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Er machte sich mit der LZ auf zu den Fahrradtouren: Seit 27 Jahren erkundet Prof. Dr. Peter Pez fahrradtaugliche Routen. Foto: us

Parteien äußern sich zu Verbesserungsvorschlägen im Radverkehr

Lüneburg. Unglückliche oder fehlende Ausschilderungen, irritierende Sackgassen-Bezeichnungen, überflüssige Durchfahrtsverbote, unzumutbare Wegeführungen entlang lärmender und stinkender Hauptverkehrsachsen – viele Radwegeführungen in Lüneburg kommen bei Prof. Dr. Peter Pez nicht gut weg. Doch der Verkehrsexperte der Leuphana hat in der siebenteiligen LZ-Serie über alternative Fahrradrouten auch aufgezeigt, wie es besser gehen könnte. Jetzt haben sich Politik, Verwaltung und der ADFC zu den Vorschlägen geäußert.

CDU
„Als Fahrradfahrer empfinde ich seine Anstöße und Ideen richtig und gehe davon aus, dass sowohl CDU als auch unsere Partner FDP und Grüne sie langfristig im Blick behalten und versuchen, sie auch umzusetzen“, sagt Niels Webersinn. Der Vorsitzende der CDU-Stadtratsfraktion sagt aber auch, wegen des Schuldenbergs der Stadt sei nicht alles Wünschenswerte auch umsetzbar. Die von Pez entwickelten Ideen sollen aber in das von der Jamaika-Gruppe geforderte Stadtentwicklungskonzept einfließen und nachfolgend umgesetzt werden.

SPD
Die SPD-Fraktion kann vieles „ohne Wenn und Aber teilen“, etwa die Erhöhung des Radverkehrsanteils oder ein Umdenken bei der Radverkehrsförderung, erklärt deren Fraktionsvorsitzender Klaus-Dieter Salewski. „Es gibt aber auch Positionen, die wir nicht teilen, wie beispielsweise Anpassungen beim Kopfsteinpflaster im Bereich der Salzstraße am Wasser in Richtung ehemalige Bezirksregierung.“ Die laufenden Aktivitäten von Stadt und Landkreis zum Thema Fahrradfahren müssten hingen besser verzahnt werden. Dieses sollte von einer gemeinsam agierenden Stelle, etwa durch einen hauptamtlichen Fahrradbeauftragten, gesteuert werden.

Grüne
Claudia Schmidt von den Grünen geht auf die Pez-Vorschläge nicht ein, sie verweist stattdessen auf ähnlich lautende Forderungen ihrer Partei. Zudem fordert sie die Aktualisierung des 2007 erstellten „Radverkehrskonzepts 2015“, wofür bereits 10 000 Euro in den Haushalt eingestellt wurden. „Leider ist uns bis heute von der Verwaltung keine Fortführung des Konzepts vorgestellt worden.“ Anders als die SPD spricht sie sich auch für Randstreifenasphaltierungen unter anderem am Behördenzentrum aus.

FDP
„Tolle Ideen von Professor Pez. So kann Radfahren in Lüneburg noch attraktiver werden“, findet Frank Soldan (FDP). Mit relativ wenig Aufwand ließen sich Verbesserungen für Fahrradfahrer erzielen und Kosten für den Ausbau der Radwege entlang der Hauptverkehrsstraßen senken. Die so frei werdenden Mittel könnten dann in andere Radwegeverbesserungen fließen. „Denken wir den Radverkehr in Lüneburg neu und zeigen wir deutlich, dass die Umsetzung des Lüneburger Verkehrsentwicklungsplans ein dynamischer Prozess ist. Professor Pez hat uns dazu eine Steilvorlage geliefert.“

AfD
Auch die AfD ist davon überzeugt, dass Lüneburg fahrradfreundlicher werden muss. „Die vorgestellten Routen sind daher zu begrüßen, Strecken abseits des Autoverkehrs sollten präferiert werden“, sagt deren Fraktionschef Prof. Dr. Gunter Runkel. Auch die teilweise Öffnung des Kurparks für den Radverkehr findet die Unterstützung seiner Fraktion. „Insgesamt brauchen wir sogar noch mehr Fahrradrouten. Es ist Zeit, damit anzufangen.“

Die Linke
Die Links-Partei hat sich zu dem Thema nicht geäußert.

Stadtverwaltung
„Wir haben die Serie aufmerksam verfolgt, denn wir wollen mehr Menschen dazu bewegen, das Auto stehen zu lassen und auf andere Verkehrsmittel umzusteigen, auch auf das Fahrrad“, sagt Oberbürgermeister Ulrich Mädge. Rund 1,2 Millionen Euro sollen dazu in diesem Jahr in den Ausbau und die Sanierung bestehender Radwege investiert werden.
Verbessert werden sollen auch die Verbindungen zwischen Stadt und Randgemeinden. Auch nach Vögelsen soll es eine Route geben, die durch das geplante Neubaugebiet Wienebüttel und das Gelände der Psychiatrischen Klinik führt. Am Bahnhof soll ein drittes Fahrradhaus entstehen, ferner gibt es Überlegungen für einen Radschnellweg nach Bleckede.

