Aktuell
Home | Lokales | Ilmenau | Wie geht es weiter mit der Biogasanlage?
Der aktuelle Betreiber, die „Enegro Südergellersen Pellet GmbH und Co. KG“, war in die Insolvenz geschlittert. Ein neuer Investor möchte statt Pferdemist dort hauptsächlich Mais verwerten. Foto: dth

Wie geht es weiter mit der Biogasanlage?

Südergellersen. Im Ringen um den Fortbestand der Biogasanlage in Südergellersen will die Gemeinde jetzt mit dem interessierten Investor Nordmethan, beziehungsweise dessen Mutterfirma Weltec Biopower, in Verhandlungen treten.

Normalerweise wäre die Kommune nur Zaungast, doch die Gemeinde hatte sich beim alten und mittlerweile insolventen Betreiber vertraglich ein Mitspracherecht einräumen lassen, beispielsweise, mit welchen Rohstoffen die Biogasanlage gefüttert werden darf. Dass der mögliche neue Betreiber vor allem auf Mais setzen will, stieß bereits bei der Gemeinderatssitzung vor rund drei Wochen auf Kritik. Jetzt setzte sich das Gremium erneut damit auseinander und beschloss das weitere Vorgehen der Kommune.

„Wenn der Investor bestimmte Bedingungen erfüllt, dann werden wir nicht jubeln, aber das Konzept … positiv begleiten.“
Steffen Gärtner, Bürgermeister

Bisher bestand der Hauptanteil der genehmigten Substrate mit einer Gesamtjahresmenge von 65 100 Tonnen aus Pferdemist mit 57 000 Tonnen. Künftig würde die Nordmethan dort gerne den bisherigen Mais-Anteil versechsfachen auf rund 30 000 Tonnen – plus Pferdemist (5000 Tonnen), Geflügelmist (2000), Ganzpflanzensilage (2000) und Roggen (1000). Außerdem wolle der Rat dem Investor eine Rückbaubürgschaft für die gesamte Anlage über 200 000 Euro um den Hals hängen. Doch Weltec-Geschäftsführer Jens Albartus hatte dem Rat bei der vorherigen Sitzung signalisiert, dass er die Anlage nicht um jeden Preis übernehmen wolle. Nun hat sich der Rat neu positioniert.

„Wir haben Herrn Albartus diesmal nicht eingeladen, um ihm den Weg nach Südergellersen zu ersparen“, sagte bei der jüngsten Ratssitzung Bürgermeister Steffen Gärtner (CDU). Nach weiteren Beratungen seien die Kommunalpolitiker zu dem Schluss gekommen: „Wenn der Investor bestimmte Bedingungen erfüllt, dann werden wir nicht jubeln, aber das Konzept des Betreibers im Rahmen einer Änderung des Durchführungsvertrages positiv begleiten.“

Bedingung: Substrate aus der Region

Dazu gehöre zum Beispiel, dass der Betreiber nachweisen solle, dass er die Substrate aus einem Umkreis von zirka 15 Kilometern heranschaffen könne. Zudem sollen maximal zehn Prozent des Anlieferverkehrs durch den Ort fahren dürfen, der größte Teil soll über Bundes- und Kreisstraßen südlich der Ortslage abgewickelt werden.

Auch beim Punkt Rückbaubürgschaft haben sich Kommune und Investor offenbar angenähert. Allerdings ist nur noch die Rede von 30 000 Euro für die neu hinzukommenden baulichen Erweiterungen der Biogasanlage. Das stieß im Rat nicht durchweg auf Begeisterung. Nicole Müller (SPD) fragte stattdessen, was denn alternativ ein kompletter Abriss der Industrieanlage für die Gemeinde kosten würde. Darauf wusste Gärtner spontan keine Antwort. Schließlich erteilte der Rat unter den genannten Bedingungen bei fünf Ja-Stimmen und drei Enthaltungen Bürgermeister Gärtner den Auftrag, die Verhandlungen fortzusetzen.

