Aktuell
Home | Lokales | Geständnis: Angestellter an Überfall auf Schnellrestaurant beteiligt
Der 31-jährige Lüneburger, hier mit seiner Verteidigerin Nicola Toillié in Saal 121 des Landgerichts, hat zum Prozessauftakt den Raub gestanden. Foto: be

Geständnis: Angestellter an Überfall auf Schnellrestaurant beteiligt

Lüneburg. Dem Schichtleiter eines Lüneburger Schnellrestaurants kam das Verhalten seines Mitarbeiters und des Räubers bei dem Überfall gleich „ein bisschen komisch“ vor, zu gekünstelt erschien ihm das Flehen seines Angestellten, „Bitte, bitte, tu mir nichts“ äußerte er gegenüber dem maskierten Mann.

Der Räuber wiederum habe mit einer schwarzen „Pistolen-ähnlichen Waffe vor mir rumgeklappert, die hörte sich an wie ein Spielzeugteil“.

Ungereimtheiten machen Chef stutzig

Und es habe weitere Ungereimtheiten gegeben, die den Chef haben misstrauisch werden lassen. Dass er richtig lag, bestätigte jetzt am Lüneburger Landgericht der ehemalige Mitarbeiter, der nur noch wenige Tage nach der Tat arbeitete, dann nicht mehr auftauchte: Der 31-Jährige legte zum Auftakt des Prozesses gegen ihn wegen gemeinschaftlicher schwerer räuberischer Erpressung ein Geständnis ab, er steckte mit dem Räuber unter einer Decke.

Oberstaatsanwalt Thomas Vogel schilderte die Tat vom Montag, 21. September 2015 gegen 0.15 Uhr, so: Nach Geschäftsschluss waren nur noch der Schichtleiter, der Kassierer und der Angeklagte als Küchenkraft in dem Restaurant. Der 31-Jährige brachte die Mülltüten durch die Hintertür zu den Containern, wo bereits der Komplize wartete.

Der Angeklagte ging wieder rein, ließ aber die Tür offen. Der Komplize kam aus seinem Versteck, gab dem Mittäter im Restaurant einen Wink, dann gingen beide über den Flur, wo sie den Schichtleiter trafen.

Der mit einer roten Sturmhaube maskierte Räuber bedrohte die Männer mit der Waffe, forderte den Chef auf, das Geld aus der Kasse und aus dem Tresor in eine mitgebrachte Tüte zu legen – unterm Strich 12 599,39 Euro.

Probleme, eine Lebenskrise, Alkohol

Der 31-Jährige ließ seine Einlassung von seiner Verteidigerin Nicola Toillié verlesen, ging dabei auch auf seine Lebensgeschichte ein: Er habe nach seinem Hauptschulabschluss eine Lehre bei einer Baufirma gemacht, mit 18 Jahren geheiratet. Sein Arbeitgeber ging pleite, die Ehe scheiterte: „Ich hatte Probleme, eine Lebenskrise, habe Alkohol getrunken, gekifft und gekokst.“

Um an Geld für Drogen zu kommen, habe er erste Straftaten begangen. 2010/2011 machte er eine Therapie, heiratete ein zweites Mal: „Ich bin wieder ins Kiffen hineingerutscht und habe Kokain konsumiert.“

Als er wenige Monate vor der Tat in dem Schnellrestaurant anfing, habe er rund 4000 Euro Drogenschulden gehabt. Der 31-Jährige erklärte, dass er wusste, dass „freitags bis sonntags keiner zum Geldabholen kommt“, montagmorgens also die kompletten Wochenendeinnahmen in Kasse und Tresor seien. Die Waffe, die genutzt wurde, sei eine ungeladene Schreckschusswaffe gewesen.

Die Beute habe er sich mit dem Komplizen geteilt, er selbst habe mit seinem Anteil Drogenschulden getilgt. Inzwischen bereue er die Tat: „Ich will einen Schlussstrich ziehen und eine stationäre Langzeittherapie machen.“

Angeklagter will Namen des Komplizen nicht preisgeben

Der Angeklagte wollte noch keine Fragen des Gerichts beantworten, auch nicht den Namen des Komplizen preisgeben. Oberstaatsanwalt Thomas Vogel machte ihm aber ein Angebot: „Es gibt einen deutlichen Rabatt, wenn Sie den Mittäter nennen.“ Richter Christoph Lüdtke ergänzte: „Dann muss aber ,Butter bei die Fische‘.

Ein Name und ein loser Anfangsverdacht reichen nicht.“ Über dieses Angebot will die Verteidigerin nun mit ihrem Mandanten diskutieren, morgen will er dazu Stellung nehmen.

Im Verfahren kommt auch noch ein weiterer Vorwurf zur Sprache: Der 31-Jährige soll in neun Fällen am Steuer eines Opel gesessen haben, einen Führerschein hat er nicht. Meist wurde er in Kaltenmoor gestoppt – auf dem Hin- und Rückweg zu und von einem Pizzalieferservice.

Von Rainer Schubert