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Fahrrad, Auto oder doch mit dem Zug? Ob und wie sich pendeln lohnt, hängt von Wohnort, Arbeitsplatz, Zeitaufwand und Kosten ab. Foto: t&w

Online-Rechner macht Pendler-Kosten transparent

Lüneburg/Hamburg. Wohnen in Lüneburg, arbeiten in Hamburg oder umgekehrt, was lohnt sich unter welchen Umständen mehr? Mit dem „Wohn- und Mobilitätskostenrechne r“ haben die Metropolregion Hamburg und der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) jetzt ein neues Online-Angebot an den Start gebracht (www.womorechner.de), mit dem private Haushalte relativ einfach die Kosten für Wohnen und Pendeln im HVV-Gebiet ermitteln und vergleichen können. Den Startschuss für den WoMo-Rechner gaben jetzt Vertreter von Verkehrsverbund, Metropolregion und Landkreisen. Zu den Projektinitiatoren gehört auch der Kreis Harburg. Insgesamt beliefen sich die Entwicklungskosten für den Online-Rechner laut Metropolregion auf rund 140 000 Euro.

Spielerisch und mit wenig Eingaben zum Ergebnis

Bei der Pressekonferenz zum Projektauftakt in den HVV-Geschäftsräumen gestern in Hamburg umriss HVV-Geschäftsführer Dietrich Hartmann die Ausgangslage, die auch den HVV motiviert habe, das Projekt zu unterstützen. „Wer beispielsweise neu in die Metropolregion Hamburg ziehen möchte, den schrecken vielleicht die Preise in Hamburg, Lüneburg oder Stade ab.“ Die Folge sei eine Orientierung an die Siedlungsränder, wo der Wohnraum noch tendenziell günstig sei. Doch dann stiegen in der Regel auch die Fahrtkosten zur Arbeit.

Und: „Diese Zersiedlung führt zu höheren Verkehrsaufkommen, Staus und genervten Autofahrern.“ Der WoMo-Rechner solle künftig eine rationelle Hilfestellung für Wohnungssuchende – egal ob zum Kauf oder zur Miete – bieten und sie ins Verhältnis zu den Mobilitätskosten von Rad über Auto bis hin zum ÖPNV per Bus und Bahn setzen.

Der Rechner kann eher spielerisch mit wenigen Eingaben oder aber mit detaillierten individuellen Einstellungen genutzt werden. Für einen Kurzüberblick reichen Angaben zur Haushaltsgröße, zu Wohnort-Ideen, zum Arbeitsort und zu gewünschten Verkehrsmitteln. Dabei werden die für die Berechnung der Kosten wesentlichen Daten wie Miet- und Fahrtkosten aus der Datenbank ermittelt.

Alternativ können Werte wie konkrete Mietpreise, Heiz- und Stromkosten und Kraftstoffverbrauch des eigenen Pkw auch individuell eingegeben werden. Zudem sind Vergleiche zwischen mehreren Standorten möglich. Im Ergebnis erhalten die Nutzer vergleichende Informationen zu ihren Wohn- und Mobilitätskosten, zur CO₂-Bilanz und zum Zeitaufwand fürs Pendeln.

Rechner soll Kosten in der Metropolregion transparent machen

Jakob Richter, Geschäftsführer der Metropolregion, sagt: „Wir wollen niemanden dazu zwingen, irgendwo hinzuziehen. Wir wollen nur die Kosten in der Metropolregion transparent machen.“ Dabei sei klar, dass es noch andere wichtige Faktoren gibt, warum man sich für einen Wohnort entscheidet. Die Beschäftigung mit dem WoMo-Rechner habe aber auch bei Richter die Fantasie beflügelt und lässt ihn seine Wohnsituation überdenken, ob er nicht doch von der Hansestadt Hamburg ins Umland ziehe.

Bei diesen Ausführungen musste Torben Ziel, Kreisentwickler aus Harburg, lächeln. Schließlich ging es dem Kreis Harburg darum, die „attraktiven Wohnstandorte“ im Umland sichtbarer zu machen und zu zeigen, „unter welchen Bedingungen die Bürger das Leben im Hamburger Umland zeit- und kostengünstig mit einer Arbeitstätigkeit in Hamburg verbinden können“.

Daten werden wieder gelöscht

Projektleiter Matthias Winkler vom HVV betonte, dass die von Nutzern eingegebenen Daten nach der Online-Sitzung wieder gelöscht würden, um keine Begehrlichkeiten bei Dritten zu wecken. Die Berechnungsergebnisse können aber die Nutzer für sich selbst als PDF-Dokument herunterladen. Die dem WoMo-Rechner zugrundeliegende Datenbank werde einmal jährlich aktualisiert. Kooperationspartner ist unter anderem die „Forschung und Beratung“ GmbH in Hamburg, die auch den Immobilienatlas für einen großen Bau­finanzierer erstelle.

Beispielrechnung zur Eingangsfrage: Angenommen bei einem Paar arbeitet ein Partner in Hamburgs Westen und einer in Lüneburg, gemeinsam wünschen sie sich ein Haus mit 110 Quadratmetern Wohnfläche zum Kauf. Dann spuckt der WoMo-Rechner bei einer Überblicksbetrachtung eine zoombare Karte mit unterschiedlichen Färbungen nach Wohnkosten und Mobilitätskosten aus. Demnach betragen unter den genannten Bedingungen die durchschnittlichen Wohnkosten zum Beispiel am Hamburger Speers­ort 2805 Euro, die Mobilitätskosten 921 Euro im Monat. Im Lüneburger Stadtteil Rotes Feld fielen im Schnitt 1289 Euro fürs Wohnen und 283 Euro fürs Pendeln an.

Von Dennis Thomas

Gemeinschaftsprojekt: HVV übernimmt den laufenden Betrieb

Der Wohn- und Mobilitätskostenrechner ist ein gemeinsames Angebot des HVV und der Metropolregion Hamburg, die 80 Prozent (112 000 Euro) der Entwicklungskosten von 140 000 Euro übernommen hat.

Weitere 28 000 Euro wurden gemeinsam vom HVV, der Freien und Hansestadt Hamburg, dem Kreis Pinneberg und dem Landkreis Harburg eingebracht, der Antragsteller in dem Projekt war. Der HVV hat das Projekt umgesetzt und übernimmt nun den laufenden Betrieb und die Aktualisierung der Daten. lz