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Bunte Blüh- statt eintöniger Grasflächen – an vielen Orten gibt es das bereits. Ein Projektmanager, der vom Landkreis Lüneburg eingestellt wird, soll dafür sorgen, dass das auch in der Region Lüneburg künftig noch mehr geschieht. Foto: nh

Manager für Insekten gesucht

Lüneburg. Rundblättrige Glockenblume, Gelbes Sonnenröschen, Wiesenflockenblume, Grasnelke, Wilde Malve. Von diesen Wildblumen und vielen, vielen anderen sollen bald in der Region mehr zu finden sein, davon sollen dann vor allem auch Insekten etwas haben. Dazu beitragen soll ein Projektmanager, den der Landkreis Lüneburg einstellen will.
Für einen Zeitraum von fünf Jahren bekommt der Kreis Fördermittel für sein Projekt „Biotopverbund Elbtal Amt Neuhaus – unter besonderer Berücksichtigung des Blühaspektes“. Gesamtvolumen: 527 000 Euro.

Dabei soll sich die Arbeit nicht auf den rechtselbischen Teil des Kreises mit seinen 237 Quadratkilometern beschränken – vielmehr sollen dort gewonnene Erkenntnisse später auch auf den gesamten Landkreis und darüber hinaus angewendet werden. Stefan Bartscht: „Das Ganze ist ein Pilotprojekt.“
Vor Bewilligung des Projekts stand harte Arbeit: 54 Seiten und zwölf Anlagen umfasst der Förderantrag, den maßgeblich Elke Benecke und Dorte Nette vom Fachdienst Umwelt beim Landkreis ausgearbeitet hatten. Jetzt flatterte der positive Bescheid ins Kreishaus. Von der Gesamtsumme werden 80 Prozent, das sind knapp 422 000 Euro, durch Europäische Union und Land gefördert, die restlichen 20 Prozent (105 000 Euro) trägt der Landkreis Lüneburg.

Der Löwenanteil der Projektsumme fließt in die Schaffung der Vollzeitstelle eines Projektmanagers, dessen Aufgabe die Förderung der biologischen Vielfalt im rechtselbischen Bereich des Landkreises Lüneburg sein wird. Seinen Sitz soll der künftige Projektmanager in Neuhaus haben.
„Die Stelle möchten wir gern so schnell wie möglich besetzen“, sagt Stefan Bartscht, Leiter des Fachdienstes Umwelt beim Landkreis Lüneburg. So schnell, dass die Stelle sogar schon ausgeschrieben ist – Einstellungsvoraussetzung ist ein abgeschlossenes Hochschulstudium der Fachrichtung Landschaftspflege oder -architektur, Biologie, Umweltwissenschaften, Agrarökologie oder einer vergleichbaren Fachrichtung.

Das seit 2015 arbeitende „Netzwerk Blühender Bodensee“, das sich länderübergreifend für mehr Artenreichtum einsetzt, hatte Lüneburgs Landrat Manfred Nahrstedt auf die Idee für das Projekt gebracht. Besonderes Augenmerk, heißt es im Antrag, „liegt dabei auf der Sicherung eines möglichst vielfältigen Bestandes an Blühpflanzen, um damit den flächendeckend zunehmenden Verlust von charakteristischen und wertgebenden Arten sowie von wertgebenden Lebensraumtypen, einschließlich der an diese Arten und Lebensräume gebundenen Insektenfauna, aufzuhalten“.
Wie notwendig Maßnahmen sind, um dem Insektensterben entgegenzuwirken, erklärt Stefan Bartscht. So seien von den in Niedersachsen aktuell vorkommenden Wildbienenarten fast zwei Drittel im Bestand gefährdet. Selbst bei weit verbreiteten und bislang häufigen Bienenarten sind drastische Bestandsrückgänge verzeichnen. Ähnliches gilt für Hummeln und andere Insektenarten.

Für Gewässerrandstreifen, Deiche, Wege- und Straßenränder, Obstbaumalleen, Hecken und Bäume aber auch Streuobstwiesen, Gärten, öffentliche Wege und Plätze soll der künftige Projektmanager Strategien für einen größeren Artenreichtum entwickeln, sie durchführen, koordinieren und auch darüber informieren. Partner des Projekts sollen unter anderem der Bauernverband Nordostniedersachsen, die Biosphärenreservatsverwaltung, Gemeinde Amt Neuhaus und Stadt Bleckede, der Neuhauser Deich- und Unterhaltungsverband, die Lokale Aktionsgruppe Leader Elbtalaue, der Imkerverein Neuhaus, der Verein Konau 11-Natur oder die Nabu-Kreisgruppe sein, auch Privatleute werden einbezogen. Bartscht: „Ziel ist immer die Erhöhung des Artenreichtums.“

Von Ingo Petersen

Eigenbetrieb Straßenbau wehrt sich: Regelmäßiges Mähen muss sein

Mit seinen Mähern zerstöre er unnötig „wichtige Biotope“, kritisierte Nabu-Kreisvorsitzender Thomas Mitschke im Juli den Eigenbetrieb Straßenbau und -unterhaltung (SBU) des Kreises Lüneburg. Den Vorwurf machte Kreistagsmitglied Tanja Bauschke (Grüne) anschließend zum Thema einer Anfrage an die Kreisverwaltung. Bei der jüngsten Betriebsausschusssitzung des Kreistags wies SBU-Leiter Jens-Michael Seegers die Kritik zurück.

Das regelmäßige Mähen der Seitenstreifen sei „aus Verkehrssicherheitsgründen unerlässlich“, erklärte Seegers. Auch bleibe das „Bauwerk Straße“ durch das Mähen länger erhalten. Ein „differenziertes Mähen“ jeweils nach vorheriger Prüfung, sei angesichts des Personalstands und des Geräteparks „nicht leistbar“.