europa-, der Einwanderungs- und der Flüchtlingspolitik hätten ihn dazu bewogen, Mitglied bei der Alternative für Deutschland zu werden, die er als eine „rechtskonservative“ Partei beschreibt. Das Asylrecht stellt Hieke nicht in Frage, Kanzlerin Merkel aber wirft er „historischen Rechtsbruch“ vor.

Hieke steht für den Erhalt des dreigliedrigen Schulsystems einschließlich der Förderschulen. Auch dafür trete er als Direktkandidat der AfD an. Nicht unterstützen könne er die „staatlich geforderte Integration von Flüchtlingen. Das kann und darf nicht die Aufgabe der Schulen sein“. Seine Schwerpunktthemen, sollte er den Einzug in den Landtag schaffen, sieht der verheiratete Familienvater von vier Kindern auch in der Umwelt- und Jagd-Politik: „Schon deshalb, weil ich selbst leidenschaftlicher Angler und Jäger bin“, sagt der Jurist, der sich auch für eine besserere medizinische Daseinsvorsorge im ländlichen Raum starkmachen will.

Zu den beiden umstrittenen Verkehrsthemen Bau der A39 und 3. Gleis sagt der Barumer: „Den Bau der A39 kann ich nur befürworten, wenn das die Kosten-Nutzenanalyse hergibt. Und dann müsse man über die Trassenführung reden.“ Zum Schienenverkehr: „Den darf man nicht losgelöst vom Straßenbau betrachten, wenn man den Güterverkehr fördern und die Lkw weg von der Straße bringen will.“

One comment

  1. Andreas Dobslaw (SPD) ist der Mann der Stunde. A39 und das dritte Gleis durch Deutsch Evern müssen verhindert werden.

    Selfie-König Jörg Hillmer (CDU) sollte Sonntag aus dem Landtag verabschiedet werden. Er kann sich dann ja wieder verstärkt um die Verwaltung der Suderburger Jagdkasse kümmern.