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Direkt an der Bundesstraße 209, in der Nähe des neuen Feuerwehrgerätehauses, soll nach dem Willen der Artlenburger ein Supermarkt entstehen. Doch der Kreis hat ihnen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Foto: be

Kreis lehnt Discounter in Artlenburg ab

Artlenburg. Der Schock sitzt tief beim Bürgermeister der Gemeinde Artlenburg, Rolf Twesten: Der Landkreis Lüneburg lehnt den Neubau eines Norma-Supermarktes in der beantragten Größe ab und erklärt den eigens dafür aufgestellten Bebauungsplan der Gemeinde als „unwirksam“. Laut Kreisrätin Sigrid Vossers hat der Landkreis der Gemeinde ein Gespräch angeboten, bei dem alle Akteure zusammenkommen. „So könnten wir gemeinsam beraten, ob und wie sich eine gute Nahversorgung für Artlenburg verwirklichen ließe“. Viel Hoffnung setzt Twesten allerdings nicht in das Treffen: „Norma hat bereits deutlich gemacht, dass man auf keinen Fall noch kleiner bauen wird. Und auch andere Supermarkt-Ketten lassen sich auf so kleine Märkte nicht ein.“

Die Konsequenzen für die Gemeinde wären fatal: Denn Ende November schließt nach 23 Jahren der Dorfladen – und damit die einzige Einkaufsmöglichkeit im Ort. Ein Zurück gibt es für Betreiberin Carola Vertheim nicht, „alle Verträge sind gekündigt, einfach so weitermachen, das geht nicht“. Die 54-Jährige selbst bedauert die Situation. „Aber man hat mir kaum eine andere Wahl gelassen“, sagt sie.

Dorfladen wird schließen

Zwar hat es auch Unterstützer, sogar eine Unterschriftenaktion für den Erhalt ihres Ladens gegeben. „Doch seit die Pläne für den Bau eines Discounters am Ortsrand konkret wurden, hat man mir aus der Politik immer wieder und zum Teil in sehr bösen Worten gesagt, dass man mich nicht mehr braucht“, sagt Vertheim. Die Gemeinde hatte zudem angekündigt, ihr in Zukunft keine Mietvergünstigungen mehr für ihren Laden in der alten Sparkasse zuzugestehen. „Und ohne diese Kürzungen im Winter kann ich nicht überleben.“

Vertheim zog die Konsequenzen, kündigte die Verträge mit Lieferanten, Vertragspartnern und der Gemeinde als Vermieterin. „Gerne hätte ich mit der Gemeinde einen Plan B gemacht für den Fall, dass es nicht klappt mit dem Supermarkt-Neubau“, sagt sie, „doch dafür sah man offenbar keinen Bedarf.“

Bürgermeister Twesten indes sieht vor allem einen Schuldigen an dem Dilemma: den Landkreis. 50 000 Euro habe die Gemeinde bereits in Vorplanungen gesteckt, alle Hausaufgaben gemacht, die der Landkreis gefordert hatte. „Das kann doch nicht alles umsonst gewesen sein“, klagt der Bürgermeister. Sobald er etwas Schriftliches vom Landkreis Lüneburg bekommen habe, werde er prüfen, wie es weitergeht. „Aber eins kann ich schon jetzt sagen: Wir werden alles tun, um das Projekt zu retten.“

B-Plan verstößt gegen Raumordnung

Warum der Landkreis den Supermarkt in letzer Konsequenz abgelehnt hat, erklärt Kreisrätin Sigrid Vossers: „Den beantragten Discounter in Artlenburg können wir so nicht genehmigen.“ Die Gemeinde Artlenburg habe dazu einen B-Plan aufgestellt. „Unsere Prüfung hat allerdings ergeben: Dieser B-Plan ist unwirksam, weil er gegen Ziele der Raumordnung verstößt, die als höherrangiges Recht zwingend zu beachten sind.“

Als Regionalplaner müsse der Kreis die Auswirkungen des Vorhabens für den Ort und die Region betrachten. „Und Artlenburg hat keinen Versorgungsauftrag für umliegende Gemeinden.“ Ein Supermarkt in Artlenburg dürfe daher nur eine Nahversorgungsfunktion übernehmen. „Das heißt, unter anderem muss mehr als die Hälfte der Kaufkraft von Kunden kommen, die den Supermarkt binnen zehn Minuten zu Fuß erreichen können“, erklärt Vossers, „außerdem müssen 90 Prozent der Verkaufsflächen nahversorgungsbezogene Sortimente anbieten, das sind Lebensmittel, Toilettenpapier usw.“ Anforderungen, die mit dem geplanten Supermarkt nicht zusammenpassen.

