Aktuell
Home | Lokales | Duales Studium: Auf zwei Standbeinen zum Bachelor
Johanna Ludwig kümmert sich in den Sommerferien unter anderem um das Projekt „talentCAMPus“, in dem Kinder und Jugendliche beispielsweise einen Actionfilm entwickeln und drehen. Ihre Aufgabe an der VHS ist umfangreich und nimmt wöchentlich drei Arbeitsage ein – neben ihrem Studium montags und dienstags an der Berufsakademie. Foto: be

Duales Studium: Auf zwei Standbeinen zum Bachelor

Lüneburg. „Geliebäugelt mit der sozialen Arbeit“ hat Johanna Ludwig schon zu ihrer Schulzeit, die Lüneburgerin will in diesem Bereich ihre Brötchen verdienen – und ist dort jetzt auch schon während ihres Studiums aktiv. Die 21-Jährige absolviert ein Duales Studium, zahlt dafür keine Studiengebühren und bekommt sogar Gehalt für den praktischen Teil. Denn zu ihrem Studium an der Berufsakademie Lüneburg, das nach sechs Semestern mit dem Titel „Bachelor Soziale Arbeit“ abgeschlossen wird, gehört der praktische Part. Sie arbeitet für die Volkshochschule (VHS) Region Lüneburg. Die Lüneburger Akademie ist die erste in Niedersachsen, die ein solches Studium anbietet. Und für die VHS ist es ebenfalls eine Premiere, erstmals ist sie in dieses Studium integriert.

Johanna Ludwig kennt die Vorteile gegenüber einem Studium an einer Universität: „Die Akademie ist akkreditiert, der Abschluss staatlich anerkannt. Das heißt: Es ist nach dem Studium nicht noch ein Anerkennungsjahr wie bei Studierenden an Universitäten nötig. Ich kann sofort in einen Beruf einsteigen, weil die Praxis ja schon da ist.“ Studiengebühren zahlt sie nicht. Die übernimmt die VHS, deren stellvertretende Leiterin Claudia Kutzick sagt: „Das sind 380 Euro im Monat. Zusätzlich zahlen wir ihr ein Gehalt.“ Das orientiere sich am BAföG-Höchstsatz.

Dafür muss die 21-Jährige aber auch Leistungen erbringen: „Montags und dienstags absolviere ich ein Vollzeitstudium an der Akademie, von mittwochs bis freitags arbeite ich für die VHS. Das bedeutet: Was andere Studierende in fünf Tagen machen, muss ich an zwei Tagen absolvieren. So lerne ich an den Abenden und oft auch am Wochenende oder im Urlaub fürs Studium.“ Sie weiß allerdings, dass sie finanziell gut dasteht, keine Jobs wie andere Studierende annehmen muss. „Und bei der VHS habe ich das sehr gut getroffen, da gibt es keine Nacht- oder Wechselschichten.“ Mehr noch: Sie kann in Projekten recht selbstständig arbeiten.

Das Ziel, etwas im sozialen Bereich zu machen, habe sie schon recht früh gehabt, „vielleicht im Gesundheitsbereich“. Nach dem Abitur an der Wilhelm-Raabe-Schule absolvierte sie ein zweimonatiges Praktikum in einer Privatklinik. Sie habe aber schnell erkannt: „Das Pflegerische ist nichts für mich.“ Das Beratende, Organisierende würde sie eher ansprechen. Da stieß sie in der LZ auf eine Anzeige: Die VHS suchte für zwölf Monate jemanden für eine Bundesfreiwilligenstelle, Johanna Ludwig machte einen tollen Eindruck beim Vorstellungsgespräch – sie stieg ein. Das war in einer Zeit, in der die Bildungseinrichtung an der Haagestraße schon mit der Berufsakademie in einigen Projekten zusammenarbeitete. Claudia Kutzick erinnert sich: „Deren Leiter Dr. Dirk Nissen informierte uns darüber, dass es die Möglichkeit des Dualen Studiums Soziale Arbeit gibt, das 2014 eingeführt wurde.“ Ein Glücksfall für die VHS, denn „wir wollten Johanna nicht gehen lassen“. Aus der Bundesfreiwilligen wurde die Studentin Johanna.

