Mittwoch , 20. September 2017
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Reichlich Informations- und Anschauungsmaterial hat Heiko Frese für den „Plattdag“ zur Hand. Frese ist Berater für Plattdeutsch bei der Landesschulbehörde. Foto: pet

Plattdeutsch für einen Tag

Lüneburg. Die Zahl überrascht: 17,4 Prozent der Niedersachsen sagen von sich, dass sie „gut“ oder sogar „sehr gut“ Plattdeutsch sprechen können – das besagt jedenfalls eine gemeinsame Studie des Instituts für deutsche Sprache in Mannheim in Zusammenarbeit mit dem Institut für niederdeutsche Sprache in Bremen.

Für sie und für die, die im Umgang mit der niederdeutschen Sprache gern fitter werden wollen, ist heute ein besonderer Tag, es ist der Beginn der Aktion „Freedag is Plattdag“, also „Freitag ist Platttag“. Dazu rufen Landesschulbehörde und die Landschaftsverbände gemeinsam als Kooperation „Platt is cool“ auf.

Niederdeutsch in zahlreichen Varianten und Saterfriesisch sind die beiden ursprünglichen Sprachen, die in Niedersachsen gesprochen werden. „Wer noch kein Platt oder Saterfriesisch sprechen kann, sollte es an den Freitagen im September ausprobieren“, sagt der „Erfinder“ der Aktion, Manfred Kück, Fachdezernent „Die Region und ihre Sprachen im Unterricht“ an der Niedersächsischen Landesschulbehörde.

Aber auch Menschen, die Plattdeutsch oder Saterfriesisch können, sind aufgerufen, diese Sprache einfach „in den Mund zu nehmen“ und an den Freitagen im September auch dort zu verwenden, wo sie es sonst nicht tun: auf der Arbeit, bei Behörden oder beim Einkauf. Heiko Frese, Berater für Plattdeutsch bei der Landesschulbehörde in Lüneburg: „Einfach alle sind aufgerufen mitzumachen und offener mit der Sprache umzugehen.“

Einfach mal losschnacken

Dafür, dass die Aktion „Freedag ist Plattdag“ an den Schulen umgesetzt wird, engagiert sich in der Region unter anderem Heiko Frese, der selbst in Sachen Platt mit gutem Beispiel vorangeht: Mit seinen Kindern spricht er Platt. Eine Aktion, die Frese gemeinsam mit seinem Lehrerkollegen Philipp Meyn an der Lüneburger Wilhelm-Raabe-Schule organisiert, ist ein Plattdeutschquiz, das am 22. September stattfindet, einem Freitag natürlich.

Vor allem auch Schulen sind zur Teilnahme an der Aktion „Freedag is Plattdag“ aufgerufen. Anfang August hat die Landesschulbehörde alle Schulen im Land angeschrieben, um Lehrkräfte, Plattsprecher und Betreuungspersonal über die Idee zu informieren und zum Mitmachen zu motivieren. Ideen gibt es im Internet unter www.schoolmester.de.

Offiziell wurde die Aktion „Freedag is Plattdag“ am Freitag mit einer Veranstaltung in der Papenburger Meyer Werft eingeläutet. Dort sprach unter anderem Niedersachsens Landtagspräsident Bernd Busemann. Sein Thema: „Platt in’n Landdag“, also Platt im Landtag.

Infomaterial zum „Plattdag“ gibt es bei Inga Seba-Eichert, Referentin für Niederdeutsch beim Lüneburgischen Landschaftsverband, Veerßer Straße 53, 29525 Uelzen. Sie ist auch zu erreichen unter (05052)989910 oder per E-Mail: i.seba-eichert@bildung-voller-leben.de. Weitere Infos auch im Internet: www.lueneburgischer-landschaftsverband.de.

Platt eher etwas für Ältere?

Gesprochen wird es eher wenig, aber verstehen können es die meisten Norddeutschen, wenn sie danach gefragt werden: Mehr als 70 Prozent der Befragten gaben etwa an, dass sie Plattdeutsch sehr gut (20,9), gut (26,9) oder zumindest „mäßig“ (29,1) verstehen.

Die Zahl der Plattdeutsch-Versteher ist sehr unterschiedlich stark in den Bundesländern ausgeprägt. In Schleswig-Holstein gaben 87 Prozent der Befragten an, Platt sehr gut (34,1), gut (24,6) oder mäßig (28,3) zu verstehen. Die Werte für Niedersachsen: 23,1/25,5/25,9 Prozent (insgesamt 74,5).

Nicht überraschend ist, dass mehr ältere als jüngere Menschen Platt verstehen: Bei den bis zu 20-Jährigen gaben nur 17,5 Prozent an, Platt sehr gut (5,1) oder gut (12,4) zu verstehen. Bei den über 70-Jährigen waren es 75,2 Prozent (44,4/30,8).

Von Ingo Petersen