Von Anna Sprockhoff

6 Kommentare

  1. Typisch Bürokratie.
    Wie ältere Mitbürger in Artlenburg einkaufen können interessiert nicht. Sollen die doch sehen wie sie ihren Alltag geregelt bekommen. Die Behörden und auch der Landkreis , die sich angeblich um Bürgerinteressen kümmern und diese Ernst nehmen erweist sich mal wieder nur als ein Lippenbekenntnis. Hier ist endlich mal ein Unternehmen an einem
    Standort in einer kleineren Gemeinde und nicht nur in einer Stadt interessiert. Aber der Amtsschimmel erwartet einen kleinen Supermarkt, der sich für die großen Ketten nicht rechnet. Denn nur wenn ein Vollsortiment geboten wird kaufen die Bürger auch vor Ort ein. Wenn man ohnehin in die Stadt muss kann man auch gleich alles in der Stadt besorgen.
    Anstatt zu unterstützen das der Supermarkt gebaut werden kann schiebt man Raumordnungsprobleme vor.
    Einfach lächerlich, denn angeblich geht es nur um die Verkaufsfläche und das Sortiment.

    Man sollte sich die Kreisrätin dringend merken und bei den nächsten Wahlen sich genau überlegen , wen man wählt und nicht nur irgendwelchen Schlagwörtern glauben

  2. Wie kann sowas sein ?????
    Der Amtsschimmel wacht. Der Landkreis wünscht das Artlenburg ein touristisches Naherholungsgebiet bleibt ohne großen Supermarkt. Lieber mit einem kleinen, schlechten Sortiment in einem teuren Edeka Abzweiger, der nicht mal Angebote anbietet. Somit die Grundversorgung nicht liefern kann und will. Das hat die Besitzerin oft genug betont, dass Sie keine Lust hat zu vergrößern, obwohl die Gemeinde Angebote gemacht hat und sie ihr Sortiment für ausreichend hält.
    Schade nur, das wir viele junge Familien hier haben und ältere Mitbürger ohne Auto. Die auf eine Nahversorgung angewiesen sind und viele Jahre wenigstens den überteuerten Dorfladen hatten. Bald nicht mehr. Was erschwerend hinzu kommt, Artlenburg hat leider nicht mal eine ordentliche Busverbindung. Die Bürger können nicht mal zu den Nachbargemeinden zum Einkaufen kommen.
    Sicher haben die Entscheider solche Probleme nicht. Sicher haben die ein ordentliches Auto und einen Supermarkt vor der Tür.
    Wie gut das wir wenigstens noch unsere Touristen haben.
    Bald werden dann die Artlenburger die Brötchen backen, mit dem selbstgemachten Mehl, welches vorher als Weizen im Vorgarten wächst, um wenigstens den Tourist bei Laune zu halten.
    Herzlichen Dank an den Landkreis im Namen der Bürger die es am härtesten trifft.
    Familien mit kleinen Kindern, die sowieso Geld im Überfluss haben und gern für jede Kleinigkeit das Auto anschmeißen und den älteren Mitbürgern die anscheinend sehen können wo sie bleiben und was sie essen.
    Der Gedanke war wenigstens sehr schön, dass endlich mal nach 18 Jahren eine Supermarktkette gefunden wurde, die all diese Probleme beseitigt hätte……

    • Brot, Butter, Wurst, Käse, Milch, Kaffee, Tee, Wasser, Säfte, Obst, Gemüse, Nudeln , Reis und Kartoffeln – mehr braucht auch ein Mensch aus Artlenburg nicht, um sich gesund und ausreichend zu ernähren. Das hatte Frau Verthein alles im Übermaß zu bieten und vieles darüber hinaus. Nun ist sie aus dem Geschäft gedrängt, weil den pausbackigen Dampfplauderern in den Gemeindegremien nach französischen Pasteten, tibetanischen Yak-Milchgerichten und nepalesischen Yuangen-Knollen war. Dumm gelaufen! Jetzt heißt’s eben, die Umwelt schonen, beherzt den Drahtesel satteln, zu Egbert Langes Edeka nach Hohnstorf (Am Sportzentrum 5) pedalieren, der Omi den Bollerwagen mit herrlichsten Köstlichkeiten beladen und zurück nach Hause schaffen.

      • Sie hätten sich mal mit Frau Vertheim unterhalten sollen. Die hat lange bevor der Rat Aktivitäten für einen neuen Markt entwickelten gesagt, dass sie den Laden nicht mehr lange betreiben wird. Er Wäre sowieso geschlossen worden.und… hätten Sie den weiterbetrieben?

      • Hannelore Krüger

        Gut getroffen, Guschen! Wenn jeder Elbfischer seinen eigenen Supermarkt haben muss, können wir bald auf einem Bein das Flusstal entlang von Schnackenburg bis Marschacht bei den Discountern von Dach zu Dach hüpfen.

    • Knäckebrot, Croissants, Zwieback, Toastbrot, Mohn-, Sesam- und Kümmelbrötchen, Paniermehl, Streuselkuchen, Kekse, Cracker und Salzstangen: alle schlecht im Bett!