Aktuell
Home | Lokales | Weißer Ring Lüneburg: Leiter legt Amt nieder
Der Weiße Ring hilft Opfern von Gewalt, jetzt braucht er selbst Hilfe bei einer offenen Personalie. Gerhard Hoene leitete neun Jahre lang die Lüneburger Außenstelle. Er fühlte sich zur "Niederlegung" seines Amtes gedrängt und sieht sich ungerecht behandelt. Fotos: lz/nh

Weißer Ring Lüneburg: Leiter legt Amt nieder

Lüneburg. Werden Mitbürger Opfer von Kriminalität und Gewalt, ist der Weiße Ring zur Stelle. Der einzige bundesweit tätige Opferhilfeverein mit rund 3200 ehrena mtlichen Helfern in 420 Außenstellen unterstützt die Betroffenen unbürokratisch schnell – nicht nur finanziell, sondern vor allem auch psychisch. Sie ist unter anderem Vermittler zu Behörden und bietet Prozessbegleitungen an.

In Lüneburg aber ist die Außenstelle des Weißen Rings verwaist, dahinter stecken Querelen zwischen dem Landesbüro Niedersachsen und dem bisherigen Lüneburger Außenstellenleiter Gerhard Hoene.

Verwaiste Lüneburger Außenstelle

Der stellvertretende Landesvorsitzende Peter-Jürgen Seeler bestätigt: „Wir haben ein Problem in Lüneburg. Wir suchen einen neuen Leiter für die Außenstelle und müssen ein Team neu aufbauen.“ Elf Jahre lang war der Adendorfer Gerhard Hoene im Weißen Ring aktiv, übernahm im April 2008 die Leitung der Außenstelle von Heinz Chudziak, der aus Altersgründen das Amt abgab und nur noch als Stellvertreter fungierte.

Noch im März 2017 präsentierte Hoene anlässlich des Tags des Kriminalitätsopfers die Bilanz der Lüneburger für 2016: Neben menschlicher Zuwendung und anderer Unterstützung erhielten 43 Opfer 13 700 Euro materielle Hilfe. Zudem hat der Weiße Ring 9500 Euro für Antragsteller beim Fonds sexueller Missbrauch vorgeschossen, damit Therapien ohne Zeitverzögerung begonnen werden können. Der Schwerpunkt der Opferbetreuung lag mit 16 Fällen (ohne Anträge an den Fonds) bei Sexualstraftaten, mit elf Fällen bei Körperverletzungen und häuslicher Gewalt, gefolgt von sechs Fällen von Eigentumsdelikten.

„Er hat uns nicht in der Form vertreten, wie wir es von einem Leiter der Außenstelle erwarten.“
Peter-Jürgen Seeler, stellvertretender  Landesvorsitzender Weißer Ring

Ein Streit eskaliert

Zum Zeitpunkt dieser Bilanzpräsentation schwelte der Streit längst, später eskalierte er. Hoene erhielt vom Landesvorsitzenden Rainer Bruckert die Aufforderung, sein Amt niederzulegen. Das bestätigen beide Seiten, ebenso wie den Schritt Hoenes, dieser Aufforderung Wochen später zu folgen. Zwischenzeitlich hatte sich Hoene in einem Brief an Roswitha Müller-Piepenkötter, Bundesvorsitzende des Weißen Rings, über die „ultimative Forderung“ von Bruckert und über die anstehende „Abberufung“ beschwert, für eine solche seien vorgezogene Gespräche vorgeschrieben, die es in den vergangenen zwei Jahren nicht gegeben habe.

Gegenüber der LZ erläuterte Hoene, warum er sein Amt „niedergelegt“ habe: „Das Landesbüro hatte mehr als 100 Polizeidienststellen angeschrieben und nach der Qualität der Zusammenarbeit gefragt. Nur bei zwei Außenstellen habe es eine schlechte Zusammenarbeit gegeben, eine davon war Lüneburg.“ Ihm selbst allerdings habe die Polizeiführung erzählt, dass die Zusammenarbeit gut sei.

Die Rolle des „Runden Tisch gegen Gewalt“

Hintergrund sei ein anderer: „Die Teilnahme des Weißen Rings wurde in Lüneburg vom ,Runden Tisch gegen Gewalt‘ negiert.“ Die Teilnahme an diesem Netzwerk von Organisationen sei ihm verwehrt worden, ein ehemaliger Polizist und eine noch aktive Beamtin hätten sich gegen seine Teilnahme gewehrt, beide hätten gute Beziehungen zum Landesbüro des Weißen Rings. Auch ein Schreiben an den Innenminister mit der Bitte, der Landespräventionsrat möge auf den „Runden Tisch“ einwirken, sei erfolglos geblieben.

Für das Landesbüro bestätigt der Lüneburger Peter-Jürgen Seeler, dass Umfrage und Runder Tisch zwar eine Rolle dabei spielten, „dass wir Herrn Hoene aufforderten, seine Tätigkeit niederzulegen und wir uns von ihm getrennt haben“. Der eigentliche Grund sei aber im „Auftreten von Herrn Hoene“ zu suchen: „Er hat uns nicht in der Form vertreten, wie wir es von einem Außenstellenleiter erwarten.

Das führte zu Problemen mit Netzwerk-Partnern, die wir uns nicht leisten können.“ Die eigentliche Arbeit des Adendorfers stellt Seeler nicht infrage, lobt sogar dessen Engagement. Noch in der Phase seines Ausscheidens hatte sich Hoene um die Witwe des Lüneburgers gekümmert, der von einem Zeitungsausträger erstochen wurde. Hoene erreichte unter anderem, dass eine Leasing-Firma für ein Auto, das die Frau nun nicht mehr braucht, auf Forderungen in Höhe von rund 6000 Euro verzichtet.

Von Rainer Schubert