Dienstag , 18. September 2018
Aktuell
Home | Lokales | lokale Wirtschaft | 2500 Mal Rote Rosen: eine Serie als Wirtschaftsfaktor
Stadtführerin Verena Fiedler erklärt Besuchern während einer speziellen Führung die Drehorte, die in der ARD-Serie „Rote Rosen“ eine Rolle spielen. Für viele Fans, die oft eine weite Anreise in Kauf nehmen, geht es um mehr als nur um Ablenkung vom Alltag. Foto: lz/phs

2500 Mal Rote Rosen: eine Serie als Wirtschaftsfaktor

Lüneburg. Treffpunkt für viele Fans ist das Rathaus, denn dort haben die Souvenirs zur Serie in der Tourist-Info eine eigene Ecke. Es gibt Bettwäsche, ein Buch, Tassen und die passenden Servietten – alles zu den Roten Rosen. Auch Kristallsalz mit Rosenblättern ist im Angebot. Längst sind die Touristen in Lüneburg ein wichtiger Wirtschaftsfaktor geworden.

Maßgeblich dazu beigetragen haben seit 2006 eben die „Roten Rosen“. Viele Besucher kommen wegen ihrer Lieblingsserie her. Heute läuft die 2500. Folge in der ARD. Die Fans sind treu, auch fast elf Jahre nach dem Start schalten werktags rund 1,5 Millionen Zuschauer ein.

„Ich bin immer froh, wenn ich aus meinem Alltag verschwinden und bei den Roten Rosen eintauchen kann“, sagt Claudia Greising, die bei einer der fast immer ausgebuchten Rosen-Führungen durch die idyllische Altstadt dabei ist. Die 51-Jährige ist aus Tübingen gekommen und hat Tochter Linda mitgebracht, sie ist erst acht und damit diesmal die jüngste Teilnehmerin. Auch die Mutter von Claudia Greising ist dabei, die 77-Jährige ist aus Düsseldorf angereist.

Männer sind eher die Ausnahme 

Männer sind bei den Rosen-Führungen eher die Ausnahme, sie sind ja auch nicht die Zielgruppe der Serie, die sich eher an Frauen ab 40 wendet. Auch heute sind die weitaus meisten der 20 Teilnehmer weiblich. „Einige von den Herren sind die Fahrer, und aus Liebe gehen sie mit“, weiß Stadtführerin Verena Fiedler. Die 60-Jährige ist ein Lüneburger Original, am Handgelenk trägt sie ein Haarband mit roten Rosen aus Stoff. Auch das Rathaus und andere Sehenswürdigkeiten zeigt sie, aber vor allem geht es um die Rosen.

Führungen für «Rote Rosen» Fans mit Verena Fiedler. Foto: lz/phs

„Hier hat Gunter Flickenschild seine Merle geheiratet“, erzählt Verena Fiedler am Heinrich-Heine-Haus. Gunter Flickenschild wird von Hermann Toelcke gespielt, aber die Namen der Schauspieler fallen heute kaum. Hier zählt die Rolle, das ist der Kosmos, um den es sich dreht. „Man lebt mit denen mit, man trauert mit ihnen und freut sich mit ihnen“, erklärt Claudia Greising ihre Leidenschaft.

„Hier hat sich Johanna angekettet“, hat die Stadtführerin schon am Rathaus erklärt – und alle wissen Bescheid. Johanna Hansen wird von Brigitte Antonius gespielt, nur sie und Gerry Hungbauer sind seit dem Start im November 2006 dabei.

Als wären es Familienmitglieder… 

Die Schicksale der Protagonisten werden auf den Führungen diskutiert, als wären es Familienmitglieder. Verena Fiedler hat einen Ordner mit Autogrammkarten dabei, dick wie ein Telefonbuch. An den jeweiligen Drehorten hält sie die Fotos der Akteure hoch. „Sie war ja dann von dem schwanger“ oder „Der war ja furchtbar“, kommentieren die Teilnehmerinnen, während die Männer eher schweigsam mitstapfen. In den Gassen entstehen die Außenaufnahmen, manch einer erkennt sie aus dem Fernsehen nun wieder.

„Wir waren in Hamburg und haben für die Führung einen Abstecher nach Lüneburg gemacht“, sagt Babette Sobe aus Mittweida in Sachsen. Die 53-Jährige ist mit Tochter Lisa gekommen. „Wir gucken die Rosen fast täglich“, sagt die 24 Jahre alte Studentin. „Sonst gucken wir es im Internet, wenn wir mal eine Folge verpasst haben.“ Ein Ehepaar aus Schleswig-Holstein hat den Sohn im Schlepptau, ein Pärchen aus Bremerhaven ist auch dabei. „Wir sind mit meiner Mutter da“, sagt der junge Mann fast ein wenig entschuldigend.

Mehr als zwei Stunden ist die Gruppe unterwegs, auch Linda hält tapfer durch. Zur Belohnung bekommt sie am Ende das Haargummi mit den Rosen geschenkt, sie kann es kaum glauben, dann löst sich die Gruppe auf. „Viele sind richtig selig, wenn sie herkommen“, sagt Verena Fiedler, Stadtführerin seit 16 Jahren. „Für viele Alleinstehende ist das wirklich ein Familienersatz. Da haben sie ein Stück Zuhause, wo sie jeden Tag sein können.“

Von Peer Körner