Aktuell
Home | Lokales | IHK: Absage an Konföderation aus Braunschweig
Konzentriert lauschen die Teilnehmer der IHK-Vollversammlung den Ergebnissen der Arbeitsgruppe Kooperation (vorne v.l.): Frank Dalock, Alexandra Clavier und Felix-Benjamin Manzke. Foto: lz/t&w

IHK: Absage an Konföderation aus Braunschweig

Lüneburg/Braunschweig. Das hat sich Olaf Kahle sicher anders vorgestellt: Gestern wollte der Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Lüneburg-Wolfsburg in der Vollversammlung den IHK-Mitgliedern die „Konföderation“ mit der IHK Braunschweig schmackhaft machen (LZ berichtete). Doch da­raus wurde nichts. Der Grund: Die Kollegen aus Braunschweig können dem Gedanken einer „Konföderation“ wenig abgewinnen. Das teilten sie der Lüneburger Kammerführung jetzt in einem zweiseitigen Schreiben mit. Quasi auf den letzten Drücker, denn das Schreiben, das der LZ vorliegt, trägt als Datum den 6. September.

Und auch die Vollversammlung der IHK Lüneburg-Wolfsburg hat sich gestern lediglich für eine „Ausweitung der Kooperation“ mit der IHK Braunschweig ausgesprochen. „Nach intensiver Diskussion einigte sich das Plenum auf diesen Beschluss und folgte einer von der Arbeitsgruppe Kooperation erarbeiteten Beschlussempfehlung damit nur zum Teil“, heißt es einer Pressemitteilung, die die IHK am Abend herausgab. Das Wort Konföderation taucht nur einmal auf – im letzten Satz, als das Modell, das die Arbeitsgruppe in ihrer Beschlussempfehlung favorisiert, die Vollversammlung jedoch abgelehnt hatte.

Die Fusion werde nicht mehr angestrebt

Wie eine Kooperation aussehen könnte, soll jetzt verhandelt werden. nur eines ist klar: „Eine Fusion wird nicht mehr angestrebt“, heißt es.

Warum das Modell der Konföderation von der Lüneburger Vollversammlung abgelehnt wurde, geht aus der Pressemitteilung nicht hervor. Deutlicher ist da das Schreiben aus Braunschweig: Ihr Nein zu einer Konföderation begründet die Kammerspitze unter anderem damit, dass dieser Begriff einen gemeinsamen Außenauftritt beider Kammern beinhalte. „Da aber ein solcher gemeinsamer Außenauftritt beispielsweise durch einen gemeinsamen Hauptgeschäftsführer für beide Industrie- und Handelskammern nicht angedacht wird, sollte auch auf diesen Begriff verzichtet werden“, schreibt Braunschweigs IHK-Präsidium. Dessen Hauptgeschäftsführer Dr. Bernd Meier will dies jedoch nicht als eine generelle Absage an eine mögliche Zusammenarbeit verstanden wissen. „Mit unserem Schreiben wollen wir vielmehr unsere Kollegen in Lüneburg bitten, über diesen Begriff noch einmal nachzudenken“, sagte er auf LZ-Anfrage. Der Wunsch, gemeinsame Projekte und Aktivitäten auf der Basis von Kooperationen und sachdienlicher Zusammenarbeit weiter zu verfolgen, bestehe auch weiterhin.

Durch die Vermeidung des Begriffs ‚Konföderation‘ werde zudem gerade im nördlichen Bereich der Lüneburger IHK Konfliktpotenzial aus der Diskussion genommen, hoffen Meier und seine Präsidiumskollegen. Diese Hoffnungen hat die Lüneburger Vollversammlung erfüllt.

Weiterhin Wunsch nach Zusammenarbeit

Damit spielen die Braunschweiger auf die Stimmungslage einiger Unternehmer aus dem Landkreis Harburg an, die ebenfalls für eine Aussetzung des „Konföderationsprozesses“ plädiert hatten, sich gleichzeitig aber für die Weiterentwicklung der Kooperationsbeziehungen zu anderen Industrie- und Handelskammern ausgesprochen hatten – „insbesondere im nördlichen Bereich des IHK-Bezirks“. Für eine Fusion sieht auch Meier keinerlei Chancen mehr. „Dieser Gedanke ist beerdigt, das muss man ganz klar so sehen“.

Was bleibt? „Beide Kammern sollten es sich zum Ziel setzen, auf der Basis sachorientierter und mitgliederorientierter Zusammenarbeit gemeinsame Projekte und Vorhaben zu entwickeln“, heißt es am Ende im Brief aus Braunschweig. Und auch in Lüneburg richtet Kahle den Blick schon wieder nach vorn: „Uns geht es darum, den Bedürfnissen unserer Mitglieder in beiden IHK-Bezirken noch besser gerecht werden zu können, und das funktioniert nur, wenn man miteinander reden und schauen kann, wo sind wir gemeinsam besser“, wird der Präsident in der Pressemitteilung zitiert.

Wie die Braunschweiger Wirtschaft das Werben der Lüneburger bewertet, wird sich spätestens am 25. September zeigen. Dann findet die Vollversammlung der Braunschweiger IHK statt.

Von Klaus Reschke

4 Kommentare

  1. Da die IHK eine völlig demokratische Institution und ohne Zwänge bei Beitragseinnahmen und sich somit völlig neutral in allen Dingen verhält und überall sehr beliebt ist, kann man nur hoffen, dass dieser hochbezahlte Debattierclub sich weiter verbreitert und somit von den wichtigen Dingen im Leben abgelenkt wird. Vielleicht wird dabei auch die nächste Beitragserhöhung vergessen und somit auf die nächste ,,Rentenerhöhung „ verzichtet?

  2. Nach diesem teuren Fiasko ist der Rücktritt von Olaf Kahle, Helmut Streiff, Michael Zeinert und Dr. Bernd Meier zu Beginn der kommenden Woche ja wohl unvermeidlich! Ich bin gespannt, ob nach der absolut zwingenden Demission dieser vier Gockel endlich eine Führungsriege nachrückt, die nicht nur persönliche Eitelkeiten pflegt, sondern sich endlich einmal um die Anliegen ihrer weit überwiegend kleinen und mittleren Mitgliedsbetriebe im Kammerbezirk kümmert.

  3. Die vier IHK-Fürsten haben über Monate ein groteskes Schaulaufen veranstaltet und riesige Mengen an Zeit, Geld und Arbeitskraft verschwendet, ohne jemals den eigentlichen Sinn der „Verschmelzung“ jenseits von dullen Floskeln (Synergie-Blabla) verständlich machen zu können. Es ist nötig, dass der feudale Selbstbedienungsshop für überkandidelte Funktionäre endlich geschlossen, das gedanklich offensichtlich verwirrte Leitungspersonal schnell ausgetauscht und durch eine Reform der kranken Strukturen à la Hamburg die Rückkehr zu einer echten Dienstleistungsorganisation für Mitglieder eingeleitet wird.

  4. Das geht ja wohl garnicht!!!!!!!!!!!