Radverkehrskonzept für den gesamten Kreis

Ähnlich wie Pez sieht auch Mädge die Notwendigkeit eines den gesamten Landkreis übergreifenden Radverkehrskonzepts unter Einbeziehung von Öffentlichem Personennahverkehr auf Straße und Schiene, Car-Sharing und E-Mobilität. Die Anregungen des Verkehrsexperten wie auch aus der Bevölkerung greife man gern auf, betont Mädge, auch wenn nicht alle Vorschläge umsetzbar seien. Wünsche der Radfahrer müssten mit den Wünschen der Denkmalpflege in Einklang gebracht werden.

Aber es gibt auch neue Ideen: Gemeinsam mit Professor Pez und Studenten will die Stadt die Entwicklung einer App insbesondere für Neu-Lüneburger prüfen. Sie soll helfen, umweltfreundlich mit dem Fahrrad zielgerichtet den Landkreis befahren zu können.

ADFC
„Sehr gut und anschaulich“ findet Burkhard von Roeder vom Lüneburger Kreisverband des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) die LZ-Serie, auch wenn bereits neu angelegte Routen wie die zwischen Lüneburg und Reppenstedt oder am Lösegraben nicht mit aufgenommen wurden. Man teile zudem die Kritik, die Pez an der Oberflächenbeschaffenheit vieler Wege und der Ausschilderung, geübt hat. Außerdem warte man „schon etwas ungeduldig“ auf die Beteiligung an der Aktualisierung des veralteten Radverkehrskonzepts.

Von Ulf Stüwe

3 Kommentare

  1. Mit Verwunderung musste ich lesen, dass DIE LINKE sich nicht zum Thema geäußert habe. Hier eine Antwort die am 15. August an die Redaktion ging:

    die Vorschläge von Professor Pez sind bei den Verkehrsausschussmitgliedern immer mal wieder Thema. Das Thema wurde allerdings gerne vermengt mit anderen Themen rund um den Radverkehr wie Fahrradschnellwege. Darum kurz zu den „Alternativen Routen“.

    Ja, sie sind wirklich interessant, vor allem touristisch. Insofern es ein direkter und umwegefreier Weg ist (Reppenstedt-Stadtzentrum) kann es auch für tägliche Fahrradpendler relevant sein, was den größeren Teil des Fahrradverkehrs ausmacht. Die ansonsten touristisch attraktiven Routen die jedoch (wenn auch geringfügige) Umwege darstellen, werden, so meine Erfahrung, von regelmäßigen Fahrradfahrern die etwa zur Arbeit mit dem Fahrrad fahren, nicht angenommen. Radfahrer sind umwegesensibler als andere Verkehrsteilnehmer. Darum brauchen wir immer beides: die kürzesten Routen für Fahrradfahrer (Schießgrabenstr. in beide Richtungen ist so ein Beispiel) als auch attraktive Nebenrouten. Attraktive Nebenrouten sind aber nie ein Ersatz für die schnellste Verbindung

    • Herr Pauly wurde ebenso wie alle anderen Fraktionsvorsitzenden um eine Stellungnahme gebeten, das erste Mal am 20. Juli, das zweite Mal am 1. August, hier mit Fristsetzung 8. August. Seine Antwort ging am 15. August ein. Zu dem Zeitpunkt war der Artikel bereits fertig und der zuständige Redakteur im Urlaub, eine nachträgliche Aufnahme nicht mehr möglich.

      Mit freundlichen Grüßen

      Ulf Stüwe
      Lokalredaktion

  2. Schnelle, möglichst kurze Wege mit guter, glatter Oberfläche, die für Fahrräder gut geeignet sind, gibt es doch in und um Lüneburg längst:
    Das sind die Fahrbahnen der Straßen!
    Das Problem ist, dass ich diese schnellen Wege, die nachweislich auch viel sicherer sind, als die Nutzung der sogenannten „Radwege“ zu einem großen Teil mit meinem Fahrrad nicht, oder nur in Ausnahmefällen befahren darf.
    Wenn es den Ratsherren und -Damen des Rates und der Stadtverwaltung mit der Förderung des Radverkehrs ernst ist, können sie – ohne irgendwelche Zusatzkosten- in kürzester Zeit sehr viel tun, indem sie in der Stadt die Radwegsbenutzungspflicht aufheben.
    Seit nunmehr ca 20 Jahren wurde die von der damaligen Reichsregierung in den 30er Jahren eingeführte allgemeine Radweg-Benutzungspflicht wieder aufgehoben,
    Seit dem soll eine Radweg-Benutzungspflicht, also ein Fahrbahnverbot für Fahrräder nur noch in Ausnahmefälllen angeordnet werden.
    Warum wollen Sie diesem gesetzlichen Auftrag nicht endlich nachkommen, und den Normalzustand auch in Lüneburg wieder einführen?