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Martina und Heiko Franken (v. l.) suchen mit dem Architekten Robert Läer nach dem richtigen Farbton für einen neuen Außenanstrich ihres Hauses in Bleckede. Foto: phs

Bleckede: Sanierung der alten Schmiede bricht an

Bleckede. Heiko Franken steht im Flur seines neuen Hauses, unter seinen Schuhen knirscht heller Sandboden, über dem Kopf ragt Lehmputz aus der Decke. Seit April ist das Haus, das der Unternehmensberater vor einem knappen Jahr mit seiner Frau Martina gekauft hat, eine Großbaustelle. Frühestens im Sommer 2018 rechnet der 49-Jährige mit der Fertigstellung.

Für 400 000 bis 450 000 Euro sollen aus dem heruntergekommenen Fachwerkhaus an der Lauenburger Straße 11 vier Ferienwohnungen werden – ein Kraftakt und zugleich eines der aktuell größten Privat-Projekte im Städtebauförderprogramm der Stadt. Mit 150 000 Euro bekommt Franken die maximal mögliche Fördersumme. „Ein Glücksfall, ohne den wir dieses Haus nie gekauft hätten“, sagt er.

2015 ist der Stadt Bleckede die Aufnahme in das Förderprogramm gelungen, seit 2016 haben Hauseigentümer im historischen Stadtkern die Chance, für private Sanierungsprojekte finanzielle Unterstützung zu erhalten. Die ersten Modernisierungs- und Instandsetzungsverträge sind inzwischen geschlossen, die ersten Baumaßnahmen laufen. Angelegt ist das Programm auf zehn Jahre, zur Verfügung stehen in dieser Zeit Fördermittel von sechs Millionen Euro.

„Das Haus ist von der Grundsubstanz her in recht gutem Zustand. Zu tun ist trotzdem noch eine Menge.“
Heiko Franken

Heiko und Martina Franken nutzen die Förderung zur Finanzierung einer Vollsanierung, haben sich außerdem ein Haus zum Selbereinziehen in der Innenstadt gekauft, das sie ebenfalls mit Städtebaufördermitteln sanieren wollen. „Für uns war dieses Programm mit ein Grund, in Bleckede zu investieren“, sagt Heiko Franken. „Und letztlich hat die Stadt damit auch noch zwei neue Einwohner gewonnen.“ Sobald ihr neues Wohnhaus fertig ist, wird das Paar aus Nutzfelde an die Elbe ziehen.

1709 wurde das Gebäude an der Lauenburger Straße von Schmiedemeister Heinrich Schulze gebaut, nun investiert der neue Eigentümer Heiko Franken 400¿000 bis 450.000 Euro in die Vollsanierung.

Martina Franken hatte sich schon vor Jahren in die Stadt verguckt. „Bleckede“, schwärmte sie ihrem Mann vor, „da möchte ich irgendwann mal hinziehen.“ Fast drei Jahre suchte das Paar vergeblich nach einem passenden Haus, dann stießen sie auf das Haus Lauenburger Straße 11 – alt, heruntergekommen, dringend sanierungsbedürftig. „Das Haus gefiel uns auf Anhieb, außerdem waren wir überzeugt, dass sich daraus was machen lässt“, sagt Franken. Nur als Wohnhaus war es für das Paar nicht das Richtige. Also entwickelten sie einen Plan B: Ferienwohnungen statt Wohnhaus.

Mit Umbau und Sanierung beauftragte das Ehepaar den Adendorfer Architekten Robert Läer, ein Experte in Sachen Altbau. Läer wusste, worauf er sich einlässt. Für Heiko und Martina Franken war es die erste Altbau-Vollsanierung. Die erste bittere Erfahrung, die sie machten: Ihr ursprünglicher Zeitplan ist längst passé. Die gute Nachricht: Vor allzu bösen Überraschungen wurden sie bisher verschont. „Das Haus ist von der Grundsubstanz her in recht gutem Zustand“, sagt Franken. „Zu tun ist trotzdem noch eine Menge.“

Entkernt ist das mehr als 220 Jahre alte Gebäude inzwischen, nun müssen Fußböden, Wände, Gauben und ein Großteil der Fenster erneuert, einzelne Balken getauscht, Dachschrägen gedämmt werden. „Danach geht es dann an den Innenausbau.“ Ist auch das geschafft, will Franken die Sanierung der alten Hofscheune in Angriff nehmen – ebenfalls mit Unterstützung aus dem Städtebauförderprogramm.

Von Anna Sprockhoff

Historie: Die alte Schmiede

Das Haus an der Lauenburger Straße 11 wurde nach Informationen von Heiko Franken 1709 von Schmiedemeister Johann Heinrich Schulze und seiner Frau Katharina (geborene Harms) gebaut und befand sich bis zuletzt in Familienbesitz. Damals lautete die Adresse noch Kleinburg 40. Die Werkstatt befand sich in der heutigen Scheune. 1833 heiratete die Tochter des Paares den Schmiedemeister Albrecht Burgdorf, die beiden kauften den Eltern Haus, Schmiede und Land ab.

Ihr ältester Sohn wurde ebenfalls Schmiedemeister und heiratete Dorothe Behnke. Als die mit 32 Jahren Witwe wurde, führte sie die Schmiede als Frau allein weiter. Ihre Tochter Hilda Burgdorf wiederum heiratete 1890 den Zigarrenfabrikanten Heinrich Jahnke. Sie schlossen die Schmiede, bauten das Haus um. Im Obergeschoss richtete sich Jahnke seine Zigarren-Werkstatt ein. Ende des Zweiten Weltkrieges erbten die Töchter des Paares das Haus. Von da an wurde es vermietet – und nun verkauft.