Donnerstag , 22. Februar 2018
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Jan Rake (25) und Jenny Wolter (29) trinken ihr Feierabendbier am liebsten auf der Brücke Lünertorstraße und beobachten dabei die Vorbeiziehenden. Foto: t&w

Der Trend zum „Cornern“ erreicht Lüneburg

Lüneburg. Abends gibt sich der Stint mediterran: Junge Lüneburger sitzen auf dem Bürgersteig der Lünertor-Brücke, das Gesicht in der Abendsonne , das Bier in der Hand und den Blick auf Brausebrücke und den Alten Kran gerichtet. Das Rumhängen auf Gehsteigen hat sogar einen Namen: „Cornern“ heißt das Phänomen. Entstanden ist es in der New Yorker Bronx der Achtziger, damals trafen sich Breakdance-Gruppen aus der HipHop-Szene an Straßenecken, um sich zu messen. Heute tanzt niemand mehr, dafür wird viel Bier getrunken. In Hamburg befinden sich die Corner-Szenetreffs deshalb meistens an Straßenecken mit vielen Kiosken.

In Lüneburg ist der Trend des geselligen Gehsteighockens auch angekommen. Nur sitzt man hier nicht an einer Ecke, sondern auf einer Brücke. Vielleicht haben die Lüneburger damit einen neuen Trend entdeckt: Kommt nach dem „Cornern“ jetzt das „Bridgen“? Vielleicht wurde aber auch nur eine alte Lüneburger Tradition wiederbelebt. In den 70er-Jahren, als es auf dem Stint noch keine Sitzgelegenheiten gab, wurde auch schon „gecornert“, da hieß es nur noch nicht so.

Gastronomen sehen „Cornern“ entspannt

Jenny Wolter und Jan Rake haben das Wort „bridgen“ bereits in ihren Wortschatz aufgenommen. Die beiden Freunde haben es sich auf der Lünertor-Brücke gemütlich gemacht, um ihr Feierabendbier zu trinken. „Man fühlt sich freier, als in einer Kneipe zu sitzen“, findet die 29-jährige Jenny Wolter. Jan Rake kommt oft hierher, mal mit Bier – und mittlerweile sei es sein Lieblingsplatz, verrät er. Als er vor ein paar Jahren nach Lüneburg zog, habe er oft unter der Weide neben dem Alten Kran gesessen, aber die Leute auf der Brücke zu beobachten, sei deutlich spannender, findet er. Der 25-Jährige hat vor zwei Jahren angefangen, sich immer wieder auf die Brücke zu setzen. „Seit diesem Sommer machen das aber immer mehr Leute“, ist ihm aufgefallen. An Wochenenden sei die Brücke knackevoll.

Während in Hamburg bereits die Gastronomen jammern, dass ihnen die Gäste ausbleiben, weil sie lieber günstig auf der Straße cornern, bleibt man in Lüneburg entspannt. Anne Janßen aus dem „Pons“ kann verstehen, dass sich die Leute gerne auf die Brücke setzen, „bei der Aussicht“. Über weniger Gäste könne sie sich nicht beschweren. Im Gegenteil: „Viele holen sich ihre Getränke bei uns und bringen auch brav ihre Gläser wieder zurück, wenn sie leer sind.“

Auch Susanne Jarnecke aus dem Lokal „Das Kleine“ ist eher begeistet als betrübt: „Ich finde das klasse. Meine Cousine wohnt in Florenz. Da ist das gang und gäbe.“ Nur über ein paar Cent oder wenigstens ein nettes Nachfragen würde sie sich freuen, wenn die Brückensitzer die Toilette des Lokals benutzen. Das bleibt wohl der einzige Nachteil am Cornern: Das viele Bier muss irgendwann auch wieder raus.

Bedrohung oder Protestform?
Während man in Lüneburg das Cornern erst entdeckt, hat das Eckensitzen in Hamburg fast schon Tradition. Seit fast vier Jahren treffen sich oftmals hunderte Menschen an der berühmtesten Ecke zwischen Sternschanze und St. Pauli.

Ihr Bier holen sich die jungen Menschen aus zwei Kiosken, die an der Ecke liegen, sehr zum Ärger der dort ansässigen Gastronomen. Selbst die Politik macht sich schon Sorgen. „Dieses Phänomen droht St. Pauli kaputtzumachen“, sagte Berzirksamtsleiter Falko Droßmann kürzlich im Abendblatt.

Andere freuen sich über das Phänomen, sehen in ihm eine Alternative für überteuerte Kneipen und Clubs oder sogar eine Protestform. Während des G20-Gipfels hatten sich tausende Menschen zum „hedonistischen Massencornern“ verabredet, um ihren Unmut gegen die Veranstaltung auszudrücken.

von Lena Köpsell

4 Kommentare

  1. „In Lüneburg ist der Trend des geselligen Gehsteighockens auch angekommen.“
    Was für ein Quatsch! Haben schon vor über 40 Jahren Am Stint auf den Treppen oder auf dem Bordstein gesessen. Was ist daran neu?
    Gibt nichts vernünftiges zu berichten, gell? Sommerloch??
    Kopfschüttel!

    • Alter Wein in neuen Schläuchen! Hast recht früher gab es das auch schon!

    • Bis in die 80er gab es keine Außengastronomie am Stint. Man stand einfach draußen rum und ging nur zum bierholen rein. Vielleicht wird der nächste Trend „Stehtrinken“. Das hörte erst auf, als sich die Wirte mit Biertischen und Sonnenschirmen breit machten.

      Mir ist auch positiv aufgefallen, dass wieder mehr los ist.. Sehr schön sitzen kann man direkt an der Ilmenau unterhalb vom Viskulenhof.

  2. Norbert Kasteinecke

    Bei Tschibo in den 60ern…