Donnerstag , 15. November 2018
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Solaranlagen auf vielen Dächern sind schon jetzt im bestehenden Hanseviertel zu sehen. Im geplanten Hanseviertel-Ost wollen Grüne und Linke jedoch noch einen drauflegen und ein Vorzeige-Quartier in puncto Erneuerbare Energien realisieren. Foto: t&w

Hanseviertel-Ost als Leuchtturm der Energiewende?

Lüneburg. Die Grünen und Linken wollen den letzten Abschnitt des Hanseviertels als Leuchtturm der Energiewende in Lüneburg strahlen lassen. Die Stadtverwaltung ist irritiert, sie sagt, viele der grün-linken Ideen seien längst in den Entwürfen der Bebauungspläne verankert. Das sei rechtlich schon so vorgegeben. Anderes wiederum sei aus rechtlicher Sicht nicht möglich.

Wie berichtet, will die Stadt im östlichen Teil des Neubaugebiets Hanseviertel weitere 650 Wohnungen schaffen, um so für Entspannung auf dem Wohnungsmarkt zu sorgen. Entwürfe der Bebauungspläne liegen bereits vor (LZ berichtete). Die Stadt hofft, dass die Sparkassen-Tochter IDB die Flächen möglichst bald vom Bund erwerben kann. Linke und Grüne brachten nun im Bauausschuss ihre Anträge ein, die „alle Dimensionen der Nachhaltigkeit“ berücksichtigten. Allein der Antrag des Grünenpolitikers Wolf von Nordheim umfasste zehn Punkte.

„Die Pläne ermöglichen es bereits, Photovoltaik-Strom zu erzeugen.“
Tobias Neumann, Stadtverwaltung

Die Linke machte deutlich, dass im Erschließungsvertrag zwischen der Stadt und IDB, die das Grundstück vom Bund kaufen und die Erschließung und Vermarktung übernehmen soll, nicht nur die Fernwärme-Versorgung festzuschreiben sei, sondern sämtliche mögliche erneuerbare Energie wie zum Beispiel Photovoltaik zur Stromversorgung sowie Solarkollektoren zur Wassererwärmung. Zudem soll Mieterstrom ermöglicht werden. Dabei handelt es sich um Strom aus Solaranlagen, der an Gebäuden produziert und von den Bewohnern genutzt wird. Lediglich der nicht verbrauchte Strom wird ins öffentliche Netz eingespeist. Vorteil beim Mieterstrom: Es entfallen Netznutzungsentgelte und Konzessionsabgaben. Zudem soll ein Quartiersstromnetz entstehen, über das Photovoltaikstrom im ganzen Baugebiet verteilt werden könnte. Dazu müssten Leerrohre zwischen den unterschiedlichen Grundstücken verlegt werden.

Stellungnahmen: Alle Grundstücke sollen an Fernwärmenetz angeschlossen werden

Forderungen, die auch der 10-Punkte-Katalog von Wolf von Nordheim enthält: Es gehe um die Sicherung von Möglichkeiten vorzunehmender Installationen, für die dann Investitionen zu tätigen sind, sagt der Grüne. Diese seien aber freie Entscheidung und alleinige Sache der Bauherrn und Eigentümer. Darüber hinaus will er die Option für Dachbegrünung für jedes Flachdach gewährleistet sehen sowie Dachbegrünung für Carports plus Photovoltaik/Solarthermie-Installation. Dachbegrünung und Grünflächen sollen mit möglichst großer Artenvielfalt der Flora angelegt sein mit Nahrungsangebot für Insekten.

Im Kern kamen die Stellungnahmen der Verwaltung, vorgetragen von Tobias Neumann, zuständig für das Projekt Hanseviertel-Ost, und der Juristin Yvonne Hobro zu folgendem Ergebnis: Alle Grundstücke sollen an ein Fernwärmenetz der Avacon angeschlossen werden, erzeugt wird die Energie durch ein Biogas-Blockheizkraftwerk. Laut Entwurf der Bebauungspläne fürs Hanseviertel-Ost sind Photovoltaikanlagen grundsätzlich zulässig, deshalb bedarf es keines zusätzlichen Beschlusses. Es besteht aber keine Verpflichtung, dass ein Bauherr eine solche errichtet. Gleiches gilt für Solarthermieanlagen zur Brauchwassererwärmung. „Die Bebauungspläne und das neu geschaffene Mieterstromgesetz ermöglichen es bereits, Photovoltaikstrom im Plangebiet zu erzeugen und an Nutzer innerhalb des eigenen Gebäudes oder anderer Gebäude auf dem Grundstück zu verteilen“, stellte Neumann klar. Zur Verlegung eines Quartierstromnetzes zumindest in Form eines Leerrohrnetzes erläuterte Yvonne Hobro, dass die Verlegung nur innerhalb der privaten Baugrundstücke möglich ist, eine Verlegung parallel zum Primärstromnetz sei aufgrund des bestehenden Konzessionsvertrages nicht möglich.

Festgesetzt ist Dachbegrünung für alle Flachdächer von Neubauten, die extensiv (mit niedrigwüchsigen Pflanzen) ausgeführt werden soll, um der Haubenlerche (steht auf der Roten Liste) möglichst gute Lebensbedingungen zu ermöglichen. Auch eine Dachbegrünung der Carports ist in den B-Plänen verankert. Ausgenommen davon sind Carports, auf denen Solaranlagen installiert werden sollen.

Der Ausschuss verständigte sich einstimmig darauf, die Inhalte der Anträge als Arbeitsgrundlage in die Beratungen über die Bebauungspläne Hanseviertel-Ost und den städtebaulichen Vertrag einzubeziehen. Zudem werden einzelne Punkte des Antrags von Nordheims in verschiedene Ausschüsse zur Beratung verwiesen.

Von Antje Schäfer