„Das Organisieren macht mir Spaß.“

Mittlerweile ist die 21-Jährige im fünften Semester. Claudia Kutzick weiß das Wirken der jungen Mitarbeiterin zu schätzen. „Sie unterstützt uns bei der Kursplanung, organisiert Mitarbeiterfortbildungen für unsere Auftraggeber aus dem sozialen Bereich, sucht dafür Dozenten, was für sie durch ihre Kontakte aus dem Studium leicht ist.“ „Ich freue mich, wenn diese Fortbildungen fruchten“, sagt Johanna Ludwig: „Das Organisieren macht mir Spaß.“ Ebenso ist sie angetan von Projekten, für die sie selbst verantwortlich ist: Im Herbst 2016 etwa setzte sie ein Musikprojekt mit Jugendlichen mit und ohne Behinderungen durch, ein auf dem Marktplatz mit dem Hamburger Rapper Captain Gips gedrehtes Video entwickelte sich zu einem kleinen YouTube-Hit. Und in den Sommerferien war sie im sogenannten talentCAMPus aktiv, hier kümmerte sie sich um Projekte für Kinder und Jugendliche, damit diese unabhängig von der sozialen Herkunft bestmögliche Bildungschancen erhalten. Eine Herzensangelegenheit für Johanna Ludwig ist das Projekt BIWAQ, sie berät Frauen mit Migrationshintergrund in Kaltenmoor und dem Quartier Am Weißen Turm.

Was sie nach dem Studium machen will, vermag die 21-Jährige noch nicht zu sagen: „Das lasse ich auf mich zukommen.“
Von Rainer Schubert

Berufsakademie eröffnet Chancen

Dual studieren

Die Berufsakademie (BA) Lüneburg bietet zwei Duale Studiengänge an:

Der betriebswirtschaftliche Studiengang endet mit dem durch die ZEvA akkreditierten und staatlich anerkannten Bachelorabschluss Betriebswirtschaftslehre (B.A.) Bachelor of Arts.

Der Studiengang Soziale Arbeit (B.A.) wurde ebenfalls von der ZEvA akkreditiert.  Er endet mit dem staatlich anerkannten Bachelorabschluss Bachelor of Arts.

Beide Studiengänge umfassen sechs Semester, richten sich an junge Menschen mit Hochschulzugangsberechtigung (in der Regel Abitur oder Fachhochschulreife), die einen Studien- und Ausbildungsvertrag mit einem Partnerbetrieb abgeschlossen haben.

Träger der Berufsakademie sind unter anderem die Hansestadt und der Landkreis Lüneburg.

Kontakt unter wendland@vwa-lueneburg.de.

Das BIWAQ-Programm

Hilfe für Migrantinnen

Seit 2008 legt BIWAQ (Bildung, Wirtschaft, Arbeit im Quartier) als Partnerprogramm des Städtebauförderungsprogramms „Soziale Stadt“ den Schwerpunkt auf benachteiligte Stadt- und Ortsteile.

So verknüpft BIWAQ quartiersbezogen lokale Bildungs-, Wirtschafts- und Arbeitsmarktprojekte mit städtebaulichen Maßnahmen, aktuell läuft die dritte Förderrunde (2015-2018).
In Lüneburg gibt es zwei Standorte, in denen es Angebote für Frauen ab 27 Jahren mit Migrationshintergrund gibt. Dazu zählen auch Weiterbildungen. Aktuell sind 60 Frauen in den Kursen.

One comment

  1. Werner Schneider

    Die Aussage „Was andere Studierende in fünf Tagen machen, muss ich an zwei Tagen absolvieren.“ kann man so nicht stehen lassen. Ein Teil der Studienanforderungen muss in den drei Arbeitstagen absolviert werden. Zudem wird hier wohl die Belastung an der Uni unterschätzt.

    Schön ist aber, dass es einen derartigen Studiengang wieder gibt – mit rasant steigenden Bewerberzahlen. Die innovative Leuphana hat den Studiengang abgeschafft. Der darauf aufbauende Master ist kaum überlebensfähig.