Einstimmig sprach sich der Rat dafür aus, die Zimmerer- und Dachdeckerarbeiten für das Obergeschoss des Dorfgemeinschaftshauses vorzubereiten. Wie berichtet, wurde im Obergeschoss ein „holzzerstörender Pilz- und Insektenbefall“ festgestellt. Dazu legte jetzt Architekt Henryk Reimers eine aktualisierte Kostenschätzung vor. Demnach sei für die reinen Sanierungsarbeiten und Schädlingsbekämpfung mit Kosten von rund 136 000 Euro zu rechnen. Ursprünglich war noch ein Ausbau des Dachgeschosses im Gespräch – für rund 100 000 Euro zusätzlich. Dazu Gärtner: „Wir müssen etwas abspecken und gucken dann nächstes Jahr, was wir uns tatsächlich leisten können.“

Auch einstimmig entschied der Rat, die 6. Änderung des Bebauungsplans Nr. 1 „Buchenberg“ anzugehen. Ziel ist es, fehlende Teilbereiche mit einer örtlichen Bauvorschrift zu ergänzen.

Von Dennis Thomas

4 Kommentare

  1. Biogas lohnt sich für Betreiber wegen der massiven staatlichen Subventionierung. Mit Klimaschutz hat es nichts zu tun, und mit Mais betrieben ist es Naturvernichtung pur. Armes Südergellersen, dass man es nötig hat zu glauben, dieses tote Pferd immer noch weiter reiten zu müssen.

    • Andreas Janowitz

      Als wenn der Bilanzbetrug anderer Stromproduzenten „wirtschaftlicher“ wäre. Die Förderkosten von Kohle, Gas oder Öl entsprechen nicht den Gestehungskosten. Wer allerdings seine Gestehungskosten mit einrechnen muss arbeitet „unwirtschaftlich“ so die amüsant bekloppte Meinung.
      Alle erneuerbaren haben eine echte Bilanz.
      Müssten die 150-300 Mio. Jahre Produktionskosten für Kohle, Gas und Öl oder die Endlagerkosten für Atomstrom in der Bilanz auftauchen wären Erneuerbare schon jetzt unschlagbar billig. Wie unecht die Bilanz der Atomstromproduzenten ist erkennt man an der „Steuerbürgschaft“, ie. Subvention, für die Endlagerkosten, zumindest jeder mit einem funktionierenden Hirn.
      Da kein Erwachsener mit der geistigen Kapazität eines dreijährigen aufwartet ist jede Gegenansprache schlicht feindliche Propaganda.
      Alle kohle-, gas-, öl- oder kernkraftbasierte Stromproduktion nutzt Bilanzbetrug, um gegen Wind, Solar, Wasser oder Biomasse bestehen zu können. Faktisch beweist die „teuere“ Gassynthese zur Speicherung der Stromspitzen wie teuer synthetische Kohlenwasserstoffe sind. In einer echten Bilanz würden diese Preise für Kohle, Gas und Öl genutz anstatt die reinen Transportkosten als „Produktionskosten“ umzudeklarieren. Atomstrom fällt allein durch die Mindestlagerungszeit von einer Mio. Jahren hinten über.
      Wer aber stolz darauf ist sich nie von der Stelle zu bewegen, dem fällt Bilanzbetrug, oder auch Betrug im allgemeinen, bekanntermassen nicht schwer…

      • der betrug findet an der strombörse statt und die hat ihren sitz in leibzig. wer sich auskennt, kennt auch die wege aus der verarschung. ich bin gerade dabei, mir solarzellen mit einer leistung von mehreren kw aufs dach zu setzen. die umlage macht es möglich, pro jahr gewinne zu erzielen. vor ein paar jahren, war es noch einfacher, denen geld aus den taschen zu ziehen, die es nicht verhindern konnten. ich habe einfach keine lust opfer zu sein.

        • Andreas Janowitz

          Wir sprechen über Opfer?
          Die Kunst besteht darin ohne die derzeit wohl 4000 notwendigen Exekutionen zum Erreichen der Kardashev 0.9 auszukommen?
          Eine sofortige Exekution des al Saud Clans, einiger hundert US Oligarchen und sonstigen Gesocks, sprich Profiteure des derzeitigen Bilanzbetrugs, würde allen den Weg ebnen, sprich Milliarden Menschen.
          Allerdings führten Blutbäder solchen Ausmasses bisher niemals zum wünschenwerten Ziel.
          Insofern sollte es sich nicht um „notwendige Opfer“, sondern um wünschenswerte Entwicklungspfade drehen. Die leipziger Strombörse spiegelt lediglich den bisherigen Bilanzbetrug wider. Es geht dort nicht um echte Bilanzen, weswegen diese irrelevant ist. Notwendigerweise dreht sich die einzig relevante Diskussion um die echten Bilanzen. Jeder, der diese Unterfüttert ist relevant, dem Überleben dieser Spezies dienlich.
          Jeder der dagegen agiert befördert wahrscheinlich einen „grossen Filter“ im Sinne Robin Hanson`s .